merken
Deutschland & Welt

Fall Oury Jalloh: Gutachten sieht Schuld bei der Polizei

Knapp 17 Jahre nach dem Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Polizeizelle in Dessau gibt es ein neues Brandgutachten.

Knapp 17 Jahre nach dem Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Polizeizelle in Dessau will eine Initiative mit einem erneuten Brandtest und einem Film belegen, dass Jalloh angezündet wurde.
Knapp 17 Jahre nach dem Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Polizeizelle in Dessau will eine Initiative mit einem erneuten Brandtest und einem Film belegen, dass Jalloh angezündet wurde. © dpa

Berlin. Die Familie des 2005 in einer Dessauer Polizeizelle verbrannten Asylbewerbers Oury Jalloh fordert von der Bundesanwaltschaft die Wiederaufnahme von Ermittlungen wegen Mordes gegen Polizeibeamte des Reviers. Zudem werde sie Anzeige wegen Strafvereitelung im Amt gegen die Generalstaatsanwaltschaft von Sachsen-Anhalt stellen, kündigte die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh am Mittwoch in Berlin an. Hintergrund ist ein neues Brandgutachten.

Das Gutachten basiert auf Brandversuchen zur Rekonstruktion des Tatortes vom 7. Januar 2005 in einem originalgetreuen Nachbau der Zelle 5 des Polizeireviers Dessau. Der britische Brandsachverständige Iain Peck kommt darin zu dem Ergebnis, dass der an Händen und Füßen gefesselte Oury Jalloh von Polizeibeamten angezündet worden sein muss.

Anzeige
Wie wäre es mit handgemachtem Schmuck zum Weihnachtsfest?
Wie wäre es mit handgemachtem Schmuck zum Weihnachtsfest?

Die Adventszeit hat begonnen und damit die Suche nach dem perfekten Geschenk. Schmuck ist immer beliebt, aber wie wäre es mit einem Unikat aus der Oberlausitz?

Nach seinen Versuchen mit einem Dummy hält es der Brandforensiker für "höchstwahrscheinlich", dass Jalloh mit einer Flüssigkeit wie Benzin übergossen und angezündet wurde. Darüber hinaus hätten Bewegungsversuche mit einer an vier Punkten fixierten Person auf einer Matratze in Originalgröße gezeigt, dass Jalloh weder den Bewegungsspielraum noch andere Möglichkeiten hatte, die Matratze selbst anzuzünden, sagte Peck.

Die Umstände, unter denen der aus Sierrra Leone stammende Oury Jalloh umkam, sind bis heute unklar. Nach offizieller Behördenversion soll sich der damals 36-Jährige im Keller des Polizeireviers, an Händen und Füßen gefesselt, auf einer feuerfesten Matratze selbst angezündet haben. Brandgutachter, Mediziner und Kriminologen erklärten dagegen wiederholt, dass dies nicht möglich sei. (epd)

Mehr zum Thema Deutschland & Welt