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Dichtes Netz und enger Takt sind wichtiger

Kostenlos Bus fahren, das hat der MDR am Montag getestet und dabei Fahrgäste befragt. Die hatten ihre ganz eigene Meinung zu dieser Idee – Peter Anderson über neue Konzepte im Nahverkehr.

© Claudia Hübschmann

Umsonst mit dem Bus durch Meißen und mit der S-Bahn durchs Elbtal gondeln? Das klingt verführerisch. Politiker präsentieren gern einfache Lösungen, mit denen scheinbar gleich mehrere Probleme verschwinden.

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Es stellt sich allerdings die Frage, ob dieser Hebel wirklich geeignet ist, eingefleischte Autofahrer zum Umsteigen auf den öffentlichen Nahverkehr zu bewegen. In einer Großstadt wie Dresden, oder gar Berlin, könnte das Angebot tatsächlich dazu führen, den individuellen Verkehr zu verringern. In Kleinstädten wie Meißen oder in dünner besiedelten Gegenden wie dem Klosterbezirk und der Lommatzscher Pflege muss jedoch mehr hinzukommen.

Hier ist es nicht nur der Faktor Geld, der darüber entscheidet, den Pkw stehenzulassen oder eben auch nicht. Wichtiger dürften vielmehr die Dichte des Taktes und die Engmaschigkeit des Netzes sein. Autofahrer sind vor allem bequem. Sie möchten ihre Ziele möglichst schnell und ohne längeres Warten erreichen. Erst wenn dieser Service durch Bus und Bahn geboten wird, stellen diese eine wirkliche Alternative dar. Dazu bedürfte es jedoch Hunderte Millionen Euro an Investitionen in die Verkehrsgesellschaften.

Ohne einen solch radikalen Schritt bringt kostenloser öffentlicher Nahverkehr nur in Millionenstädten Effekte und dürfte so einmal mehr dazu beitragen, die Lebensqualitäten in dichten urbanen Räumen und auf dem Land weiter auseinanderdriften zu lassen.

E-Mail an Peter Anderson