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Hilfsflüge von Leipzig nach Moria

Nach dem Brand im Flüchtlingslager haben mehrere hundert Migranten eine neue Unterkunft. Von Leipzig aus erreicht die Menschen vor Ort nun Hilfe.

Vom Flughafen Leipzig aus starten Versorgungsflüge zur Insel Lesbos.
Vom Flughafen Leipzig aus starten Versorgungsflüge zur Insel Lesbos. © Anja Jungnickel

Lesbos/Leipzig. Die Menschen auf der Insel Lesbos erhalten nun auch aus dem Freistaat Sachsen Hilfe: Nach SZ-Informationen werden derzeit Hunderte Familienzelte mit Flugzeugen auf die Insel gebracht, auf der mehr als 12.000 Menschen seit dem Großbrand am Mittwoch im Flüchtlingslager Moria obdachlos sind. Zwei Flüge sollen bereits am Sonntag vom Flughafen Leipzig aus gestartet sein, zwei weitere am Montag folgen. 

Offenbar werden diese Hilfstransporte vom Deutschen Roten Kreuz organisiert, das am Sonntag dazu nicht erreichbar war. Wie die Volkswagen AG zuvor in einer Pressemitteilung erklärte, koordiniert das DRK Hilfsaktionen, die mit einer Spende von fünf Millionen Euro durch die Siemens AG und den Volkswagen-Konzern finanziert werden.  

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Auf Lesbos bleibt die Lage derweil auch nach Öffnung erster Ersatz-Unterkünfte für Flüchtlinge aus dem abgebrannten Lager Moria angespannt. Die griechische Regierung schickte am Sonntag weitere Polizeieinheiten sowie gepanzerte Geländefahrzeuge auf die Insel. Mehr als 300 Menschen konnten ein provisorisch errichtetes Zeltlager beziehen. Bei Corona-Tests wurde festgestellt, dass sieben von ihnen infiziert sind. Tausende Migranten leben jedoch nach wie vor auf der Straße. Viele wehren sich verzweifelt dagegen, erneut in ein Lager gebracht zu werden.

Am Sonntag berichteten griechische Medien, dass einige Migranten andere daran hinderten, das frisch errichtete Zeltlager zu beziehen. Das bestätigte auch ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Griechenlands Bürgerschutzminister Michalis Chrysohoidis wandte sich mit einer Warnung an die militanten Migranten: Griechenland sei ein Rechtsstaat, man werde auch nicht die kleinste illegale Aktion akzeptieren. Wer andere daran hindere, das Lager zu beziehen, müsse mit Konsequenzen rechnen.

Griechenland bleibt weiterhin hart bei der Strategie, über die bereits aus Moria ausgeflogenen unbegleiteten Minderjährigen hinaus keine Flüchtlinge aufs Festland zu lassen. Das sieht zum einen der Flüchtlingspakt zwischen EU und Türkei nicht vor; außerdem fürchtet Athen, dass es auch in anderen Lagern Unruhen und Brandstiftungen gibt, wenn die Migranten auf Lesbos mit ihrer Gegenwehr Erfolg haben. Die große Mehrheit will aufs Festland und dann weiter nach Mittel- und Nordeuropa.

Unter den obdachlosen Menschen finden sich zahlreiche Familien mit Tausenden Minderjährigen. Viele von ihnen sind auf den Schutz des Lagers angewiesen, weil sie kein Dach mehr über dem Kopf haben und auch keinen Zugang zu sanitären Anlagen oder fließendem Wasser. Nach Medienberichten soll eine aggressive Gruppe vor allem afghanischer Migranten für Unruhen, Brandstiftungen und auch Drohungen gegen andere Migranten verantwortlich sein.

20 Tage altes Baby kam mit Corona-Symptomen ins Krankenhaus

Der stellvertretende Migrationsminister Notis Mitarakis erklärte am Sonntag im Fernsehen, im neuen Lager sei sowohl für Essensausgabe und sanitäre Anlagen als auch die gesundheitliche Versorgung gesorgt. Er gehe davon aus, dass sich die gesamte Situation innerhalb der nächsten Tage beruhigen und verbessern werde. Die sieben Corona-Infizierten wurden zur Isolation in einen abgelegenen Teil des Lagers gebracht.

Noch ist nicht klar, ob und wie stark sich das Virus unter den Menschen ausbreiten konnte. Vor dem Großbrand am vergangenen Mittwoch waren 35 Migranten positiv getestet worden. Sie waren im folgenden Chaos aber nicht mehr auffindbar. Am Samstag kam ein 20 Tage altes Baby einer afghanischen Familie mit Corona-Symptomen ins Inselkrankenhaus. Später wurde es mit seiner Mutter nach Athen gebracht.

Angesichts des Elends rief Papst Franziskus Europa zum Handeln auf. Der 83-Jährige erinnerte in Rom an einen Besuch auf Lesbos 2016 und seinen damaligen Appell für eine "menschenwürdige Aufnahme der Frauen und Männer, der Migranten und Flüchtlinge, derjenigen, die Asyl in Europa suchen".

Unterdessen ging auch die deutsche Debatte um die Aufnahme von Flüchtlingen weiter. Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken forderte in der "Bild am Sonntag": "Deutschland muss hier vorangehen und kann sich auch unabhängig von der Entscheidung anderer EU-Länder zur Aufnahme weiterer Flüchtlinge bereit erklären." Die Ankündigung des Innenministers Horst Seehofer (CSU), in einem ersten Schritt 100 bis 150 unbegleitete Minderjährige aufzunehmen, reiche nicht aus.

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