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Die Angst vor dem Wolf bleibt

Mittelsächsische Nutztierhalter erhalten nun Zuschüsse für Schutzmaßnahmen. Aber das reicht den Landwirten nicht.

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Von Astrid Ring

Schleppender Start für den Schutz gegen Wölfe: Sechs Landwirte in Mittelsachsen haben bisher Zuschüsse beantragt, um ihre Nutztiere zu sichern, wie das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) erklärt. Seit ganz Sachsen zum Wolfsgebiet erklärt wurde, können auch Halter von Schafen, Ziegen und Gatterwild beim Freistaat Geld für den Bau geeigneter Schutzzäune beantragen. Bisher konnten die Förderung nur Landwirte in den Wolfsgebieten in Ostsachsen in Anspruch nehmen.

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Geld gibt es für mobiles elektrisches, mindestens 90 Zentimeter hohes Weidezaunmaterial. „Bei Bedarf kann das sächsische Umweltministerium aber die Förderung von Präventionsmaßnahmen für weitere Nutztierarten zulassen“, sagt Karin Bernhardt, Sprecherin im Landesamt. Zudem sei ab einer bestimmten Herdenstärke die Anschaffung von Schutzhunden förderfähig. Laut LfULG haben sachsenweit bislang 58 Landwirte derartige Zuschüsse beantragt. „Eine Förderung in Höhe von 80  Prozent der Nettokosten ist möglich“, erklärt die Sprecherin.

Trotz der neuen Fördermöglichkeit: Die Wolfsbeauftragten des Landkreises Mittelsachsen verneinen, dass es zwischen Leisnig und Neuhausen einen gesicherten Beweis für das Vorkommen des Wildtieres gibt. Ebenso ließen sich bislang keine Wolfsrisse an Nutztieren nachweisen. Viele Landwirte und Jäger sehen das aber anders. Ihrer Meinung nach ist der Wolf in der Region längst angekommen – wie sonst sei es zu beurteilen, dass inzwischen der gesamte Freistaat Wolfsgebiet ist. Ein Fakt, den der Wildbiologe Professor Sven Herzog von der TU Dresden in einem Interview bereits vor einem reichlichen Jahr vorhersah und mit der Ausbreitungsdynamik des Wildtieres erklärte.

Für die Nutztierhalter bedeutet diese Situation vor allem mehr Aufwand und höhere Kosten in der Betreuung und Sicherung der Weidetiere. Für den Großschirmaer Landwirt Gunther Zschommler, Vizepräsident des Landesbauernverbandes und Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer, ist deswegen die bisherige Förderung nicht ausreichend: „Der Freistaat Sachsen sollte eine Versicherung gegen alle Schäden abschließen, die durch Ausbrüche von Herden aus gesicherten Weiden in und um die Wolfsregionen entstehen.“

Zschommler gilt als großer Kritiker des derzeitigen Umgangs mit dem Wolf im Freistaat. Der Landwirt fordert vom Freistaat, Schutzmaßnahmen und Schäden, die durch Wölfe entstehen, Nutztierhaltern vollständig und unbürokratisch zu ersetzen. Und er geht noch weiter: So sollten die Wolfsregionen auf äußerst dünn besiedelte Gebiete wie ehemalige Tagebaue oder Truppenübungsplätze begrenzt und ausgewiesen werden. Wölfe, die diese Regionen verlassen, sollten gejagt werden. In Sachsen darf der Wolf derzeit nicht geschossen werden.

Die ersten Politiker sehen nun Handlungsbedarf. Um das Thema Wolf besser zu beurteilen, fordert beispielsweise Jana Pinka, umweltpolitische Sprecherin der Linke-Landtagsfraktion, ein bundesweites Wolfsmanagement. „Die Ausbreitung wird nicht begutachtet“, sagt sie. Nicht nur der Naturschutz, sondern auch die Jäger sollten in das Monitoring einbezogen werden.