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„Deutschland hat mich offener gemacht“

Der Syrer Osama Aljaloud kam vor drei Jahren nach Dresden. Jetzt interviewt er hier Menschen für eine Facebook-Seite.

Osama Aljaloud fand in Dresden Freunde, neue Arbeit und eine neue Sicht auf seinen Glauben © Robert Löbel

Als Osama Aljaloud seine Heimat verließ, suchte er die Freiheit. Zu Hause in Syrien wollten die Machthaber ihn zum Militärdienst zwingen, doch der heute 35-jährige flüchtete stattdessen in die Türkei. „Eigentlich wollte ich dort bleiben und arbeiten, aber ich fühlte mich nicht gut aufgenommen“, sagt er heute. Deswegen beschloss er, nach Deutschland weiterzuziehen. Über einige Umwege landete er vor fast genau drei Jahren in Dresden.

Seit diesen Tagen ist viel passiert. Bis 2016 konnte Osama Aljaloud kein Wort Deutsch. Nach einigen Sprachkursen spricht er es nun ausgesprochen gut. Vergangenes Jahr hat der studierte Elektrotechniker einen Job gefunden. Beim Halbleiterhersteller X-Fab in Klotzsche hält er die Anlagen am Laufen.

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Auch darüber hinaus ist Osama inzwischen ein Teil des öffentlichen Lebens in der Stadt. Bei einem Workshop zum Thema „Wie führe ich ein Interview?“ traf er im vergangenen Jahr in einer Dresdner Bibliothek auf das Team von „Leute in Dresden“, einer Facebookseite, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, wahllos Menschen in Dresden anzusprechen und ungefiltert von sich erzählen zu lassen. „Ich fand diese Idee sehr gut und habe spontan meine Hilfe angeboten“, sagt Osama.

Seit einigen Wochen gehört er nun zum Interviewer-Team. Mit ihm sind es inzwischen sechs Macher, darunter zwei Fotografen. Regelmäßig führt Osama nun Gespräche, meist auf Arabisch, die er dann selbst übersetzt. Auch an Interviews auf Deutsch hat er sich schon gewagt, fühlt sich dabei aber noch unsicher.

Und dennoch: Seine Zeit in Deutschland habe ihn zu einem offeneren Menschen gemacht und ihm in vielerlei Hinsicht eine neue Welt offenbart. „Ich habe hier von Atheisten und Christen so viel Hilfe bekommen. Das ist ein großer Widerspruch zu dem, was wir in Syrien über den Westen gesagt bekommen.“ Nun wisse er, dass es da noch eine Welt außerhalb des Islams gebe, die keineswegs der Teufel persönlich erschaffen habe. „Wir sollten das traditionelle Verständnis des Islam überdenken“, sagt er, und weiß doch selbst am besten, dass es bis dahin ein weiter Weg sein wird.

Seitdem Osama Aljaloud in Deutschland ist, betet er nur selten, obwohl ihm seine Religion noch immer wichtig ist. Seine Aufenthaltserlaubnis wurde gerade um drei Jahre verlängert. Er hofft, dass sie bald unbefristet gültig ist. „Ich fühle mich wohl hier, habe noch keine schlechten Erfahrungen gemacht und würde gern eine Familie gründen.“ Aber alles zu seiner Zeit.