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Deutschland ist in Europa bei der Konjunktur spitze

Die ostdeutsche Industrie legt mehr zu als im Westen – beide zusammen machen einen sehr guten Eindruck.

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Halle/Paris/Wiesbaden/München. Die Produktion der ostdeutschen Wirtschaft wird im zweiten Quartal kräftig zulegen. Diese Prognose stellte gestern das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH). „Die Industrie ist bei ihren hohen Geschäftserwartungen geblieben“, sagte IWH-Konjunkturexperte Udo Ludwig. Die Auftragseingänge hätten weiter kräftig zugenommen. Die Industrieproduktion in den neuen Ländern sei im Quartal sogar kräftiger gewachsen als im Westen – binnen Jahresfrist um rund vier Prozent. Dazu hätte auch das Baugewerbe beigetragen. In dieser Branche sei nun jedoch damit zu rechnen, dass der wegen des milden Winters ausgelöste Wachstumsschub allmählich auslaufen wird. Eine Erholung sieht das IHW beim Handel. „Dafür spricht die verbesserte Einkommenssituation privater Haushalte“, sagte Ludwig.

Zahlen auf Rekordniveau

Die deutsche Wirtschaft ist derzeit Europas Konjunkturlokomotive. Deutschland fährt nach dem neuen Wirtschaftsausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zumindest bis Ende 2008 einen idealen Kurs: Kräftiges Wachstum, sinkende Arbeitslosigkeit, steigende Reallöhne – und das alles ohne galoppierende Preise. Der Höhepunkt des Konjunkturzyklus werde zwar in diesem Jahr erreicht, berichtete die OECD gestern in Paris. 2008 werde das Wachstum mit 2,2 Prozent dennoch im Trend der Industrieländer liegen.

Auch das Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft zeigt weiterhin ein Hoch an. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München verharrt im Mai unverändert auf hervorragendem Niveau.

Ungeachtet der hohen Ölpreise, des starken Euro und der höheren Mehrwertsteuer liegt das Konjunkturbarometer nur knapp unter seinem Hochstand vom Dezember 2006. „Damit bleiben die Konjunkturaussichten unverändert gut“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch das Statistische Bundesamt in Wiesbaden legte gestern Zahlen vor. Danach stieg das Bruttoinlandsprodukt – der Wert aller in Deutschland hergestellten Güter und Dienstleistungen – innerhalb eines Jahres um 3,3 Prozent.

Rechnet man heraus, dass im ersten Quartal dieses Jahres ein Arbeitstag weniger zur Verfügung stand als im ersten Quartal 2006, beträgt der Anstieg sogar 3,6 Prozent. Allerdings habe der Steuerzuschlag zum Jahreswechsel den privaten Konsum im ersten Quartal deutlich gebremst, teilten die Statistiker mit.

Der OECD zufolge läuft die Konjunktur im gesamten Euro-Raum auf hohen Touren. Weil sich neben Deutschland auch Italien erholt hat, werde die Wirtschaft im laufenden Jahr um 2,7 Prozent wachsen. Dagegen bremse die US-Wirtschaft im laufenden Jahr von 3,3 auf 2,1 Prozent ab.

OECD: Budgets konsolidieren

Als positiv wertet die OECD, dass die gute Konjunktur im Euro-Raum zunehmend zur Konsolidierung der Budgets genutzt wird. „Europa ist aber wieder in der Zone der Versuchung“, sagte der Chefvolkswirt der OECD, Jean-Philippe Cotis. Es lasse sich „nie schmerzfreier sparen als im Boom“.

Die Zahl der Arbeitslosen wird der OECD zufolge in den nächsten eineinhalb Jahren in Deutschland um eine halbe Million sinken. Im Jahresmittel werde die Erwerbslosenquote in diesem Jahr von 8,1 auf 6,9 Prozent fallen und 2008 bei 6,3Prozent liegen. Erstmals seit der Jahrtausendwende werden die Löhne im kommenden Jahr nicht nur nominal, sondern auch real spürbar steigen. Die Inflation wird aber in diesem Jahr mit 1,8 Prozent stabil bleiben; 2008 soll sie sogar auf 1,7 Prozent zurückgehen. (dpa/AP)