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Deutschland & Welt

Große Razzia in Berliner Rapperszene

Berliner Ermittler durchsuchen 18 Objekte und beschlagnahmen massenweise Unterlagen und Datenträger. Es geht um Steuerstraftaten und die Rapperszene.

Polizeibeamte stehen vor einem Grundstück in Kleinmachnow. Seit 6 Uhr morgens durchsuchen 300 Beamte der Polizei und Steuerfahndung insgesamt 18 Häuser, Wohnungen und Geschäftsräume in Berlin, Brandenburg und der Schweiz.
Polizeibeamte stehen vor einem Grundstück in Kleinmachnow. Seit 6 Uhr morgens durchsuchen 300 Beamte der Polizei und Steuerfahndung insgesamt 18 Häuser, Wohnungen und Geschäftsräume in Berlin, Brandenburg und der Schweiz. © dpa

Berlin. Es ist noch nicht richtig hell, als Berliner Ermittler und Steuerfahnder am Dienstagfrüh an mehreren Orten gleichzeitig anrücken - in Berlin, Brandenburg und der Schweiz. Der Verdacht: Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Betrug. Es geht um einen Bereich, den die Staatsanwaltschaft "Managementleistungen innerhalb der Rapszene" nennt - und es geht um vier Verdächtige.

Über Stunden überprüfen rund 300 Beamte Geschäftsräume und Wohnungen, auch eine Villa südlich von Berlin ist dabei. An mehreren Orten werden Kisten, Taschen und ganze Trolleys mit Geschäftsunterlagen und Datenträgern beschlagnahmt und Vermögenswerte von mehreren Millionen Euro vorläufig sichergestellt.

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Die großangelegte Razzia richtet sich nach dpa-Informationen gegen den Berliner Clanchef Arafat A.-Ch. und drei weitere Verdächtige. Festgenommen wird niemand. Ein Anwalt von A.-Ch. teilt mit: "Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich derzeit keine Auskünfte erteilen kann."

Gegen den 44 Jahre alten A.-Ch. und drei seiner Brüder hatte im August am Berliner Landgericht ein großangelegter Prozess wegen Straftaten zum Nachteil des Rappers Bushido begonnen. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für A.-Ch. die Unschuldsvermutung - dies gilt auch für die jetzt laufenden Ermittlungen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft will sich am Dienstag nicht dazu äußern, ob die Durchsuchungen direkt mit der laufenden Hauptverhandlung zusammenhängen. "Aus anderen Ermittlungen ergaben sich Hinweise auf Steuerstraftaten", sagt der Sprecher.

Zwangsheirat zwischen Rappern

Laut Anklage sollen A.-Ch. und die Brüder als Gehilfen oder Mittäter Bushido Anklage bedroht, beschimpft, eingesperrt und angegriffen haben. Bushido hatte in den vergangenen Wochen als Zeuge berichtet, dass A.-Ch. als Manager und Geschäftspartner im Lauf der Jahre insgesamt neun Millionen Euro von ihm erhalten habe. Die Männer schweigen bislang. Drei von ihnen, darunter der 44-Jährige, sind auf freiem Fuß.

Arafat A.-Ch. und Bushido - mit bürgerlichem Namen Anis Ferchichi - waren einst Partner im Musikgeschäft, posierten zusammen auf dem roten Teppich. Doch dann kappte Bushido die Geschäftsbeziehung. Im Prozess sagte der Musiker als Zeuge, es sei eine Zwangsheirat gewesen.

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Der Prozess war vor einer Woche unterbrochen worden, weil es der Mutter der Angeklagten sehr schlecht ging. Wenig später starb die Frau, zu der Beerdigung in Berlin kamen Hunderte Trauergäste.

Am 30. September soll vor Gericht die Befragung von Bushido, der auch Nebenkläger ist, fortgesetzt werden. Der Musiker wird stets von Beamten mit Sturmhauben in den Gerichtssaal gebracht, er steht unter Polizeischutz. (dpa)

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