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Die Arbeit beginnt von vorn

Erneut wurde der Forstbezirk Bärenfels von einem Sturm heimgesucht. Mit dem Schaden wächst auch der Zeitdruck.

© Egbert Kamprath

Von Anja Ehrhartsmann

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Bärenfels. Gerade erst hat Stefan Radler das neu geschaffene Forstrevier Lehnmühle übernommen, da muss er sich schon mit den ersten Turbulenzen beschäftigen. Mit „Herwart“, „Burglind“ und zuletzt „Friederike“ haben innerhalb der letzten drei Monate drei Stürme die Wälder im Forstbezirk Bärenfels stark in Mitleidenschaft gezogen. Ein Wurzelteller ragt in die Luft. Er gehört zu einer ausgewachsenen Fichte, die Sturm „Friederike“ vergangenen Donnerstag zu Fall brachte. Unter sich hat der Baum kleine Buchen begraben, die dort nahe der Vorsperre der Talsperre Lehnmühle angepflanzt wurden. Etwas weiter unten sind Bäume in junge Fichten gestürzt. „Die umgebogenen Bäumchen können sich noch regenerieren“, sagt der 38-Jährige. „Wenn man nicht beizeiten aufräumt, sind die Schäden aber irreparabel.“ Denn im Winter sind die jungen Pflanzen in einer Vegetationsruhe und brechen deshalb nicht so schnell. Im Frühling, wenn der Saftstrom wieder ansteigt, würden die Aufräumarbeiten zu Schäden wie Astbrüchen oder heruntergerissener Rinde führen. Das wäre nicht mehr zu beheben, weiß der Diplomforstingenieur. Auch der Borkenkäfer lässt sich im Frühjahr gerne in geschwächten und abgebrochenen Bäumen nieder und könnte sich von dort aus unter Umständen explosionsartig vermehren.

Doch Eile ist nicht nur im Kreuzwald geboten, sondern auch in anderen Bereichen des Reviers. „Je niedriger ein Wald liegt, desto eher beginnt dort der Frühling.“ Deshalb laufen die Aufräumarbeiten gerade im Gebiet um Beerwalde auf Hochtouren. Stefan Radler hofft, dass es danach auch bald im Kreuzwald weitergeht, aber das hängt von der Kapazität der Unternehmen ab, die derzeit im ganzen Forstbezirk zu Gange sind, sagt er. Der 38-Jährige geht davon aus, dass alleine in seinem Revier rund 10 000 Festmeter Sturmholz anfallen, also fast der ganze Jahreseinschlag, der bei etwa 12 000 Festmetern liegt. „Schätzungen werden am Ende aber meist übertroffen“, sagt Stefan Radler.

Im Forstrevier Lehnmühle sind nach dem Sturm vor allem der Kreuzwald und der Wald um Beerwalde betroffen. Durch Friederike kamen insgesamt 3 500 Festmeter Sturmholz dazu. Auf den ganzen Forstbezirk Bärenfels gesehen, hat es aber vor allem den Tharandter Wald schwer getroffen. Der Sturm vergangenen Donnerstag habe allein dort Holz in der Größenordnung zwischen 25 000 und 30 000 Kubikmeter geworfen und gebrochen, sagt Kristina Funke, Sprecherin des Forstbezirks. Die Schwerpunkte liegen vor allem im westlichen Teil, bei Hetzdorf und Naundorf, wo die Fichten nur flach unter der Oberfläche wurzeln und deshalb besonders windanfällig sind.

Im ganzen Landeswald sind den Stürmen im Forstbezirk Bärenfels knapp 150 000 Kubikmeter Holz zum Opfer gefallen. „Diese Zahl übersteigt den regulären Jahresholzeinschlag im Forstbezirk Bärenfels deutlich“, betont die Diplomforstingenieurin. Nach Sturm „Friederike“ beginnt die Arbeit im Wald damit nun von vorne. „Die Forstreviere mussten mit dem Aufschneiden der Wege komplett von Neuem beginnen“, so Kristina Funke. Als Nächstes werde die Aufarbeitung der gefallenen Bäume wieder aufgenommen. Priorität haben neben den Flächen, auf denen bereits junge Bäume stehen, vor allem die Bereiche, die in diesem Jahr noch neu bepflanzt werden sollen. Um das alles zu schaffen, packen die Azubis des Forstbezirks, Waldarbeiter und Fremdunternehmen gemeinsam mit an. „Die Verträge mit den Firmen wurden erweitert, und aktuell wird versucht, weitere Firmen zu binden“, sagt Kristina Funke.

Bis die Wege wieder frei sind, sollten alle die betroffenen Waldgebiete unbedingt meiden, so ihr Hinweis. Absperrungen müssen beachtet werden. Zum Beispiel wurde das Walderlebniszentrum Grillenburg im Tharandter Wald stark in Mitleidenschaft gezogen und bleibt deshalb bis auf Weiteres gesperrt. Betreten ist strikt verboten. „Der gesamte Tharandter Wald sollte in den nächsten Wochen nicht betreten werden“, sagt die Diplomforstingenieurin. Spaziergänger sollten mit aufmerksamem Blick mögliche Gefahren im Auge behalten und lieber Umwege in Kauf nehmen. Gerade halb umgeworfene Bäume, die mit ihren Ästen in den Kronen umstehender Bäume hängen, können jederzeit zu Boden fallen.