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Discounter erklären Kartenzahlungs-Probleme für beendet

Tagelang grüßte in vielen Supermärkten ein Schild: "Kartenzahlung nicht möglich". Nun sollen die meisten Probleme behoben sein - zumindest bei den großen Discountern.

Von Fabian Deicke & Mirko Jakubowsky & Franziska Anders
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Die Zahlung per Giro- oder Kreditkarte in Deutschland scheint zumindest bei einigen Discountern beendet zu sein.
Die Zahlung per Giro- oder Kreditkarte in Deutschland scheint zumindest bei einigen Discountern beendet zu sein. © dpa/Rolf Vennenbernd

Dresden. Update Montag, 30. Mai, 12.50 Uhr: Nach Problemen mit Kartenzahlungen können Verbraucher beim Discounter Aldi Nord Firmenangaben zufolge bald wieder überall bargeldlos einkaufen. Die Kartenzahlung werde "kurzfristig in allen Märkten wieder möglich sein", sagte ein Aldi-Nord-Sprecher am Montag auf Anfrage.

Zahlungsgeräte mit den Problemen würden durch neue Modelle ersetzt. "Ein Teil der Märkte wurde bereits am Wochenende umgerüstet, die restlichen folgen in den nächsten Tagen." Die Kartenterminals sollten in diesem Jahr ohnehin schrittweise ausgetauscht werden, dies sei nun beschleunigt worden. Aldi Süd war von den Problemen nicht betroffen gewesen.

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Der Discounter Netto stellte die Terminals ebenfalls um und meldete am Montag Vollzug. Im gesamten Filialnetz sei die Kartenzahlung wieder möglich, teilte das Unternehmen mit. In den vergangenen Tagen konnten Kunden bei einigen deutschen Einzelhändlern nicht mehr mit Giro- oder Kreditkarte zahlen. Hintergrund war eine Störung in dem weit verbreiteten Verifone-Gerät H5000. Es wird unter anderem von dem Dienstleister Payone eingesetzt.

Noch am Wochenende Zahlungsprobleme

Sonntag, 29. Mai, 8.30 Uhr: Im deutschen Einzelhandel mussten Kunden beim bargeldlosen Bezahlen mit Einschränkungen rechnen. Die Störung, bei der es teilweise zum Ausfällen bei Zahlungen per Giro- oder Kreditkarte kommt, dauere an, teilten die Zahlungsdienstleister Payone und Concardis am Samstag mit. Auch die Angaben auf dem Online-Portal allestörungen zeigen, dass nach wie vor Probleme gibt.

Von der Technikpanne, die seit Dienstagabend bundesweit für teils erhebliche Einschränkungen bei der Verarbeitung von Transaktionen sorgt, sind Kartenzahlungsterminals des Typs H5000 des Herstellers Verifone betroffen.

Nach wie vor sind Kartenzahlungen in mehreren Ketten nicht oder nur eingeschränkt möglich, wie etwa ein Sprecher von Aldi Nord am Wochenende bestätigte.

Der Terminal-Typ H5000 wird hauptsächlich in Deutschland eingesetzt. Allein der Zahlungsdienstleister Payone gibt an, etwa 60.000 Geräte dieses Typs bei Händlern im Einsatz zu haben.

Lösung des Problems noch am Wochenende?

Zur Wiederinbetriebnahme der Geräte sei ein manueller Eingriff vor Ort entweder durch den Einzelhändler oder durch einen Techniker nötig, teilte Payone mit und berief sich dabei auf Verifone. Man habe bereits alle verfügbaren Ressourcen für das Update zusammengezogen. "Dennoch gehen wir davon aus, dass dieser Vorgang nicht ad hoc in der Fläche ausgeführt werden kann, sondern vermutlich einige Tage in Anspruch nehmen wird", erklärte eine Payone-Sprecherin. Unabhängig davon würden Alternativen erarbeitet, damit Karten schnellstmöglich wieder akzeptiert werden könnten.

Verifone teilte mit, mit Kunden und Partnern an der Lösung zu arbeiten. Diese stehe seit Freitag zur Verfügung. "Wir möchten betonen, dass das Problem nicht mit dem Ablauf eines Zertifikats oder einer Sicherheitslücke zusammenhängt und keine Sicherheitsbedrohung darstellt", hieß es in einer Mitteilung. Vielmehr handele es sich um eine Software-Fehlfunktion. Zuvor hatte es die Vermutung gegeben, dass die Probleme auf ein abgelaufenes Zertifikat zurückgehen könnten, das die Identität eines Rechners oder eines anderen elektronischen Geräts bestätigt.

Betroffener Gerätetyp macht nur geringen Anteil aller aus

Der Bundesverband deutscher Banken stellte zuletzt stellvertretend für die Deutsche Kreditwirtschaft klar, dass die betreffenden Terminals zwar komplett für alle Zahlungsarten ausfallen, der entsprechende Typ jedoch nur einen geringen Anteil an allen in Deutschland eingesetzten Geräten ausmache.

Anbieter alternativer Zahlungsmethoden - wie beispielsweise per QR-Code - sehen sich durch den Vorfall gestärkt. Wie das Beratungsunternehmen ZIIB mitteilte, funktionieren QR-Systeme ganz ohne Terminal-Hardware. Daher könne man hierdurch Umsatzausfälle vermeiden.

Die Folgen der Technikpanne für Supermärkte und Kunden

Auf die Schnelle ließen sich andere Zahlungsmethoden jedoch nicht einführen. Die Technikpanne und die daraus resultierenden Folgen dauern deshalb noch an. Betroffen sind etwa Drogerien, Tankstellen, die Filialen von

  • Netto Marken-Discount
  • Edeka
  • Aldi Nord (teilweise)
  • Rossmann
  • Famila

sowie eine große Bandbreite weiterer Geschäfte, die ebenfalls entsprechende Geräte benutzen. Unter ihnen ist auch die Dresdner Einzelhandelskette Konsum, die in der sächsischen Landeshauptstadt zahlreiche Supermärkte betreibt.

Dort hatte man das Problem am Dienstagvormittag bemerkt und eilig via Social Media informiert. "Achtung, ein wichtiger Hinweis für euch! Aufgrund einer deutschlandweiten Störung, ist aktuell keine Kartenzahlung in unseren Märkten möglich", hieß es auf Facebook.

Schilder wie hier in einer Dresdner Konsum-Filiale weisen auf ein aktuelles Problem bei Kartenzahlungen hin.
Schilder wie hier in einer Dresdner Konsum-Filiale weisen auf ein aktuelles Problem bei Kartenzahlungen hin. © Ulrich Wolf

Ähnlich äußerte sich auch der Concardis-Sprecher: "Wir versuchen, die betroffenen Händler so gut wie möglich zu unterstützen, indem wir beispielsweise - wo möglich - Terminals austauschen".

In einigen Einzelhandelsgeschäften ist Kartenzahlung wegen des Fehlers keine Option. Der Discounter Aldi Nord beispielsweise hatte schon am Mittwoch mitgeteilt, dass in einigen Filialen wie auch andernorts im Handel wegen der Störung keine Kartenzahlung möglich sei.

Auch die Drogerie-Kette Rossmann sowie Edeka hatten am Mittwoch von Problemen berichtet. Nicht betroffen sind laut eigener Aussage Aldi Süd, Lidl und die Rewe-Gruppe, das heißt die Märkte von Rewe, Penny und dem Toom Baumarkt. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hatte betont, dass die Betriebe auf den reibungslosen Ablauf der Bezahlprozesse angewiesen sind.

Problemfeld Frischetheke: Wieso wegen der Störung Frischwaren weggeworfen werden könnten

Der Technikausfall hat eine Reihe unangenehmer Begleiterscheinungen. Eine betrifft den Umgang mit Waren aus Frischetheken. Wenn, wie jetzt der Fall, Kunden im Supermarkt kein Bargeld dabei haben, können sie in der Regel wählen: Zurückkommen und zahlen oder gehen und Ware zurücklassen. Die Folge: Alle an Frischetheken ausgegebenen Lebensmittel müssen dann entsorgt werden.

Roger Ulke, Vorstandssprecher von Konsum in Dresden bestätigte das am Mittwoch gegenüber Sächsische.de, kann aber im Fall seines Unternehmens beruhigen: "Wir haben am Dienstag umgehend eine Richtlinie an unsere Filialen herausgegeben." Demnach würden Kunden, die Waren aus Frischetheken kaufen wollen, direkt von dem dort eingesetzten Personal gefragt, ob sie ausreichend Bargeld dabei hätten. Deshalb sei es nicht zu einem massenhaften Entsorgen von Lebensmitteln gekommen, so Ulke.

Problematisch sei der Ausfall in anderer Hinsicht. "Dass so etwas direkt vor einem Feiertag passiert, erschwert die Lage", erklärt Ulke. Der Bezahlprozess an den Kassen verzögere sich.

Auf die Schnelle mehr Personal zu finden, das man einsetzen könnte, sei kaum möglich. "Zudem zahlen viele Kunden inzwischen ausschließlich bargeldlos." Zum Bezahlprozess gehöre deshalb jetzt auch das Erklären des Weges zum nächsten Bankautomaten dazu.

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"Die Kunden haben sich jedoch sehr verständnisvoll gezeigt und wissen, dass die Ursache nicht bei uns liegt", sagt Ulke. Dennoch appelliere er an die Menschen, zumindest vorübergehend vor dem Einkauf Bargeld einzustecken. Zudem sollte man beim Betreten von Geschäften auf Hinweistafeln oder aufgeklebte Schilder an Türen achten, wo auf den Technikausfall hingewiesen werde. (mit dpa)

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