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Dicke Mauern sollen Straße ins Kirnitzschtal Halt geben

An der Talstraße haben Bauleute mit der Sanierung begonnen. Gesperrt bleibt die Trasse für Kraftfahrer auch danach.

© Dirk Zschiedrich

Von Anja Weber

Es riecht nach verfaulendem Laub, Moos und Tannennadeln. Unverkennbar – auch auf der Talstraße von Lichtenhain hinab zum Lichtenhainer Wasserfall verabschiedet sich der bunte, milde Herbst. Vor allem in den letzten warmen Ferientagen war die Straße bei Wanderern beliebt. So mancher Spaziergänger schaute verdutzt auf die Großbaustelle gleich zu Beginn des Tales. „So schlecht sieht die Straße doch gar nicht aus, dass sie komplett gesperrt werden musste“, sagt Heidrun Werner. Die Bad Schandauerin hat die Diskussionen um die Talstraße, auch Wasserfallstraße genannt, mit verfolgt.

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Tatsächlich scheinen auf den ersten Blick die Schäden an den Mauern und Böschungen gar nicht so groß und deren Reparatur deshalb auch nicht sehr kostspielig zu sein. Vielmehr fallen zuerst der ungepflegte Eindruck des Waldes und der schlechte Zustand der zum Beispiel 2001 von einer Jugend-ABM errichteten Sitzgelegenheiten auf. Doch das ist eben nur der erste Blick. Einige Mauern sind so kaputt, dass sie jetzt von Fachleuten der Sebnitztal-Bau GmbH saniert werden. Allerdings kann die Stadt Sebnitz als Eigentümer der Straße jetzt nur den oberen Abschnitt instand setzen lassen. Die Kosten liegen bei etwa 167.000 Euro. Dafür gab es Fördermittel aus dem Wiederaufbauplan Hochwasser 2010.

Weitaus mehr Schaden haben die starken Regenfälle in den Jahren 2011 und 2012 angerichtet. Die haben der Böschung im unteren Abschnitt der Straße den Rest gegeben. Sie droht in weiten Teilen komplett abzubrechen, der Randbereich ist abgesperrt, damit niemand abstürzt. An die 187.000 Euro könnte nach ersten Schätzungen die Sanierung kosten. Für diesen Abschnitt fehlt derzeit noch das Geld. Fördermittel dafür hat die Stadt aus dem Wiederaufbauplan Hochwasser 2010 nicht erhalten, da die Schäden eben erst später entstanden sind.

Die Stadt Sebnitz würde sich jedoch weiterhin um eine schnelle und unkomplizierte Sanierung des restlichen Abschnittes bemühen, sagt Stadtsprecherin Kerstin Nicklisch. Das solle 2014 geschehen.

Straße bleibt dicht

Jetzt, mit der Sanierung des oberen Abschnittes der Talstraße, flammen auch die Diskussionen um die Öffnung der Straße für Anlieger oder auch für Notfälle wieder auf. Doch die Stadt Sebnitz wird die Straße nicht freigeben. Denn erst nach kompletter Schadensbeseitigung werde man über die zukünftige Nutzung entscheiden, sagt Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU).

Solange bleibe die Talstraße für den Durchgangsverkehr gesperrt. Das hatte die damals noch eigenständige Gemeinde Kirnitzschal bereits nach dem Hochwasser 2010 entschieden. Allerdings wurde die Trasse immer wieder von Kraftfahrern als schnelle Verbindung genutzt, die im Kirnitzschtal oder in Bad Schandau arbeiten. Im Juli dieses Jahres war damit endgültig Schluss. Poller versperren seitdem den Weg. Zum Verdruss derjenigen, die seit drei Jahren Umwege fahren müssen.

Die Stadt hatte den Zustand der Straße nochmals prüfen lassen. Zahlreiche Gutachten kommen allerdings immer wieder zum gleichen Ergebnis: Der Zustand der Straße sei so schlecht, dass jederzeit ein weiteres Stück abbrechen oder auch ein Stück Hang nachrutschen könnte. Wenn die Stadt die Straße öffne, dokumentiere sie damit auch, dass sie gefahrlos genutzt werden kann. Wenn jemand abstürze oder von einer Schlammlawine getroffen werde, sei die Stadt auf jeden Fall in der Verantwortung, heißt es aus dem Rathaus.

Doch nicht nur der schlechte Zustand der Straße sorgt für Diskussionen. Im Sommer letzten Jahres hatten die damals noch eigenständigen Kirnitzschtaler Gemeinderäte beschlossen, dass die Talstraße auch privatisiert werden könne, falls dies möglich sei. Im April dieses Jahres entschied die Stadtverwaltung dann, dass die Straße nicht verkauft wird. Damit ist die Stadt Sebnitz weiterhin zuständig für die Trasse – und auch für deren Sanierung.