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Endlager-Suche: Wissenschaft rein, Politik raus

SZ-Wissenschaftsredakteur Stephan Schön kommentiert die Suche nach dem Platz für den Atommüll.

©  [M] dpa/ SZ

Selten war eine Entscheidung der Bundesrepublik schwerer gefallen. Selten hat etwas länger gedauert, als der Streit um den Atommüll. Keiner will ihn. Doch 2030 wird dann feststehen, wer dieses Endlager für radioaktiven Müll bekommt.

Alle Voraussetzungen für einen gewaltigen Krach sind aber jetzt schon vorhanden. Wo der strahlende Abfall vergraben wird, diese Auswahl hat soeben begonnen. Ehrlich und fair soll sie sein. Nicht politisch getrieben, sondern wissenschaftlich fundiert. Auf der Grundlage aller bisherigen und künftig verfügbaren Daten aus dem Boden. Staatliche wie private Erkenntnisse der Firmen aus Bohrungen und Seismik werden dafür genutzt.

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So weit der Plan. Dass der in Deutschland mit seinen föderalen Strukturen funktionieren kann, mag man ja hoffen, daran zu glauben ist, geradezu irrational. Bayern hatte vorsorglich noch vor der ersten Standortvorauswahl getönt, das Bundesland sei komplett ungeeignet. Ist es nicht, wie die Karte nun zeigt. Sachsen indes akzeptiert die Suche auch bei sich. Aber auch das nur solange, wie sich alle, wirklich alle Länder an die vereinbarten Spielregeln halten. Und das zehn Jahre lang bis zur Standortentscheidung.

Atomstrom ist nicht nur riskant, er ist immer auch unfair. Gleiche Chancen und Risiken kennt er nicht. Den Strom haben alle genutzt. Aber nur eine einzige Region wird die Folgen auf unbestimmte Zeit abbekommen. Umso mehr ist eine für jeden Einzelnen, nicht nur für Wissenschaftler nachvollziehbare Auswahl nötig. Bürgerkonferenzen sind gut, das unabhängige Kontrollgremium für den Auswahlprozess mit Bürgern und Forschern ebenso. Da hat man offenbar aus der jahrzehntelangen Eskalation um das einst geplante Endlager Gorleben gelernt. Das soll sich nicht noch mal wiederholen.

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Die Einigkeit bei der Suche nach dem Platz für das Atommüll-Endlager bleibt sicherlich nur solange erhalten, wie es nicht vor der eigenen Haustür entsteht. Doch wann immer versucht wird, sich politisch in die Standortsuche einzumischen, verliert diese Auswahl an Vertrauen in der Bevölkerung. Vertrauen, den wirklich sichersten Platz in Deutschland zu finden. Im Interesse aller.

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