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Die Aachener Millionen-Festspiele

Das bedeutendste Reitturnier der Erde ist auch ein Marktplatz – ein Blick in die verschwiegene Welt des Pferdehandels.

© dpa/Uwe Anspach

Von Michael Rossmann

Die Prämie ist nebensächlich. Es geht um viel mehr Geld als diese 4 000 Euro. Es geht um einige Millionen Euro. Der Youngsters-Cup, das zweite Springen beim CHIO in Aachen am Dienstag, ist eine sportliche Prüfung sowie ein Schaufenster für junge Pferde und die hoffnungsvollsten Talente der besten Reiter des Planeten. Der CHIO ist das größte Reitturnier der Welt, ein attraktiver Marktplatz und der Pferdehandel der Katalysator dieser Branche, bei dem einige sehr reich werden. „Die Preise sind zuletzt explodiert“, sagt Breido Graf zu Rantzau, Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN.

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Vor einigen Jahren waren es besonders Interessenten aus Katar, die in Europa eifrig einkauften und so die Preise gewaltig in die Höhe trieben. Derzeit suchen nach seiner Beobachtung vor allem Interessenten aus den USA fertig ausgebildete Pferde, mit denen der neue Reiter bei Fünf-Sterne-Turnieren möglichst schnell vorn landen kann. „Wenn ich so einen kaufen will, kostet das mehr als eine Million Euro“, sagt der FN-Chef, der Züchter ist. Die sieben- und achtjährigen Pferde des Youngsters-Cups sind perfekt ausgebildet und bereit für den Sprung in die großen Prüfungen. Das ist in etwa so, als wenn die besten Fußballklubs der Welt ihre A-Junioren beim gleichen Turnier spielen lassen würden.

Die Reiter bereiten die Nachwuchspferde auf schwerere Aufgaben vor und testen im größten Reitstadion der Erde, wie weit sie sportlich sind. Es geht aber immer auch um Handel. Die fünf besten Pferde des Youngsters-Cup-Finals 2014 für achtjährige Pferde haben inzwischen alle neue Reiter. „Die Preise haben sich im Springen enorm entwickelt, in der Dressur nur ein bisschen“, sagt Madeleine Winter-Schulze, die Mäzenin von Ludger Beerbaum und Isabell Werth. Auch sie hat für neue Pferde schon hohe Beträge ausgegeben und auch teuer verkauft. Die Reiter sind nur in Ausnahmefällen die Besitzer der Pferde. Mäzene, Sponsoren und reiche Eltern pumpen die Millionen von Euro in den Markt.

„Das ist wie in der Kunst“, sagt Hendrik Snoek, einst Reiter und jetzt Betreiber eines Turnierstalls bei Münster. „Die mittlere Qualität ist nicht so teuer.“ Spitzenpferde bringen dagegen „Spitzenpreise“. Wie viel das ist? „Was der Verrückte zahlt“, sagt CHIO-Sportchef Frank Kemperman und grinst. Exakte Zahlen gibt es beim Pferdehandel selten. Dass auch zweistellige Millionen-Beträge fließen, ist spätestens seit 2013 bekannt, als der Schweizer Hansueli Sprunger sagte, dass Palloubet d’Halong für elf Millionen Euro verkauft worden sei. Mit dem Pferd belegte seine Tochter Janika im Großen Preis von Aachen Platz zwei. Für Aufsehen sorgte Pferdehändler Paul Schockemöhle 2010, als er das Dressurpferd Totilas für etwa zehn Millionen Euro aus den Niederlanden kaufte.

Jüngere Pferde sind natürlich günstiger. „Die Preise für vier- bis fünfjährige Pferde liegen zwischen 50 000 und 100 000 Euro“, sagt Snoek. „Es gibt aber auch Fohlen für 40 000 Euro.“ Warum so viel Geld ohne Leistungsnachweis bezahlt wird? „Das ist die Hoffnung“, sagt Snoek. Es geht natürlich noch teurer. Einen Eindruck gibt es bei der jährlichen PSI-Auktion von Nachwuchspferden in Ankum. Das teuerste Dressurpferd, der vierjährige Hengst Ferrari, kam 2016 für 1,5 Millionen Euro unter den Hammer. Das teuerste Springpferd, die sechsjährige Stute Chaconeta, kostete immerhin noch 960 000 Euro. (dpa)