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Die AfD Tür an Tür mit dem Flüchtlingsreferat

Die Kölner AfD-Ratsfraktion teilt sich Küche und sanitäre Anlagen mit dem Referat für Flüchtlingskoordination. Ist das Stoff für eine Sitcom?

© dpa

Von Christoph Driessen

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Haus Neuerburg zu Köln ist ein schönes denkmalgeschütztes Gebäude, vor knapp 100 Jahren erbaut von einem Zigaretten-Fabrikanten und Generalkonsul Griechenlands. Dennoch hatte Hans-Jürgen Oster, Leiter der städtischen Flüchtlingskoordination, gewisse Bedenken, als er Anfang 2016 mit seinem neuen Referat dort einzog, weil im Rathaus kein Platz mehr war. Denn direkt neben den Räumen, die ihm zur Verfügung gestellt wurden, befinden sich die Büros der Kölner AfD-Ratsmitglieder.

„Das sind eine Fraktion und eine Dienststelle, die man möglicherweise nicht nebeneinander unterbringen würde“, formuliert Oster zurückhaltend. Er habe sich dann aber gesagt: „Gucken wir uns das doch mal an.“

Wenn man Haus Neuerburg betritt, merkt man sofort: Hier gibt’s viel Publikum. Was zum einen dem ebenfalls hier untergebrachten Standesamt geschuldet ist, zum anderen aber eben dem Flüchtlingsreferat. Im Foyer, in den Gängen, im Aufzug – überall trifft man Menschen, die nicht unbedingt so wirken, als wären ihre Familien schon seit Generationen im Rheinland ansässig gewesen. Wobei man sich nicht täuschen sollte: Sogar die Vorfahren des urkölschen Volksschauspielers Willy Millowitsch kamen vom Balkan.

Drittes Obergeschoss. Auf dem Hinweisschild steht: „Alternative für Deutschland. Fraktion im Rat der Stadt Köln. Raum 319, 320“. Und gleich darunter: „Referat Flüchtlingskoordination. Raum 322 bis 326“. Ein Foto von einem ähnlichen Schild draußen am Eingang hat kürzlich Fernsehautor Tommi Schmitt getwittert. Sein Kommentar dazu: „Ich möchte 1 Sitcom über dieses Haus.“

Einige WG-Elemente mit situationskomödiantischem Potenzial sind vorhanden: Die AfD-Politiker und die Flüchtlingskoordinatoren teilen sich eine Teeküche und die sanitären Anlagen. Im Nachhinein findet Referatsleiter Hans-Jürgen Oster die Nachbarschaft gar nicht so schlecht: Im Fall der Fälle könne man das Informationsbedürfnis der AfD schnell befriedigen. So manches Thema habe sich auf diese Weise recht schnell erledigt. „Ein Kollege sagte mal: Die Stadt hat ja auch einen Bildungsauftrag.“ Im Übrigen verhalten sich die Nachbarn unauffällig. „Hier läuft niemand mit Glatze und Springerstiefeln rum“, sagt Oster. Und auch wenn die AfD-Leute durchaus mal an Plakaten vorbei müssten, auf denen zum Beispiel um ehrenamtliche Flüchtlingshelfer geworben werde, hätten sie sich noch nie beschwert.

Hinter der AfD-Tür steht Fraktionsreferent Matthias Büschges am Schreibtisch. Er versteht überhaupt nicht, was an der Koexistenz so Besonderes sein soll. „Das ist überhaupt kein Problem“, versichert er. „Wir arbeiten mit den Kollegen sogar zusammen. Wenn wir Fragen haben, dann unterhalten wir uns.“

Gab es schon mal Feindseligkeiten? „Überhaupt nicht! Funktioniert alles einwandfrei – warum auch nicht?“ Und dass das Referat im Dezember in „Amt für Integration und Vielfalt“ umbenannt wird? Nein, auch dagegen hat er absolut nichts. Mehr noch: Die AfD kann sich in ganz Köln keinen schöneren Platz denken. Wie zum Beweis zeigt er aufs Fenster – man solle doch bitte mal schauen: „Wir haben hier sogar Domblick!“ (dpa)