Merken

Die Ära Popiesch endet in Dresden

Die Eislöwen suchen einen neuen Trainer und bei den Lausitzer Füchsen soll die Interimslösung bleiben.

Teilen
Folgen
© Robert Michael

Von Berthold Neumann

Wer am Neujahrsnachmittag beim Training der Dresdner Eislöwen kiebitzte, traute seinen Augen nicht. Nicht der scheinbar ewige Thomas Popiesch gab die Kommandos. Nachwuchstrainer Jukka Ollila, extra aus dem Feiertagsurlaub geholt, betreute die Mannschaft. Die Ära Popiesch ist seit dem Silvester-Nachmittag in Dresden zu Ende – nach siebeneinhalb Jahren. Mit seiner Zeit als verantwortlicher Coach der Lausitzer Füchse kam der gebürtige Berliner sogar auf eine fast zehnjährige Arbeit im sächsischen Eishockey.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Als die Lichter der Dresdner Energie-Verbund-Arena am späten Mittwochabend schon erloschen waren, hatte Geschäftsführer Volker Schnabel Popiesch zum Rapport am Silvestertag bestellt. Dort wurde ihm mitgeteilt, dass er „mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben als Cheftrainer entbunden ist“. Mit der Talfahrt – die Eislöwen gewannen nur vier der letzten siebzehn Spiele – fielen die Dresdner ins Niemandsland der Deutschen Eishockey-Liga 2. Schnabel sah das Saisonziel, die Meisterschafts-Play-offs, akut gefährdet.

„Wir haben uns diese Entscheidung aber keinesfalls leicht gemacht und uns nach dem Spiel gegen Crimmitschau verschiedenste Meinungen eingeholt“, betonte Schnabel. Das Votum der Gesellschafter sei letztlich einstimmig ausgefallen. „Diese Gespräche haben gezeigt, dass für das Erreichen des Saisonziels eine Veränderung herbeigeführt werden muss, um der Mannschaft wieder neue Impulse zu verleihen“, fügte er hinzu. Der Vertrag von Popiesch war erst 2015 um zwei Jahre bis Saisonende 2017 verlängert worden.

Für den Geschäftsführer bedeutet die Trennung von Popiesch die schwerste Entscheidung, seitdem er in Dresden amtiert. Denn es war der bisherige Trainer, der im März 2014 – den wirtschaftlich am Boden liegenden Eislöwen drohte die Insolvenz – den langjährigen Geschäftsführer von Ligakrösus Bietigheim im März 2014 nach Dresden geholt hatte.

Popiesch bereut Gutmütigkeit

Obwohl die Leistungskurve der Eislöwen schon vor den Weihnachtstagen deutlich nach unten zeigte, verteidigte Schnabel den Trainer mit Hinweis auf dessen Kompetenz und Ansehen in der DEL 2. „Wenn ich Thomas Popiesch entlasse, bekommt er in wenigen Stunden einen neuen Job, sollte in der Liga ein Coach gesucht werden“, erklärte er gegenüber der Sächsischen Zeitung noch Anfang Dezember.

Ausschlaggebend für Schnabels Kurskorrektur, der noch kurz zuvor nichts von „Schnellschüssen“ wissen wollte, war die bedenklich ratlose Vorstellung gegen Crimmitschau (2:4) und der vor dem Sachsen-Derby spürbare Zuschauer-Rückgang. Und: Schnabel wollte neun Tage vor dem Winter-Derby im Dynamo-Stadion Handlungsfähigkeit demonstrieren. Offenbar konnten auch die eingeladenen Spieler den Geschäftsführer nicht mehr überzeugen, dass es zu einer schnellen Wende kommen kann. Selbst eine von Popiesch überraschend entfachte Fehlerdiskussion half dem sonst so kritikresistenten Trainer nicht mehr. Aufgebrachte Fans hatten ihn nach der Pleite gegen die Westsachsen gefragt, ob seine Spieler überhaupt bereit für ein Derby seien. „Ich habe eine große Aktie an der Niederlage. Ich hätte nach den ersten drei, vier Wechseln einige Spieler sitzen lassen müssen“, räumte er ein. „Meine Gutmütigkeit habe ich bitter bereut“, ergänzte der 50-Jährige.

Als ob er die Trennung schon ahnte, fügte er hinzu:. „Die Fans wollten ein heißes Derby und dabei sich würdig präsentierende Eislöwen sehen.“ Was nichts anderes als das Eingeständnis bedeutet: Das gab es zuletzt bei den Dresdnern unter seiner Verantwortung nicht mehr.

Interimsmäßig könnte der Finne Ollila die Eislöwen beim nächsten Heimspiel am Sonntag gegen die – ebenso weit hinter den Erwartungen zurückgebliebenen – Löwen Frankfurt betreuen. Am Neujahrstag sondierte Geschäftsführer Schnabel die Lage bei derzeit vereinslosen Trainern. Die im Dezember von den Ligarivalen Weißwasser und Frankfurt/Main entlassenen Dirk Rohrbach beziehungsweise Tim Kehler sollen sich nicht darunter befinden.

Mit Dresden und Weißwasser gerieten ausgerechnet die beiden Vereine in die Schlagzeilen, die seit 2009 für Kontinuität standen und damit einen wohltuenden Gegenpol zur sonst hohen Fluktuation auf der Trainerposition in der DEL 2 boten. So dürfte auch Rene Rudorisch gespannt sein, was sich in den verbleibenden Tagen bis zur Freiluft-Premiere tut. Der Geschäftsführer der DEL 2 inspiziert am Montag die Vorbereitungen im Dresdner Dynamo-Stadion.

Denn auch in Weißwasser war die Trainerfrage bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nach wie vor offen. Interimstrainer Peter Ihnacak liegt ein Angebot der Füchse bis Saisonende vor. Doch der frühere NHL-Profi hat eine weitere – offenbar deutlich höher dotierte – Offerte aus der Schweiz. Zeitgleich hatten die Füchse bei Peter Draisaitl angefragt. Der 146malige deutsche Nationalspieler sagte ab. „Meine persönliche Zukunftsplanung sieht anderes vor“, sagte der Vater von Supertalent Leon Draisaitl.