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Dialog mit Islam kommt voran

Die Konferenz fasst zwar keine Beschlüsse, sieht aber Fortschritte bei der Integration muslimischer Organisationen.

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Von Sven Siebert, Berlin

Nach Abschluss der zweiten Deutschen Islamkonferenz hat sich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) optimistisch über den weiteren Dialog mit den Muslimen geäußert. Der Gesprächsprozess sei von allen gewollt und komme gut voran, sagte er gestern nach der dreieinhalbstündigen Sitzung in Berlin.

Wer sitzt in der Islamkonferenz?

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat im vergangenen Herbst zur 1. Islamkonferenz eingeladen. Auf der Mitgliedsliste stehen zwölf Vertreter des deutschen Staates – darunter Schäuble selbst, Justizministerin Brigitte Zypries (SPD), mehrere Landesminister und Vertreter der kommunalen Spitzenverbände –, fünf Vorsitzende muslimischer Organisationen und neun nicht-organisierte Muslime. Unter ihnen auch islamkritische Vertreter wie die deutsche Schriftstellerin Necla Kelek.

Warum hat Schäuble die Mitglieder ausgewählt?

„Schäuble bestimmt, wer für die Muslime spricht“, bemängelt Ali Kizilkaya, Vorsitzender des Islamrates. Schäuble entgegnet, eine repräsentative Selbstorganisation der Muslime in Deutschland gebe es nicht. Auch der als Dachorganisation neu gegründete Koordinationsrat stehe nur für ein Zehntel der Muslime in Deutschland. „Die Vielfalt des islamischen Lebens bei uns ist sehr groß“, sagte der Minister gestern. „Das muss auch von den Muslimen selbst ausgehalten werden.“

Was erwarten die Muslime?

Anerkennung. Als Religionsgemeinschaft im Sinne des Grundgesetzes. Dann könnte es auch einen dem christlichen gleichgestellten Religionsunterricht in den Schulen geben. „800000 muslimischen Kindern wird das Recht auf Religionsunterricht verwehrt“, kritisiert Islamrat-Chef Kizilkaya. Und die Vertreter des Islam hätten beispielsweise auch einen Zugang zu den Rundfunkräten.

Und die Frauen?

Ayten Kilicarslan, stellvertretende Generalsekretärin der „Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion“, erhofft sich von dem Dialog auch „Rückendeckung in meiner eigenen Gemeinschaft“. Ihr gehe es um die Gleichstellung der Frauen innerhalb der muslimischen Gemeinden und Organisationen. Und sie erhofft sich ein Ende der Diskriminierung islamischer Frauen in der deutschen Gesellschaft. „Wenn eine junge Frau ein Kopftuch trägt, hat sie praktisch keine Chancen auf einen Ausbildungsplatz“, sagt Kilicarslan. Dies müsse sich ändern.

Was erwarten die staatlichen Stellen?

Integration. Schäuble will die Menschen aus den muslimischen Organisationen für die freiheitliche Ordnung des Grundgesetzes gewinnen – und damit nicht zuletzt die Terrorgefahr von Seiten militanter Islamisten verringern. Und es geht um eine Reihe praktischer Probleme – beispielsweise um die Frage, ob muslimische Mädchen dem Turn- oder Schwimmunterricht fernbleiben dürfen.

Was bringt die Islamkonferenz?

Keine der bisher erörterten Sachfragen ist durch Beschluss oder Vereinbarung geklärt. Allerdings haben alle Teilnehmer schon ein wichtiges Bekenntnis abgegeben: Es gelte das Grundgesetz und damit die Trennung von Religion und Staat. Und Schäuble hat den Muslimen erneut versichert: „Der Islam ist Teil der deutschen Gesellschaft geworden.“ Es hat lange gedauert, bis dies ein deutscher Innenminister gesagt hat – zumal einer von der CDU. Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) sieht in der Konferenz einen „Katalysator für das Verhältnis der muslimischen Gruppen untereinander“. Tatsächlich: Ezhar Cezairli, Vertreterin der weltlichen Muslime, sagte, sie sei „froh, dass wir ein Forum gefunden haben, in dem Muslime untereinander streiten können“.