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So werden Möbel preiswerter

Viele Schritte in der Produktion fressen Energie. Eine Idee aus Dresden soll das ändern.

Damit Möbel nachhaltig werden und gleichzeitig erschwinglich bleiben, sind neue Wege in der Produktion gefragt.
Damit Möbel nachhaltig werden und gleichzeitig erschwinglich bleiben, sind neue Wege in der Produktion gefragt. © 123rf

Neuartige Trinkhalme sind es bereits, moderne Reinigungsmittel sowieso und jetzt sollen es auch Möbel werden: nachhaltig. Immer mehr Produzenten von Schränken, Betten, Tischen & Co. achten darauf, dass die Herstellung umweltbewusst funktioniert. Sie setzen auf einheimisches statt auf Tropenholz. Sie verwenden formaldehydfreien Leim auf Wasserbasis oder nutzen recycelte Stoffe als Fasern für ihre Produkte. Ein wichtiger Punkt, der die Möbelproduktion außerdem grüner machen kann, ist das Einsparen von Energie während der Herstellung. Wissenschaftler der TU Dresden haben dafür nun eine Idee.

Die beiden Professoren Wilfried Hofmann und André Wagenführ sehen großes Potenzial darin, die industrielle Holzverarbeitung dahingehend zu optimieren. Über Jahrzehnte haben sich dort Maschinen, Anlagen und Prozesse etabliert. Zeit, sich diese genauer anzuschauen. In einem neuen Forschungsprojekt wollen die zwei Möglichkeiten finden, Investitions- und laufende Betriebskosten und gleichzeitig Energie einzusparen. Helfen soll den Unternehmen dabei ein digitales Werkzeug, das die Prozesse genau unter die Lupe nimmt.

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Beide Professoren sind Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und starten nun gemeinsam mit dieser in das Kooperationsprojekt. Unterstützt wird es vom Bundeslandwirtschaftsministerium. In den nächsten zwei Jahren stehen 560.000 Euro zur Verfügung. Mit ihrem Projekt folgen die Wissenschaftler einem Trend, den nun auch eine aktuelle Studie bestätigt.

Digitales Tool entdeckt Einsparpotentiale

Laut einer Erhebung des Marktforschungsinstituts Dr. Grieger & Cie. erachten knapp drei Viertel der Deutschen den Punkt der Nachhaltigkeit bei Möbeln als wichtig oder sehr wichtig. Beinahe jeder Zweite plant im kommenden Jahr den Neukauf von nachhaltig produzierten Möbeln. Der durchschnittliche Käufer solcher Produkte, so ein Ergebnis der Umfrage unter über 1.000 Verbrauchern, zeichnet sich durch ein großes Gesundheits- und Umweltbewusstsein aus und ist bereit, dafür auch einen höheren Preis zu bezahlen.

Das im Forschungsprojekt entwickelte digitale Unterstützungssystem soll später den gesamten Herstellungsprozess von Möbeln erfassen, analysieren und den Unternehmen konkret empfehlen, wo sie bei all dem effektiv Energie einsparen können. Darüber hinaus soll es auch automatische Eingriffe in die Betriebssteuerung und komplexe Steueralgorithmen ermöglichen. „In den Maschinen und Anlagen kommt es sehr oft zu zyklischen Belastungen, die zu ungünstigen Leistungsspitzen führen können“, erklärt Wilfried Hofmann, Inhaber der Professur für Elektrische Maschinen und Antriebe an der TU Dresden, die Problematik.

Steuerungstechnische Eingriffe und Optimierungen würden diese Spitzenbelastungen verringern und eine zielgenauere Planung und Ausführung der elektrischen Installationen sowie den Einsatz angepasster Maschinenkomponenten erlauben. „Unser System wird diese ganzen Prozesse analysieren, den Unternehmen anwendungs- und komponentenbezogene Empfehlungen geben oder wenn möglich auch direkt eingreifen“, beschreibt Hofmann das Vorhaben.

Unternehmen sollen ausgiebig testen

Während des Forschungsprojekts soll das neue digitale Tool auch in der Praxis angewendet werden. Dafür arbeiten die Wissenschaftler mit Unternehmen zusammen, die das System testen und den Forschern wichtige Rückmeldungen dazu geben sollen. Mit der Neuentwicklung wollen sie die Branche wettbewerbsfähiger machen. Die Professoren sind überzeugt, dass das ein wichtiger Schritt hin zur umweltfreundlichen Herstellung sein könnte.

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Von der profitieren dann nicht nur die Hersteller selbst. „Es besteht dadurch die Chance, Produkte günstiger, mit höherer Akzeptanz und Marktdurchdringung zu fertigen“, sagt André Wagenführ, Inhaber der Professur für Holztechnik und Faserwerkstofftechnik. Energie- und Materialverbrauch würden reduziert. Letztlich merken das dann auch die Verbraucher und könnten sich über niedrigere Preise im Möbel-Kaufhaus freuen.

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