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„Die Atmosphäre war gigantisch“

Der Wellblechdom, Meißens berühmte Gewichtheberhalle, ist letztmals Podium für die Heber. Am Sonntag wird ausgeräumt.

© Riemer

Von Thomas Riemer

Meißen. Es ist ein Rekord für die Ewigkeit: Als Deutschlands aktueller Vorzeige-Gewichtheber Max Lang vor Jahresfrist das Turnier um den „Pokal der Blauen Schwerter“ gewann, stellte er die Turnierbestleistung auf. Die Gewichtheberhalle auf der Goethestraße bebte, als der Chemnitzer seine Sieg bringenden 188 Kilo nach oben stemmte.

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Jetzt heißt es Abschied nehmen vom „Wellblechdom“, wie der Heber-Tempel wegen seiner Dachkonstruktion und der damit einzigartigen Akustik, genannt wird. „Die Atmosphäre war immer gigantisch“, sagt Jürgen Grellmann. Er ist eins von vielen Meißner Gewichtheber-Urgesteinen und gehört zu den Enthusiasten, die das „Schwerter-Turnier“ 2012 wieder mit Leben erfüllten. Seit 1973 wurde es mit einer – durch die Wende in Ostdeutschland bedingten – langen Pause im „Wellblechdom“ durchgeführt, gehört heute wieder zu den ersten Adressen für die internationale Gewichtheber-Spitze.

Dass die Halle überhaupt gebaut wurde, war eher einem Zufall geschuldet. Willi Stoph, schon damals Vorsitzender des Ministerrates der DDR, besuchte die Porzellanmanufaktur. In einem „Hinterzimmer“ bereiteten sich die Gewichtheber da gerade auf die Olympischen Sommerspiele von 1968 in Mexiko vor. Jürgen Grellmann war unter ihnen. „Stoph kam zu uns und fragte, wer wir sind“, erinnert er sich. Als er von Olympia hörte und die Trainingsbedingungen sah, staunte der Parteistratege und versprach, sich für eine Änderung einzusetzen. „Ein paar Wochen später kam ein Staatssekretär, ein paar Monate später ging es tatsächlich mit dem Bau der Halle los“, so Jürgen Grellmann. Ein Prestigebau war es, in dem sich in den Jahren darauf Weltklasse-Heber vorstellten. Gerd Bonk, Ronny Weller, Joachim Kunz und Peter Wenzel gehörten zu den Pokalgewinnern von Meißen der 1970er und 80er Jahre.

Viele von ihnen kamen auch nach der Turnier-Wiederbelebung 2012 wieder in die Domstadt. Das wird sicher auch am 12. Mai so sein, wenn der Sieger 2018 gesucht wird. Dann allerdings nicht mehr im „Wellblechdom“, sondern in der sanierten neuen Halle gleich gegenüber. Dort ist am 7. April „Generalprobe“. Der AC Meißen wird mit dem entscheidenden Wettkampf um den Verbleib in der 1. Bundesliga gegen das „Athletenteam Vogtland“ die neuen Gegebenheiten testen.

Im „Wellblechdom“ poltern am heutigen Sonnabend letztmalig die Hanteln, wenn erst die zweite (gegen Vogtland 2.) und dann die erste Mannschaft des AC Meißen gegen die favorisierten Chemnitzer ihre Liga-Kämpfe austragen. Danach ist endgültig Schluss. „Ab Sonntag wird ausgeräumt“, sagt Jürgen Grellmann.

Der Lokalmatador sieht dem Standortwechsel mit vielen Emotionen entgegen. Der Abschied fällt schwer. „Die Halle und Meißen – das gehört zusammen.“ Es klingt ein bisschen nach Wehmut. Nicht nur, weil im neuen Domizil mit 380 Sitzplätzen ein paar weniger als im „Wellblechdom“ zur Verfügung stehen werden. Im Orga-Team des Schwerter-Turniers ist man zudem gespannt, wie die Athleten aus voraussichtlich zehn Nationen den Standort annehmen werden. Viele Fragen, die in den nächsten Wochen nach Antwort suchen.

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