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Deutschland & Welt

Tödliche Bootstour: Deutscher entschuldigt sich

Zwei Deutsche rasen mit dem Luxus-Motorboot über den Gardasee. Sie rammen ein Holzboot, zwei Italiener sterben. Der Prozess beginnt emotional.

Italienische Forensiker begutachten am 20.06.2021 den Schaden an einem Boot. Ein Motorboot, besetzt mit zwei Deutschen, hatte das kleine Boot eines italienischen Paares gerammt.
Italienische Forensiker begutachten am 20.06.2021 den Schaden an einem Boot. Ein Motorboot, besetzt mit zwei Deutschen, hatte das kleine Boot eines italienischen Paares gerammt. © Gabriele Strada/AP/dpa

Brescia. Der Tod kommt in der Nacht, mit reichlich PS. Greta Nedrotti und Umberto Garzarella schauen sich gerade die Sterne über dem Gardasee an, wenig später sind sie tot.

Zum Prozessauftakt um den tödlichen Motorboot-Unfall ist es zur emotionalen Begegnung eines der angeklagten Deutschen mit den Hinterbliebenen gekommen. Der Münchner ging am Mittwoch nach einer kurzen Eröffnungssitzung im Gerichtssaal von Brescia zu den Eltern von Greta Nedrotti und bat um Entschuldigung. "Es tut mir von Herzen leid", sagte er leise auf Italienisch. Bei den vielen Angehörigen und Freunden der zwei getöteten Italiener überwog im Gerichtssaal die Empörung darüber, dass es fast fünf Monate dauerte, bis sich der Deutsche persönlich bei ihnen meldete. Sein ebenfalls angeklagter Freund erschien nicht zum Prozess.

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"Wir haben nichts mehr", sagte die Mutter von Greta zum mutmaßlichen Lenker des Motorbootes. Greta war ihre einzige Tochter. Der Vater von Umberto warf dem Touristen, der in Italien in Hausarrest sitzt, in seiner Antwort vor allem Gleichgültigkeit vor, weil er mit seinem Kumpel kurz nach dem Unfall und ersten Polizeibefragungen zurück nach Deutschland gefahren war. "Man kann Fehler machen. Aber dann einfach abzuhauen...", schimpfte Enzo Garzarella. "Hier geht es um Demut."

Die beiden Deutschen waren den Ermittlungen zufolge im Motorboot über das Wasser gerast und auf das Holzboot des italienischen Paares gekracht. Während Umberto (37) sofort tot war und die über Bord geschleuderte Greta (25) ertrank, fuhren die Münchner nach Salò und legten dort an. Eine Überwachungskamera filmte einen der beiden, wie er ins Wasser plumpste und davontorkelte.

Einer stellt sich in Nacht-und-Nebel-Aktion

Einige Details dieses furchtbaren Samstagabends am 19. Juni sind in den vergangenen Monaten bereits an Medien durchgesickert. Von diesem Mittwoch an werden die Ereignisse in einem Strafprozess in Brescia verhandelt. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden deutschen Freunden fahrlässige Tötung und unterlassene Hilfeleistung vor.

Als dann ein europäischer Haftbefehl ausgestellt wurde, stellte sich einer der beiden - der mutmaßliche Lenker an jenem Abend - der Polizei in einer Nacht-und-Nebel-Aktion am Brenner. Er kam in Untersuchungshaft und dann in Hausarrest.

Eigentlich stehen am Tribunale di Brescia zunächst vor allem organisatorische Fragen an. Die Beweise scheinen eindeutig, in dem Fall geht es sofort mit dem Hauptverfahren los. In dem für extrem lange Prozesse bekannten Italien könnte ein Urteil also schnell fallen.

Vieles aus der Todesnacht hatten Ermittler bereits rekonstruieren können: Nach Aussagen von Zeugen - auch in Medien - seien die Deutschen am späten Abend nach einem Restaurantbesuch in San Felice del Benaco mit dem Boot losgefahren. Eine Überwachungskamera zeigte, wie die Riva - die mit Motoren mit Hunderten PS ausgestattet werden kann - durch die Nacht raste.

Vierfaches der erlaubten Geschwindigkeit

Das Boot hatte verbotenerweise die grellen Frontlichter an, wodurch die Sicht auf die Umgebung eingeschränkt war. Sachverständige errechneten, dass die Münchner mit dem Vierfachen der erlaubten Geschwindigkeit unterwegs waren.

Um 23.24 Uhr kam es dann vor dem Örtchen Portese zu dem tödlichen Crash: Auf den Videobildern ist ein kleiner, schwacher Punkt zu sehen, das Boot des italienischen Pärchens. Dann nähert sich schnell ein großer, greller Punkt. Beim Aufprall hebt das Motorboot ab, bremst danach aber nicht.

Die Deutschen gaben Medienberichten zufolge bei der Befragung der Polizei an, dass sie von Treibholz ausgegangen seien.

Greta habe sich mit Umberto treffen wollen, um dann auf eine Party zu gehen, erzählte ihre Mutter der "Bild"-Zeitung im August. In der Nacht habe sie selbst vergeblich versucht, ihre Tochter zu erreichen. Erst am Morgen entdeckte ein Fischer Umberto tot in dem Boot. Taucher fanden Greta in knapp 100 Metern Tiefe am Grund des Sees.

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Zunächst war vermutet worden, dass der jungen Frau hätte geholfen werden können, wenn die beiden Deutschen nach dem Aufprall umgedreht hätten. Ein Gerichtsmediziner stellte laut Medienberichten später aber fest, dass Greta ihren Verletzungen auf jeden Fall erlegen wäre. (dpa)

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