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Von Kiel nach Speyer: Die letzte Fahrt von U17

Bei einem spektakulären Transport reist ein aussortiertes U-Boot über Wasser und Land von Kiel nach Speyer. Ein Museumschef erfüllt sich mit dem Stahlkoloss einen Traum. Und er denkt schon an den nächsten Coup.

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Das ausgemusterte Marine-U-Boot U17 passiert auf dem Weg nach Speyer den Rhein bei Andernach.
Das ausgemusterte Marine-U-Boot U17 passiert auf dem Weg nach Speyer den Rhein bei Andernach. © Thomas Frey/dpa

Speyer. Rheinaufwärts - dem Ende entgegen. Zum letzten Mal ist der ausgemusterte Stahlkoloss U17 auf großer Fahrt. Vor wenigen Tagen hievte ein Portalkran das ausgemusterte U-Boot in Kiel auf einen Schwimmponton, seitdem nähert sich das knapp 50 Meter lange und 500 Tonnen schwere Gefährt seinem Ziel. In den nächsten Tagen soll die respekteinflößende Ladung die pfälzische Domstadt Speyer erreichen.

Hermann Layher wartet schon. Für den Präsidenten der Technik Museen Sinsheim Speyer geht mit dem spektakulären Ausstellungsstück ein Traum in Erfüllung. "Von U-Booten geht eine große Faszination aus", sagt Layher der Deutschen Presse-Agentur. "Vor allem im Süden Deutschlands. Denn hier sind U-Boote üblicherweise nicht zu sehen."

Das von der Marine ausgemusterte U-Boot U17 passiert den Mittelrhein.
Das von der Marine ausgemusterte U-Boot U17 passiert den Mittelrhein. © Thomas Frey/dpa

U17 war seit 1973 im Einsatz, bevor es 2010 ausgemustert wurde. Vom Verband Deutscher Ubootfahrer bekam Layher dann den Tipp. "Wir wussten, dass es Firmen gibt, die Interesse am Verschrotten von U-Booten haben", sagt der Museumschef. "Aber das wäre schade." Nach Gesprächen mit dem Bundesverteidigungsministerium konnte im Januar der Leihvertrag unterschrieben werden. Die Kosten für den Transport werden von den Museen sowie von Spenden gedeckt. "Bis das Boot an seinem endgültigen Platz steht, reicht eine Million Euro nicht."

In Speyer werden zunächst einige Arbeiten am U-Boot vorgenommen, danach wird das Boot der Klasse 206A zum Endverbleib nach Sinsheim gebracht. Der Transport in die baden-württembergische Stadt ist eine logistische Herausforderung. "Von Kiel ging es über den Nord-Ostsee-Kanal und die Nordsee nach Rotterdam", schildert Layher.

An Köln, Mainz und Mannheim vorbei dann nach Speyer. "Durch die Höhe des U-Boots ist eine Fahrt unter verschiedenen Brücken nicht möglich. Dafür müsste das Boot gedreht werden. Da das noch nie jemand versucht hat, können wir hier auf keinerlei Erfahrungswerte zugreifen."

Am 17. Mai soll das 48 Meter lange Boot in Speyer anlanden und per Straßentransport ins Museum gebracht werden.
Am 17. Mai soll das 48 Meter lange Boot in Speyer anlanden und per Straßentransport ins Museum gebracht werden. © Thomas Frey/dpa

U-Boote gelten als ein Mythos der Seefahrt. Es gibt Filmklassiker wie "Jagd auf Roter Oktober", es gibt das berühmte "Yellow Submarine" der Beatles, es gibt das Unglück der russischen "Kursk" mit 118 Toten, und es gibt den deutschen Kultstreifen "Das Boot" (1981). Denkt Layher manchmal an den Film von Wolfgang Petersen? "Natürlich."

Über 40 Jahre ist es her, dass der diplomierte Produktionstechniker mit Gleichgesinnten das Auto & Technik Museum in Sinsheim gründete. Das Technik Museum in Speyer entstand zehn Jahre später. In dieser Zeit hat der 67-Jährige die Häuser zu Chroniken der Mobilität gemacht. Tausende Exponate wie der Überschallflieger Concorde und die sowjetische Raumfähre Buran locken jedes Jahr Zehntausende Besucher im Jahr an. Kuriositäten wie das Hausboot der Kelly Family und die Küche aus der TV-Serie "Lindenstraße" gibt es ebenfalls zu bestaunen.

Warum nun der maritime Oldtimer? "Technik und Arbeitsbedingungen sind bei einem U-Boot wirklich besonders", sagt Layher. Viele Menschen würden U-Boote nur aus Filmen kennen. "Wir ermöglichen ihnen einen Blick nach innen." Weltweit existiere derzeit keine Einrichtung, die ein U-Boot der Klasse 206A zeige, sagt der Museumspräsident. "Es gab zwar Interesse, aber die Pläne wurden nie umgesetzt. Derzeit werden zwei U-Boote dieses Typs von der kolumbianischen Marine eingesetzt. Aber alle anderen U-Boote wurden oder werden gerade verschrottet."

Das ausgesonderte Marine-Uboot U17 hatte während der Reise über Nacht auf dem Rhein bei Lahnstein angelegt.
Das ausgesonderte Marine-Uboot U17 hatte während der Reise über Nacht auf dem Rhein bei Lahnstein angelegt. © Thomas Frey/dpa

U17 habe einen ganz besonderen Einsatz gefahren, sagt der ehemalige Fregattenkapitän Jürgen Weber. Es sei zusammen mit U26 das erste deutsche U-Boot in US-amerikanischen Gewässern nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen. "Insofern ist dieses Boot schon etwas Besonders", sagt das Mitglied im Verein Auto-Technik-Museum."Es hätte in der Seele wehgetan, wenn ein solches Boot auf dem Schrott gelandet wäre."

Nach der Ankunft in Speyer sollen unter anderem rund 100 Tonnen Batterien ausgebaut werden. Mit dem Weitertransport nach Sinsheim wird 2024 gerechnet. Eine große Feier gebe es dort nicht, erklärt Layher. "Wir werden aber sicher etwas Kleines zur Ankunft planen."

Und wie geht es weiter? Was hat er als Nächstes an der Angel? Der Leiter der Museen lacht. "Der Transport von U17 ist sehr aufwendig und komplex. Damit ist unser Team eine ganze Zeit beschäftigt." Aber natürlich denke er weiter. "Einen Airbus A380 als Ausstellungsstück zu haben, wäre schon toll. Träumen darf man - und das tun wir auch." (dpa)