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Die älteste Heimatgruppe der Oberlausitz

Der Volksspielkunstverein Thalia besteht seit 150 Jahren. Darum lädt die Gruppe am Sonnabend zum bunten Heimatprogramm in die Jonsdorfer Gondelfahrt ein.

© privat

Von Mario Heinke

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Der ganze Stolz der Frauen, die Oberlausitzer Hochzeits- und Festtagstrachten tragen, sind die handgestickten Räderhauben. Nur verheiratete Frauen dürfen sie tragen. Ledige Mädchen müssen sich mit einem Häubchen auf dem Kopf begnügen. Das ist Tradition. Damit die sich in den nächsten 150 Jahren nicht ändert, darüber wacht der Verein Volksspielkunst Thalia Jonsdorf. Die Mitglieder feiern am Sonnabend ab 15 Uhr ihr 150-jähriges Bestehen in der Jonsdorfer Gondelfahrt. Die Festveranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei, sagt Udo Krostack, künstlerischer Leiter der Trachtengruppe. Das bunte Programm wird sich zunächst um den Kurort Jonsdorf drehen und mit einem kurzen Schwank enden, kündigt er an.

Von den 33 Vereinsmitgliedern sind 25 noch auf der Bühne aktiv und wie Udo Krostack, der seit 47 Jahren Mitglied ist, schon lange Zeit dabei. Sie pflegen das Oberlausitzer Brauchtum, die Mundart und sind bei regionalen Höhepunkten, wie dem Eibauer Bierzug in voller Pracht und Tracht anzutreffen. Der Verein kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Im Jahre 1868 von Jonsdorfern als „Dilettantenverein Thalia“ gegründet, widmeten sich die Mitglieder bis 1930 fast ausschließlich dem Theaterspiel. Nachdem Jonsdorf als Kurort anerkannt wurde, wechselten die „Dilettanten“ 1935 den Namen und nannten sich fortan Volksspielkunst Jonsdorf.

1978 trat die Trachtengruppe im DDR-Fernsehen bei der Sendung „Alles singt“ auf und wurde „Ausgezeichnetes Volkskunstkollektiv der DDR“. Im selben Jahr gründeten Inge Eifler und Marianne Simon eine Kindergruppe, in der über die Jahre 71 Kinder mitwirkten. Vier dieser Kinder sind bis heute dabei. 1985 spielten die Jonsdorfer sogar im DEFA-Film „Hilde, das Dienstmädchen“ mit, der anlässlich des Spielfilmfestivals 1986 in der Stadthalle Karl-Marx-Stadt uraufgeführt wurde. Auftritte beim Pressefest und im Kulturpalast in Dresden, bei vielen Stadt- und Bürgerfesten beispielsweise in Regensburg, Herrenberg oder München, Fernsehaufzeichnungen und die Teilnahme an Festumzügen gehörten zu den Höhepunkten im Vereinsleben. Zwischen 1960 bis 2004 traf sich die Trachtengruppe 169-mal zum „Sonntagmorgen ohne Sorgen“ auf der Waldbühne in Jonsdorf. Fiel ein Treffen wetterbedingt aus, setzte sich Paul Eisert auf sein Moped und fuhr von Haus zu Haus, um abzusagen. Wegen nichtvorhandener Telefonanschlüsse damals nicht anders machbar, erzählt Udo Krostack. Heutzutage unterhalten die Jonsdorfer Trachtenträger Bus- und Reisegesellschaften, meistens im Restaurant und Hotel Gondelfahrt in Jonsdorf.