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Deutsche Warnbojen vor Sumatra

Umwelt. Die verheerende Tsunami-Welle vom Dezember schwappte mehrfach um die Erde.

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Washington/Hamburg. Die tödliche Tsunami-Welle vom Dezember vergangenen Jahres schwappte mehrmals um die Erde und erreichte sogar Peru und Kanada. Das Wissenschaftsmagazin „Science“ berichtete im Internet, Forscher hätten die Welle mit Hilfe von Satellitenaufzeichnungen um die ganze Welt verfolgt. Die Strömung sei noch einen Tag später messbar gewesen.

Ein Forscherteam unter der Leitung von Vasily Titov vom Pazifischen Marine-Laboratorium in Seattle fand heraus, dass die Welle sich in einem komplizierten Muster um die Welt ausbreitete und dabei von Unebenheiten auf dem Meeresboden geleitet wurde. Die Strömung habe mehrfach die Erde umrundet, bevor sie schließlich verebbt sei, erklärte Titov.

In Callao in Peru, 18 345 Kilometer östlich des Epizentrums, und in Halifax in Kanada, 23 175 Kilometer westlich, war die gemessene Welle höher als auf den Cocos-Inseln, die nur etwa 1 600 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegen. Titovs Team begründete dies mit dem Ost-West-Verlauf der Strömung. Auf den Cocos-Inseln wurde die Welle mit 30,5 Zentimetern gemessen, in Callao und Halifax waren es mit 50,8 Zentimetern deutlich mehr. Im Nordatlantik und Nordpazifik kamen die höchsten Wellen zum Teil erst einen Tag nach dem anfänglichen Tsunami an.

Obwohl nach dem Sumatra-Beben außerhalb des Indischen Ozeanbeckens keine direkten Tsunami-Schäden beobachtet worden seien, zeige die Untersuchung, dass die Energie lokaler Erdbeben sehr weit durch die Weltmeere transportiert werden könne, betonen die Forscher. Der Tsunami vom 26. Dezember vergangenen Jahres kostete in elf Ländern mindestens 178 000 Menschen das Leben.

Acht Monate nach der Flutkatastrophe im Indischen Ozean hat Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn unterdessen die ersten Bojen eines deutschen Tsunami-Frühwarnsystems an Indonesien übergeben.

Einmaliges System

„Es ist uns in kurzer Zeit gelungen, ein technologisches System zu entwickeln, das weltweit einmalig ist“, sagte Bulmahn gestern auf einer Hamburger Werft, wo das 45 Millionen Euro teure System teilweise gebaut worden war. Bulmahns indonesischer Amtskollegen Kusmayanto Kadiman lobte die deutsch-indonesische Partnerschaft: „Das ist ein Beweis für die hervorragende Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft und Technik“.

Unter Federführung des Geoforschungszentrums Potsdam haben deutsche Wissenschaftler das satellitengestützte System entwickelt, mit dem die Menschen in Asien so schnell wie möglich vor Flutkatastrophen gewarnt werden sollen. Die GPS-Bojen werden in den nächsten Tagen nach Jakarta geflogen und im Oktober vor der indonesischen Insel Sumatra vom deutschen Forschungsschiff „Sonne“ ausgesetzt. Außerdem werden im Indischen Ozean auch Bodendrucksensoren am Meeresgrund installiert, die durch akustische Signale relevante Daten, etwa zur Seismik, an die Bojen liefern.

Über Beobachtungsstationen an der Küste sei es möglich, die Bevölkerung innerhalb von 20 Minuten nach den Messungen im Ozean vor einer Flutwelle zu warnen. Das komplette System soll binnen fünf Jahren ausgeliefert werden.

www.sciencexpress.org