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Deutschland & Welt

Tote im Höllentalklamm soll aus Oberfranken kommen

Eine Frau aus Lichtenfels ertrank aller Wahrscheinlichkeit nach bei der Flutwelle im Höllentalklamm. Eine Person wird noch vermisst.

Ein Schild mit der Aufschrift ·Vollsperrung! Lebensgefahr!· steht am Eingang zur Höllentalklamm. Nach der Flutwelle in der Klamm an der Zugspitze geht die Suche nach zwei Vermissten weiter.
Ein Schild mit der Aufschrift ·Vollsperrung! Lebensgefahr!· steht am Eingang zur Höllentalklamm. Nach der Flutwelle in der Klamm an der Zugspitze geht die Suche nach zwei Vermissten weiter. © Lennart Preiss/dpa

Grainau. Die nach der Flutwelle an der Höllentalklamm tot geborgene Frau stammte laut Ermittlern aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Landkreis Lichtenfels in Oberfranken und war 33 Jahre alt. Eine Obduktion soll die Identität noch zweifelsfrei klären, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Mittwoch. Das Ergebnis werde voraussichtlich am Donnerstag vorliegen.

Helfer suchten am Mittwoch weiter nach einer zweiten vermissten Person, die Augenzeugen zufolge mit der Frau von den Fluten weggerissen worden sein soll. Allerdings schwindet die Hoffnung, die Person lebend zu finden.

Die Frau war am Dienstagmorgen tot aus dem Wasser geborgen worden. Eine Vermisstenmeldung passe sehr genau auf die Tote. Die Kriminalpolizei Garmisch-Partenkirchen gehe derzeit davon aus, dass es sich um die 33-Jährige handele.

Mitglieder der Feuerwehr stehen nach einer Flutwelle in der Höllentalklamm bereit, um im Notfall Opfer aus dem Fluss Hammersbach zu bergen.
Mitglieder der Feuerwehr stehen nach einer Flutwelle in der Höllentalklamm bereit, um im Notfall Opfer aus dem Fluss Hammersbach zu bergen. © Peter Kneffel/dpa
Der Hammersbach am Ausgang der Höllentalklamm am Dienstag. Am Vortag war nach starken Regenfällen eine Flutwelle durch die Schlucht gerauscht. Sie riss mehrere Menschen mit sich.
Der Hammersbach am Ausgang der Höllentalklamm am Dienstag. Am Vortag war nach starken Regenfällen eine Flutwelle durch die Schlucht gerauscht. Sie riss mehrere Menschen mit sich. © Lennart Preiss/dpa
Der Weg durch die Höllentalklamm führt durch viele Tunnel.
Der Weg durch die Höllentalklamm führt durch viele Tunnel. © Archiv/Verena Wolff/dpa
Am Fuß der Zugspitze liegt die bei Wanderern beliebte Höllentalklamm.
Am Fuß der Zugspitze liegt die bei Wanderern beliebte Höllentalklamm. © Peter Kneffel/dpa

Acht Menschen waren am Montagabend nach dem Unglück weitgehend unverletzt aus der Klamm nahe Grainau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gerettet worden. Die beiden zuletzt Vermissten hatten Augenzeugen zufolge auf einer Holzbrücke über den Hammersbach oberhalb der Klamm gestanden, als die Welle kam. Die Brücke wurde demnach überspült oder teils weggerissen.

Die früher massiver gebaute Brücke war bereits einmal weggerissen worden und danach bewusst von einer Fachfirma so konstruiert worden, dass sie maximalen Wassermassen nicht standhält, sagte der Sprecher des Deutschen Alpenvereins (DAV), Thomas Bucher. Andernfalls sammele sich Treibgut, das Wasser staue sich - mit der Gefahr einer noch größeren Flutwelle, wie frühere Erfahrungen zeigten.

"Es ist ein schrecklicher Unfall, den wir sehr bedauern", sagte Bucher. Weiterhin sei nicht klar, was sich genau abspielte und ob die Frau und ein weiter Vermisster tatsächlich mit der Brücke weggerissen wurden.

Der Höllentalklamm ist ein beliebtes Ausflugsziel unterhalb der Zugspitze.
Der Höllentalklamm ist ein beliebtes Ausflugsziel unterhalb der Zugspitze. © dpa

Für die Klamm und die oberhalb liegende Brücke sei die DAV-Sektion Garmisch-Partenkirchen zuständig, sagte Bucher. Diese habe grundsätzlich eine Verkehrssicherungspflicht. Es gebe aber keine Aufsichtspflicht. Die Brücke befinde sich außerhalb der Klamm an dem Wanderweg zur Höllentalangerhütte und Zugspitze. Der DAV ist vielerorts für die Pflege alpiner Wege zuständig.

Die Klamm ist von oben vollkommen frei zugänglich. Auch am unteren Zugang gibt es keine Sperre. In Zeiten, in denen das Kassenhäuschen besetzt sei, werde bei Gewitter oder Unwetter niemand in die Klamm eingelassen - nicht aber bei einer Ankündigung eines Unwetters, sagte Bucher. Die Flutwelle sei ein extrem außergewöhnliches Ereignis gewesen, das so nicht absehbar war.

Schon seit Montag hatten Helfer mit einem Großaufgebot von bis zu 160 Kräften nach der weiteren vermissten Person gesucht, Augenzeugen zufolge soll es sich wohl um einen Mann handeln. Dabei seien bereits alle relevanten und denkbaren Bereiche mehrfach abgesucht worden, erläuterte der Einsatzleiter des Bayerischen Roten Kreuzes, Hans Steinbrecher. Ein Hubschrauber und mehrere Drohnen hatten aus der Luft die Suche nahe Grainau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen unterstützt.

Die Staatsanwaltschaft München II leitete Vorermittlungen ein, wie eine Sprecherin sagte. Gegen konkrete Personen richteten sich diese Überprüfungen bisher aber nicht. (dpa)

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