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Dicke Luft in Moritz

Durch das Dorf wälzt sich seit drei Monaten Verkehr, weil an der B 169 gebaut wird. Die offizielle Umleitung führt allerdings ganz woanders lang.

© Lutz Weidler

Von Christoph Scharf

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Zeithain. Eine Äußerung des Landesamts für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) hat jetzt in Moritz für Aufregung gesorgt: Demnach laufe der Verkehr auf der Umleitungsstrecke für die gesperrte Auffahrt von der S 88 auf die B 169 gut. Weder Einschränkungen hinsichtlich der Fahrbahnbreiten noch zu Sichtverhältnisse seien an das Lasuv herangetragen worden, so eine Sprecherin.

Eine Anwohnerin aus Moritz allerdings sieht die Aussage als Zeichen dafür, dass das Lasuv die Realität nicht wahrhaben wolle. Zwar treffe es zu, dass die ausgeschilderte Umleitungsstrecke über Glaubitz verläuft (siehe Karte). „Tatsächlich rollen die Autos aber über Moritz“, so die Anwohnerin. Und im Dorf gäbe es tatsächlich „erhebliche“ Einschränkungen der Fahrbahnbreiten. Mittlerweile seien die Fahrbahnränder massiv beschädigt worden, sagt die Frau – und schickt zum Beweis drei Fotos an die SZ.

Darauf sieht man, dass sich an mehreren Stellen bereits erhebliche Vertiefungen rechts und links der Fahrbahn gebildet haben – offenbar, weil sich begegnende Autos auf der schmalen Straße einander ausweichen und dabei vom Asphalt abkommen.

Vom Lasuv ist dieser Schleichverkehr nicht beabsichtigt: Man habe extra eine großräumige Umleitung aus Richtung Nünchritz/Wacker Chemie und umgekehrt über die Ortsumgehung Roda und die B 98/Glaubitz zur B 169 ausgeschildert. „Die kleinräumige Umleitung, auch für den Anliegerverkehr, wird in Glaubitz von der S 88 über die Bahnhofstraße zur B 98 und dann zur B 169 ausgewiesen“, sagt Lasuv-Sprecherin Nicole Wernicke.

Schleichverkehre über Kreis- und Gemeindestraßen allerdings – die könne man niemals ausschließen. „Es steht Ortskundigen ja grundsätzlich frei, auch alle anderen öffentlich und uneingeschränkt gewidmeten Straßen zu nutzen“, so Wernicke. Wenn man dennoch Maßnahmen ergreifen wolle, um bestimmte Strecken vor Schwerlast- oder Schleichverkehr zu schützen, sei dafür der jeweils zuständige Straßenbaulastträger verantwortlich.

Das Problem in Moritz habe man im Blick, sagt Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos). Vor Wochen habe man bereits Schäden an den Fahrbahnrändern ausgebessert und Warnbaken aufgestellt, um das Ausweichen der Fahrzeuge zu begrenzen. „Das hilft partiell.“ Im Rathaus habe man sogar überlegt, den Schleichverkehr mit einer kommunalen Baustelle auszubremsen – etwa einer Gehwegreparatur samt Bauampel, die die Route durchs Dorf unattraktiv macht. Allerdings habe man sich dagegen entschieden. Schließlich träfe das nicht nur den Schleichverkehr, sondern auch die Moritzer selbst.

Blitzen könne man als Gemeinde jedenfalls nicht. Gegen Raser auf der Schleichroute würden allerdings auch Autos helfen, die auf der Fahrbahn parken und so den Verkehr entschleunigen – dort, wo das Parken nicht verboten ist.

Und wer zahlt für die Bankette, die jetzt kaputtgefahren werden? „Auf den Schäden werden wir als Gemeinde sitzenbleiben“, fürchtet der Bürgermeister. Beim Lasuv heißt es, dass die Behörde zwar die Instandsetzung von Schäden übernimmt, die nachweislich dem baubedingten Umleitungsverkehr zuzurechnen sind – allerdings nur auf der offiziell angeordneten Umleitungsroute. Sollten Kreis- und Gemeindestraßen saniert werden müssen, weil sie womöglich durch Schleichverkehre kaputt gehen, könnten sich Gemeinden und Landkreise an die sogenannte Kommunalstraßenförderung des Freistaats halten.

„Der Topf steht uns sowieso offen“, sagt Ralf Hänsel. Größer werde er durch die zusätzlichen Schäden in Moritz allerdings nicht. Über die Höhe der Schäden könne man noch keine Aussage machen. In Zeithain hofft man allerdings, dass sie auf die Bankette begrenzt bleiben und nicht auch die eigentliche Fahrbahn betreffen.

Aus Sicht des Landratsamts gibt es keine rechtliche Möglichkeit, diesen Schleichverkehr zu unterbinden. „Das große Problem dabei ist, dass das nachgeordnete Straßennetz leider für solche inoffiziellen Umwege noch nicht robust genug ist“, sagt Landkreis-Sprecherin Kerstin Thöns. „Wären auch diese Straßen saniert, würde es weniger Kritik geben.“ Es sei dringend notwendig, Ausbau und Sanierung des Straßennetzes im ländlichen Raum mehr zu fördern.

Die Moritzer Einwohnerin ist froh, dass immerhin noch kein Unfall passiert ist. „Ich hoffe, man kann sich wenigstens auf die Ansage verlassen, dass der Bau im März beendet ist.“ Beim Weiterbau an der Auffahrt B 169/S 88 spielt allerdings das Wetter eine wichtige Rolle – und die Frage, ab wann die Asphaltwerke wieder produzieren. Anschließend geht es im Übrigen auf der B 169 gleich weiter: Dann wird östlich der Elbbrücke die Fahrbahn auf der B 169 erneuert, was jeweils die Sperrung einer Fahrbahn nötig macht – voraussichtlich bis Ende April.