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Deutsche wappnen sich gegen Schweinepest

Die Seuche ist fast an der Grenze angekommen. Jetzt dürfen die Jäger sogar mit Nachtsichtgeräten schießen.

© Th. Lehmann

Von Holger Gutte

Nur keine Socken

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Löbau-Zittau. Noch hat die Afrikanische Schweinepest Deutschland nicht erreicht. Aber die Ausbreitung in Tschechien und Polen zeigt, dass die Gefahr realistisch ist. Auch wenn in Polen derzeit große Anstrengungen unternommen werden, die Ausbreitung einzudämmen, scheint es nur eine Frage der Zeit, wann die ersten daran erkrankten Schwarzkittel den Weg über die Neiße oder der Oder nach Deutschland einschlagen. Wie polnische Medien berichten, erhalten dort Jäger sogar Sonderurlaub, um die Abschusszahlen bei Wildschweinen zu erhöhen. Dabei sind dort die Abschüsse im abgelaufenen Jagdjahr schon deutlich gestiegen. In den Jagdrevieren des Kreises Legnica (Liegnitz) haben die Jäger beispielsweise in der Saison 2016/2017 rund 5000 Wildschweine erlegt. Ein Jahr zuvor sind es noch 700 gewesen. In ganz Niederschlesien stehen sogar 32198 Wildschweine auf der Streckenliste.

Aber auch in Deutschland sind die Jäger längst zu höheren Abschusszahlen aufgerufen. Zur Vorbeugung gegen die Schweinepest forderte der Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes, Wolfgang Vogel, Anfang des Jahres, mehr als 50000 Wildschweine in Sachsen zu erlegen. Das wären rund 80 Prozent des gesamten Bestandes. Im Landkreis Görlitz haben die Kreisräte im Dezember 2017 als kleinen Anreiz eine Schwarzwildprämie für erlegte Schwarzkittel beschlossen. „Die ersten Prämien wurden bereits ausgezahlt“, berichtet Pressesprecherin Julia Bjar auf Nachfrage der SZ.

Für die Jäger ist es hierzulande aber nicht so einfach als anderswo. „Es wäre für uns viel einfacher, wenn wir unsere Waffen mit Nachtsichtgeräten, Wärmebildkameras oder speziellen Beleuchtungseinrichtungen ausrüsten dürften. Das würde eine höhere Trefferquote erzielen und den Tieren unnötiges Leid ersparen“, sagt beispielsweise Anne-Kathrin Schädlich. Sie ist für die Öffentlichkeitsarbeit im Kreisjagdverband Oberlausitz zuständig. „Wildschweine sind nun mal nachtaktiv. Und ein Abschuss kommt nur bei ausreichender Sicht infrage“, schildert sie. So können sie praktisch nur schießen, wenn der Mond ausreichend scheint.

Wie die Nachrichtenagentur dpa jetzt meldet, hat der Freistaat Sachsen darauf reagiert und die Jagd auf Wildschweine erleichtert. Damit sich Sachsen besser vor einem Ausbreiten der Afrikanischen Schweinepest schützen kann, soll künftig zu bestimmten Zeiten die sogenannte Fangjagd mit Fallen erlaubt werden, wenn die Seuche auftritt. Das ist dann wie eine Art Gatter. Nachtsichtgeräte und Schalldämpfer sind ebenfalls erlaubt, meldet dpa. Eine Gesetzesänderung fordern die Jäger deshalb schon seit Jahren.

Im Jagdjahr 2016/17 sind im Landkreis Görlitz 4280 Wildschweine getötet worden. 283 von ihnen starben aber nicht durch eine Kugel, sondern im Straßenverkehr. Die Jäger geraten durch die Gefahr einer Ausbreitung der Schweinepest aber auch in eine Zwickmühle. Sie sollen mehr Schweine schießen, bekommen sie jedoch immer schwerer los. Reh und Hirsch ist nach wie vor bei Gastwirten gefragt. Aber Wildschwein wird den Jägern derzeit weniger abgenommen. Das bestätigt der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes, Detlef Eckert. Wahrscheinlich spielen hier Ängste und Unwissenheit der Gäste eine Rolle.

Dabei obliegt jedes Wildfleisch, das zum Verzehr gelangt, strengen Kontrollen. Die lebensmittelrechtliche Beanstandungsquote bei Schwarzwild im Landkreis Görlitz liegt aktuell etwa bei 0,5 Prozent, berichtet das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt. Das bedeutet, dass etwa ein Wildschwein von 200 waidgerecht erlegten Wildschweinen zwischen Bad Muskau und dem Zittauer Gebirge für genussuntauglich erklärt wird. Jedes geschossene Wildschwein wird auf Trichinen und Dunkersche Muskelegel untersucht.

Unabhängig vom aktuellen Seuchengeschehen in Osteuropa führt das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt grundsätzlich und regelmäßig Betriebskontrollen sowie Stichprobenuntersuchen bei Schweinehaltern im Landkreis Görlitz durch. Während die Afrikanische Schweinepest für den Menschen ungefährlich sein soll, ist sie für Hausschweine meist tödlich. Deshalb gibt es auch generell ein Verbot, Rohfleisch und Würste aus anderen Ländern einzuführen. „Das Virus wird direkt über Tierkontakte oder indirekt, zum Beispiel über Fleisch oder Wurst von infizierten Tieren, übertragen“, schildert das Veterinäramt. Unter ungünstigen Bedingungen können unachtsam entsorgte Reste von virushaltigem Reiseproviant ausreichen, um die Seuche einzuschleppen, heißt es.