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Leben und Stil

Warum fotografieren wir uns ständig selbst?

Mit ihren Comics hinterfragt Liv Strömquist vieles in unserer Gesellschaft. In ihrem neuen Band sucht die Autorin Erklärungen, warum Menschen so gerne Selfies machen.

Hongkong: Eine Frau macht bei starkem Wind ein Selfie am Victoria Harbour, während sich ein Taifun Hongkong nähert. Warum fotografieren sich so viele Menschen selbst?
Hongkong: Eine Frau macht bei starkem Wind ein Selfie am Victoria Harbour, während sich ein Taifun Hongkong nähert. Warum fotografieren sich so viele Menschen selbst? © Vincent Yu/AP/dpa

Berlin. Beim Blick in den Spiegel haben sich das wohl viele Menschen schon gefragt: Sehe ich eigentlich gut aus? Mancher kann den Gedanken dann wegwischen, andere bemühen sich, ihrem Ziel näher zu kommen. Die schwedische Autorin Liv Strömquist schaut nun in einem neuen Comic auf unsere Eitelkeiten. "Im Spiegelsaal" fragt zum Beispiel, warum Menschen so gerne Selfies machen.

Die Autorin guckt dabei auf US-Promi Kylie Jenner, auf die Büste der Nofretete und die österreichische Kaiserin Sisi. Es geht um Schönheit als Status und die Angst vor Vergänglichkeit. "Sich ständig selbst zu fotografieren, entspricht dem Wunsch, die Zeit zum Stillstand zu bringen, die Zeit anzuhalten", schreibt Strömquist.

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Man versuche, sein eigenes Aussehen zu bewahren. "Es ist eine Art Protest gegen die eigene Bedeutungslosigkeit, die eigene Sterblichkeit", heißt es in ihrem Buch. Strömquist blickt mit Comics wie "Der Ursprung der Welt" und "Ich fühl's nicht" immer wieder aus feministischer Perspektive auf das Leben.

Auch im neuen Band geht es beispielsweise um widersprüchliche Erwartungen an Frauen. Schon früher sollten sie besonders schön sein - aber möglichst nichts dafür tun müssen. Aufbrezeln galt mitunter als verpönt. Sie beschreibt auch, wie sich Menschen von sich selbst entfremden können, wenn sie in sozialen Medien ein besonders konstruiertes Bild von sich zeigen.

Ein Mitarbeiter des italienischen Gesundheitswesens macht beim g20-Gipfel in Rom ein Selfie mit Angela Merkel.
Ein Mitarbeiter des italienischen Gesundheitswesens macht beim g20-Gipfel in Rom ein Selfie mit Angela Merkel. © dpa
Dort ist auch Joe Biden (l, M), Präsident der USA, als Selfie-Partner sehr beliebt.
Dort ist auch Joe Biden (l, M), Präsident der USA, als Selfie-Partner sehr beliebt. © AP
Das Schauspielerpaar Mila Kunis und Ashton Kutcher macht ein Selfie vor Beginn des vierten Spiels der MLB National League Championship Series zwischen den Los Angeles Dodgers und den Chicago Cubs.
Das Schauspielerpaar Mila Kunis und Ashton Kutcher macht ein Selfie vor Beginn des vierten Spiels der MLB National League Championship Series zwischen den Los Angeles Dodgers und den Chicago Cubs. © epa
Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, nimmt zu Beginn der konstituierenden Sitzung des Landtags Mecklenburg-Vorpommern mit ihrem Handy ein Selfie mit Mitgliedern der SPD-Fraktion im Plenarsaal auf.
Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, nimmt zu Beginn der konstituierenden Sitzung des Landtags Mecklenburg-Vorpommern mit ihrem Handy ein Selfie mit Mitgliedern der SPD-Fraktion im Plenarsaal auf. © dpa-Zentralbild
Libanon, Beirut: Zwei Männer machen ein Selfie vor brennenden Reifen, die eine Hauptverkehrsstraße blockieren, während eines Protestes gegen den massiven Anstieg der Benzinpreise. Die Kraftstoffpreise sind im Libanon inmitten einer akuten Finanzkrise in die Höhe gestiegen.
Libanon, Beirut: Zwei Männer machen ein Selfie vor brennenden Reifen, die eine Hauptverkehrsstraße blockieren, während eines Protestes gegen den massiven Anstieg der Benzinpreise. Die Kraftstoffpreise sind im Libanon inmitten einer akuten Finanzkrise in die Höhe gestiegen. © dpa
Mathieu Shamavu, Ranger und Pfleger im Senkwekwe Center for Orphaned Mountain Gorillas, posiert für ein Foto mit den verwaisten Gorillaweibchen Ndakasi (l) und Ndeze.
Mathieu Shamavu, Ranger und Pfleger im Senkwekwe Center for Orphaned Mountain Gorillas, posiert für ein Foto mit den verwaisten Gorillaweibchen Ndakasi (l) und Ndeze. © Virunga National Park/AP

Ein interessanter Gedanke: Wenn Menschen nun vermeintlich unperfekte Fotos veröffentlichen, von speckigen Bäuchen und Schwangerschaftsstreifen etwa, ist das nicht auch nur Vermarktung?

Sehr lesenswert jedenfalls ist das Kapitel über Schneewittchens Stiefmutter. Strömquist erklärt darin nicht nur, warum Stiefmütter oft die Bösen sein müssen (vermutlich, weil wir es nicht ertragen, an unseren eigenen Müttern auch die schädlichen Seiten zu sehen). Sie bringt auch ein gewisses Mitgefühl für die Märchenfigur auf - schließlich zeigten viele Untersuchungen, dass Frauen in erheblich höherem Maße nach ihrem Aussehen beurteilt würden als Männer. (dpa)

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