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DHL wirft die Job-Turbine an: 400 Stellen durch Ausbau in Leipzig

Die Posttochter steckt 150 Millionen in ein neues Sortierzentrum – auch zum Schallschutz.

© dpa

Von Michael Rothe und Birgit Zimmermann

Die Posttochter DHL baut ihr Luftfrachtdrehkreuz Leipzig aus. In den kommenden fünf Jahren sollen insgesamt 150 Millionen Euro am Flughafen Leipzig/Halle investiert werden und 400 neue Arbeitsplätze entstehen. Geplant sei der Bau einer neuen, 40 000 Quadratmeter großen Sortierhalle, kündigte Robert Viegers, Geschäftsführer der DHL Hub Leipzig GmbH, gestern vor Ort an. Das entspricht der Größe von acht Fußballfeldern. Damit werde die Kapazität deutlich gesteigert. „Derzeit können wir 100 000 Pakete pro Stunde bearbeiten. Wir gehen auf 150 000.“ Aktuell arbeiten nach Angaben von DHL mehr als 3 500 Menschen am Drehkreuz.

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Es gibt viel zu tun, bauen wir aus – so DHL und stellt sich demnächst eine riesige neue Sortierhalle am Flughafen Leipzig hin.Foto: dpa
Es gibt viel zu tun, bauen wir aus – so DHL und stellt sich demnächst eine riesige neue Sortierhalle am Flughafen Leipzig hin.Foto: dpa © dpa

Leipzig habe sich seit der Eröffnung 2008 neben Cincinnati und Hongkong zum weltweit wichtigsten Drehkreuz im DHL-Netz entwickelt, hieß es. Täglich würden hier 1 900 Tonnen Fracht umgeschlagen. „Der Hub ist geografisch sehr gut positioniert, wir haben gute operative Strukturen und eine engagierte Belegschaft“, sagte Viegers. Mit der Erweiterung könne der Frachtumschlag theoretisch um 400 bis 450 Tonnen steigen. Konkrete Prognosen zum Wachstum wollte der DHL-Manager allerdings nicht abgeben.

Pro Tag fliegen 60 DHL-Frachtmaschinen den Flughafen an. Das Geschäft wird nachts abgewickelt – in Leipzig/Halle gibt es eine Nachtflugerlaubnis für Expressfracht. Für die Anwohner ein Problem, für DHL ein Standortvorteil. Die Erweiterung werde jedoch nicht zu einem höheren Flugaufkommen führen, betonte der niederländische Chef. „Wir optimieren den Flugbetrieb, lasten die Flieger besser aus. Die Anzahl der Flugbewegungen bleibt gleich“, so Viegers. Ferner sei der Erweiterungsbau ein zusätzlicher Schallschutz am Südrand des Komplexes. Noch in diesem Jahr würden die Arbeiten beginnen – auch für den neuen Lkw-Parkplatz und 4 000 Quadratmeter zusätzliche Bürofläche.

Für die 400 neuen Arbeitsplätze würden nächstes Jahr vor allem Gabelstapler-Fahrer zum Be- und Entladen gesucht. „Diese Jobs, die wir jetzt anbieten, werden höchstwahrscheinlich 30-Stunden-Verträge sein“, erläuterte Viegers. Ende 2014, mit der geplanten Fertigstellung der neuen Halle, sollen die Arbeitsplätze vergeben sein. Die DHL-Belegschaft in Leipzig/Halle arbeitet nach Unternehmensangaben ganz überwiegend in Teilzeit; der Durchschnitt liege bei 27 Stunden pro Woche.

Förderantrag bei der Aufbaubank

DHL plant allerdings auch, mit dem europäischen Hauptquartier für die Network Operations zentrale Managementfunktionen nach Leipzig zu holen. Dann sollen 65 Mitarbeiter, die bisher auf die Standorte Bonn, Brüssel und Leipzig verteilt sind, am Hub konzentriert werden.

Für die Investitionen am Standort Leipzig wurde Viegers zufolge ein Fördermittelantrag beim Freistaat Sachsen gestellt. Die Entscheidung der sächsischen Aufbaubank liege noch nicht vor. Zur Höhe der beantragten Fördermittel machte der Geschäftsführer keine Angaben. Auf Anfrage der SZ hieß es dazu aus Sachsens Wirtschaftsministerium: „Der Förderantrag des Unternehmens DHL liegt der Sächsischen Aufbaubank vor und wird dort bearbeitet. Da noch nicht über eine Bewilligung entschieden ist, können wir auch noch keine Angaben zur Höhe der etwaigen Förderung machen.“ Die SAB prüfe nun, ob die Fördervoraussetzungen erfüllt sind.

Jedoch könne DHL schon vor dem Entscheid mit seinen Baumaßnahmen beginnen – „als Vertrauensvorschuss“. Wenn es zu einer Förderung komme, werde die Summe auch veröffentlicht, hieß es. Das schreibe die Transparenzrichtlinie der EU von 2007 vor. Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) zeigte sich erfreut über die DHL-Ausbaupläne. „Sachsen zählt zu den Gewinnern der positiven Entwicklung in der Logistik. Das Luftfrachtdrehkreuz Leipzig/Halle ist zu einer festen Größe im europäischen Frachtverkehr geworden. Es wirkt als Jobmotor für Sachsen“, sagte Morlok. Im Freistaat arbeiteten 80 000 Menschen in der Logistik- und Lagerbranche.

Im Sommer hatte die Posttochter am Frachtkreuz Leipzig ihren 5. Geburtstag gefeiert. Alle Ziele seien geschafft oder übererfüllt, hieß es damals. Auch die Jobzusage. Vor einem Jahr war mit einer Co-Pilotin aus Radebeul der 3 500. Beschäftigte eingestellt worden. Die verfrachtete Tonnage hat sich seit dem Start mehr als vervierfacht, die Zahl der Mitarbeiter gut verelffacht. 350 Millionen Euro hat der Logistikriese bislang in den Standort investiert, 71 Millionen davon waren öffentliche Zuschüsse. Ferner wurde die überwiegend von DHL genutzte Startbahn Süd des Flughafens Leipzig-Halle mit 350 Millionen Euro gefördert. Eine Ausfallgarantie des Freistaats über maximal 500 Millionen Euro hatten die EU-Wettbewerbshüter gekippt. (mit dpa)