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Geld und Recht

Die Alternative zur Rentenversicherung: 

Sobald der Ausbildungsvertrag in der Tasche ist, bekommen Jugendliche und junge Erwachsene die ersten Ermahnungen der Eltern zu hören.

© Bildautor: stux

„Spare in der Zeit, so hast du in der Not.“

Und da nun einmal täglich in den Medien zu sehen und zu lesen ist, dass die Rente nicht sicher ist und unbedingt privat vorgesorgt werden muss, gehen die Gedanken automatisch in Richtung einer Rentenversicherung. Warum eine solche nicht unbedingt anzuraten ist und wie die Alternative aussieht, möchten wir in diesem Artikel gern erläutern.

Klassische Versicherung vs. Fondsdepot

Die Anzahl der Wertpapierdepots steigt stetig an. Doch leider gibt es hauptsächlich zwei Arten von Anlegern: die, die ohnehin eine Menge Geld haben und ihre Anlagen gut verteilen können, und die jüngeren Leute, die auch einmal mit ihrem bisschen Geld „spielen“. Doch gerade Menschen mittleren Alters, deren Kinder jetzt eine Ausbildung machen, sind Teil einer „verlorenen Generation“. Der Grund, weshalb die Personen Ü40 beim Thema Rente immer noch an eine klassische Rentenversicherung denken, ist, dass in deren jungen Jahren die Garantierente recht hoch war. Die Versicherungen konnten damals das Geld ihrer Kunden gewinnbringend anlegen und waren so in der Lage, hohe Zinsen zu garantieren. Dazu kamen noch teils hohe Überschüsse, die an die Versicherten verteilt wurden.

Die Flaute am Finanzmarkt und die damit einhergehenden Zinssenkungen haben dazu geführt, dass für eine ausreichende Rente inzwischen viele Jahre lang hohe Beträge in eine solche Versicherung fließen müssten.

Doch seien wir einmal ehrlich: Der Rubel rollt während der Ausbildung doch noch sehr langsam. Wenn ein junger Mensch, der vielleicht sogar nebenher noch auf einen Führerschein und ein Auto spart, hört, dass er 350 Euro in eine Rentenversicherung einzahlen soll, macht er doch alle Schotten dicht.

Ein Depot hat dagegen viele Vorteile: Es gibt keine Vertragsbindung, ein Depot kann jederzeit gewechselt oder gekündigt werden. Ein Wertpapiersparvertrag dazu ist flexibel und kann immer wieder erhöht oder gesenkt werden. Auch eine komplette Aussetzung für eine gewisse Zeit ist möglich.

Was ist überhaupt ein Depot?

Für viele ist der Begriff an sich schon ein absolutes Fremdwort. Doch es handelt sich bei einem Depot ganz schlicht um ein Konto. Der Begriff stammt noch aus der Zeit, als Wertpapiere in Form von Urkunden gehandelt wurden. Wer sie aus Sicherheitsgründen (Diebstahl, Feuer) nicht zu Hause lagern wollte, hat sie in der Bank in einem Schließfach hinterlegt, dem sogenannten „Depot“. Bei diesem Begriff ist es geblieben, auch wenn heutzutage so gut wie keine Schriftstücke mehr gehandelt werden. Stattdessen werden bei einer neuen Wertpapierausgabe (beispielsweise durch Kapitalerhöhung) nur virtuelle Stücke erzeugt, die dann verkauft und digital beim Kunden eingebucht werden, genauso wie beim Buchgeld auf dem Girokonto auch. 

Welche Papiere sollten gekauft werden?

Bei der Auswahl der Papiere kommt es sehr auf die Risikofreudigkeit des Anlegers an. Wer jedoch einen ganz klaren Plan definiert und ausreichend, aber nicht zu viel anlegt, der kann durchaus riskantere Werte in sein Depot einkaufen. Denn die Schlüsselwörter bei der Wertpapieranlage lauten Zeit und Diversifikation (Streuung).

Zeit bei der Wertpapieranlage:

Der Wert von Aktien und anderen Wertpapieren kann stark schwanken. Sind diese Schwankungen groß, wird in der Regel auch von einem höheren Risiko gesprochen. Müssen Papiere zu einem festen Zeitpunkt unbedingt verkauft werden und ist der Wert gerade besonders niedrig, dann ist ein hoher Verlust vorprogrammiert. Viel Zeit bedeutet also, dass schwache Phasen einfach abgewartet werden können.

Diversifikation:

Jeder Anleger sollte seine Ersparnisse breit fächern. Dies bedeutet, mehrere unterschiedliche Werte zu halten. Geht es einer Firma schlecht, kann eine andere dies oftmals ausgleichen.

Gier frisst Hirn!

Leider betrifft dieses Problem alle Altersklassen. Gut geplante Portfolios werden plötzlich mit einer einzigen Aktienanlage übergewichtet. Grund dafür ist meist eine „Geschichte“ oder ein ganz heißer Tipp. Das Problem: Wer hier danebengreift, kann auch mit viel Zeit oftmals nichts ausgleichen. Wer 20.000 Euro in eine Firma investiert, die pleitegeht, kommt um einen Totalverlust schwer herum.

Unser Tipp: In einem Sparplan vom ersten Gehalt an regelmäßig Geld anlegen – genug, um im Alter eine gute Zusatzrente zu bekommen, aber nicht so viel, dass ständig ein Verkauf von Wertpapieren nötig wird, weil an anderer Stelle Geld fehlt. Was gekauft wurde, sollte auch bleiben. Je näher dann der Renteneintritt kommt, desto mehr kann in „sicherere“ Papiere umgeschichtet werden. 

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der externen Redakteurin C. Leschkowski.