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Leipziger Forscher veröffentlichen Pflanzen-Atlas

Erstmals werden die wichtigsten in Deutschland vorhandenen Pflanzen ermittelt. Das neue Bild von der Natur sieht jedoch anders aus als erwartet.

Klatschmohn scheint es überall zu geben, und das in Massen. Doch der Eindruck täuscht.
Klatschmohn scheint es überall zu geben, und das in Massen. Doch der Eindruck täuscht. © iDiv/Lakner

Leipzig/Dresden. Was wächst und blüht in Deutschland, was welkt und verschwindet letztlich? Wissenschaftler und Behörden aus ganz Deutschland haben die Daten für den ersten derartigen Pflanzenatlas für Deutschland zusammengetragen. Nie gab es eine umfassendere Auswertung aller verfügbaren Pflanzendaten für Deutschland von der Gegenwart bis Jahrzehnte zurück in die Vergangenheit. Das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Leipzig hat dieses Großprojekt wissenschaftlich geleitet. Beteiligt waren auch die Universität und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig.

Nach mehreren Jahren Analyse und Auswertung haben die Wissenschaftler am Mittwoch das Ergebnis bekannt gegeben: Deutschlands Pflanzenvielfalt ist auf dem Rückzug. Bei über 70 Prozent von mehr als 2.000 untersuchten Arten sind in den letzten 60 Jahren deutschlandweit Rückgänge zu beobachten. Im Durchschnitt betragen diese Rückgänge um die 15 Prozent pro Art.

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Die Studie ist in der Fachzeitschrift Global Change Biology veröffentlicht. 29 Millionen Daten zur Verbreitung von Gefäßpflanzen in Deutschland waren die Grundlage für diese grundlegend neue Bewertung der Natur.

Selbst häufige Pflanzen verschwinden fast unbemerkt

Pflanzen wie beispielsweise der rot blühende Klatschmohn sind im Frühjahr nahezu überall anzutreffen. Doch der Eindruck täuscht. Selbst die in Deutschland weitverbreiteten Arten gehen zurück und verschwinden aus einigen Gebieten ganz. Die Studie zeigt einen schleichenden Biodiversitätsverlust in Deutschland.

Einer der Autoren der Studie, David Eichenberg vom Leipziger iDiv, sagt dazu, dass diese Ergebnisse die Wissenschaftler in dieser Deutlichkeit überrascht hätten. Sie zeichnen ein sehr düsteres Bild des Zustandes der Pflanzenvielfalt in Deutschland.

"Dabei wurde bestätigt, dass die Rückgänge nicht auf die ohnehin seltenen oder besonders gefährdeten Arten beschränkt sind, sondern offensichtlich schon seit Längerem ein schleichender Biodiversitätsverlust der Mehrzahl der Pflanzenarten in Deutschland stattfindet."

In Sachsen sind insbesondere das Erzgebirge und die Lausitz vom Artenschwund betroffen. Ursache im Gebirge ist unter anderem die Erwärmung, in der Lausitz ist es vor allem die zunehmende Trockenheit, die Pflanzen stresst.

Die Wissenschaftler haben für ihre Analyse Deutschland in Quadrate von fünf mal fünf Kilometern aufgeteilt. Der durchschnittliche Artenrückgang beträgt dabei auf jeder Fläche rund zwei Prozent im Jahrzehnt.

Für die Studie wurden erstmals für Deutschland derart große und auch qualitativ sehr unterschiedliche Datensätze zusammengefasst. Verbreitungsdaten von 2.136 der mehr als 4.300 in Deutschland vorhandenen Pflanzenarten sind in die Berechnungen eingeflossen. Grundlage dafür war die Datenbank Florkart, in der das Bundesamt für Naturschutz (BfN) Verbreitungsdaten der Flora Deutschlands zusammengefasst hat. Diese Datenbank ist überwiegend das Ergebnis ehrenamtlicher und für den Naturschutz unverzichtbarer Kartierungen.

Ergänzt wurden diese Daten durch weitere von Universitäten und Instituten. Hinter der neuen Karte der Pflanzenarten steckt zudem viel Mathematik. Offenbare Nachweislücken mussten durch Berechnungen erkannt und simuliert eingetragen werden.

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