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Deutschland bekommt neuen Warenhausriesen

Kartellamt stimmt zu: Karstadt und Kaufhof dürfen fusionieren. Es wird sich wohl einiges für Personal und Kunden ändern.

Von Erich Reimann

Bonn. Das Bundeskartellamt hat die Fusion von Karstadt und Kaufhof genehmigt. Kartellamtspräsident Andreas Mundt sagte am Freitag in Bonn: „Wir haben das Vorhaben intensiv geprüft. Weder aus der Perspektive der Verbraucher, noch aus Sicht der Hersteller und Lieferanten gab es durchschlagende wettbewerbliche Bedenken.“ Karstadt und Kaufhof hätten nicht nur viele Konkurrenten im stationären Geschäft. Auch der Online-Handel sorge für zusätzlichen Wettbewerbsdruck.

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Der neue Einzelhandelsriese wird europaweit 243 Standorte haben und rund 32 000 Mitarbeiter beschäftigen. Darunter 1 000 Mitarbeiter in Sachsen – in den Karstadthäusern in Dresden und Leipzig sowie in den Kaufhaus-Adressen in Leipzig und Chemnitz. Unter dem Dach der neuen Holding werden nicht nur die deutschen Kaufhof- und Karstadt-Filialen vereint, sondern auch die Karstadt-Sporthäuser, die europäischen Filialen der Outlet-Kette Saks Off 5th, die Galeria-Inno-Kaufhäuser in Belgien, die erst kürzlich gegründeten Hudson’s-Bay-Warenhäuser in den Niederlanden sowie eine Reihe von Internet-Anbietern.

Der Zusammenschluss ist aus der Not geboren. Kaufhof und Karstadt macht seit Jahren der Siegeszug von Billiganbietern wie Primark und Online-Händlern wie Amazon oder Zalando zu schaffen, aber auch die Konkurrenz der großen Einkaufszentren. Offiziell ist von einer „Fusion unter Gleichen“ die Rede. Doch wird die Signa-Holding von Karstadt-Eigentümer René Benko die Mehrheit am neuen Unternehmen halten: Signa erhält 50,01 Prozent der Anteile, der kanadische Kaufhof-Eigentümer HBC 49,99 Prozent. An den Kaufhof-Immobilien, die viele Milliarden wert sind, wird Signa künftig mit 50 Prozent beteiligt sein. Von dem Zusammenschluss erhoffen sich die beiden Ketten eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition. Die Bündelung von Einkaufsmacht dürfte es Kaufhof und Karstadt ermöglichen, bessere Konditionen von den Lieferanten zu bekommen. Außerdem könnten nach Einschätzung von Branchenkennern in der Verwaltung, Datenverarbeitung und Logistik beträchtliche Summen gespart werden.

Geleitet werden soll das Unternehmen von Karstadt-Chef Stephan Fanderl. Was die Fusion für Beschäftigte und Kommunen bringen wird, darüber besteht im Moment noch große Ungewissheit. Weder gibt es Zahlen zum erwarteten Stellenabbau, noch Angaben über mögliche Schließungen. Karstadt-Eigentümer René Benko bemühte sich zuletzt jedoch, Ängste vor drastischen Einschnitten zu dämpfen: „Natürlich müssen wir sanieren, aber wir werden wie bisher um jede Filiale kämpfen und versuchen, sie in schwarze Zahlen zu bringen“, betonte er. Auch Branchenexperten rechnen nicht mit einer Schließungswelle gleich nach der Übernahme. Die Kosten dafür wären nach ihrer Einschätzung angesichts der oft über Jahrzehnte laufenden Mietverträge einfach zu hoch. Es könnte allerdings einzelne Schließungen geben, wenn Mietverträge auslaufen.

Was der Zusammenschluss für die Verbraucher bedeutet, muss sich noch herausstellen. Die beiden Marken Karstadt und Kaufhof sollen laut Benko erhalten bleiben. Das Problem dabei: In vielen Bereichen ist das Angebot der beiden Ketten nach einer Analyse des Branchenfachblatts Textilwirtschaft weitgehend austauschbar. Nach der Fusion wäre es naheliegend, hier für größere Unterschiede zu sorgen. (dpa)