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Die attraktivste vierte Liga

In der Oberlausitz hoffen gleich drei Vereine auf einen positiven Effekt der Derbys. Ex-Dynamos wie Robert Koch sollen dabei eine große Rolle spielen.

© Florian Richter

Von Jürgen Schwarz

Drei Vereine aus einer Region in der vierten Liga: Die Oberlausitz steht vor einer besonders spannenden Fußball-Saison, die am Wochenende beginnt. Allerdings gehen die Teams mit unterschiedlichen Konzepten und Erwartungen in diese Regionalliga-Spielzeit. „Die vielen Derbys werden locken“, meint Sven Johne, einst Spieler unter anderem bei Dynamo Dresden und jetzt Geschäftsführer von Budissa Bautzen. Die Spreestädter starten allerdings zu Hause gegen Viktoria Berlin, einen der Aufstiegsaspiranten.

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Ex-Torjäger Torsten Gütschow (l.) und sein Co-Trainer Stefan Fröhlich gehen mit Bautzen in ein schwieriges Jahr.
Ex-Torjäger Torsten Gütschow (l.) und sein Co-Trainer Stefan Fröhlich gehen mit Bautzen in ein schwieriges Jahr. © Torsten Zettl
Philipp Kötzsch hat im Nachwuchs für Dynamo gespielt. Jetzt ist er vom VfB Auerbach nach Bischofswerda gewechselt.
Philipp Kötzsch hat im Nachwuchs für Dynamo gespielt. Jetzt ist er vom VfB Auerbach nach Bischofswerda gewechselt. © WORBSER-Sportfotografie

Die Bautzner gehen bereits in ihr fünftes Regionalliga-Jahr, nachdem Torsten Gütschow als Trainer die Mannschaft in der Vorsaison noch zum Klassenerhalt geführt hat. Budissa musste zwar bis zum letzten Spieltag zittern, „aber die 41 Punkte waren Vereinsrekord“, stellt der frühere Torjäger fest. Präsident Ingo Frings ist von Gütschows Arbeit angetan: „Die Mannschaft war im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren nicht wiederzuerkennen“, sagt der Rechtsanwalt. „Es ist ein Teamgeist entstanden, der ganz wesentlich auf das Trainerteam zurückzuführen ist.“

Dennoch wird es für Bautzen auch in der neuen Spielzeit ein harter Kampf, um in der Liga zu bestehen. Gütschow gilt zwar als Berufsoptimist, aber der 55-Jährige weiß um das Risiko. „Unsere Philosophie steht: Wir holen junge, hungrige und entwicklungsfähige Spieler, viele Neuzugänge kommen aus unteren Ligen.“ Leistungsträger wie Kapitän Franz Pfanne (SV Rödinghausen) und Paul Milde (Chemnitzer FC) spielen zwar weiter in der vierten Liga, aber bei finanzkräftigeren Vereinen.

„Längst eine Zweiklassengesellschaft“

Sportchef Martin Kolan kennt das Geschäft: „Franz Pfanne hat die Möglichkeit bekommen, sich sportlich und auch finanziell zu verbessern, daher war recht früh klar, dass wir keine Chance hatten, ihn von einem Verbleib zu überzeugen“, sagt er. Seine Einschätzung: „Viele Vereine haben extrem aufgerüstet. Die Regionalliga Nordost ist längst eine Zweiklassengesellschaft. Was einige Vereine finanziell auf die Beine stellen, ist absoluter Wahnsinn, und ich bin gespannt, wo das noch hinführen wird.“ Gütschow erwartet „eine knüppelharte Serie“ und weiß: „Für uns wird es extrem schwierig.“

Das gilt natürlich auch für den Bischofswerdaer FV, den Neuling – oder besser: Rückkehrer nach 22 Jahren. Dieser Aufstieg war langfristig geplant. Vor fünf Jahren kam Erik Schmidt, bis dahin Nachwuchscoach bei Dynamo, 2015 führte der 39-Jährige seine Mannschaft in die Oberliga, jetzt folgte der souveräne Staffelsieg. „Wir werden unsere Linie nicht verlassen und weiter mit jungen, ausbildungswilligen Spielern arbeiten“, sagt Präsident Jürgen Neumann, der dem Verein seit mehr als 15 Jahren vorsteht. Allein elf Spieler der Aufstiegsmannschaft waren im Nachwuchs bei Dynamo aktiv; auch Philipp Kötzsch. Der 29-Jährige kam jetzt aus Auerbach, war dort Kapitän.

Schmidt weiß, dass es ohne erfahrene Spieler nicht gehen wird. Außer Kötzsch unterschrieben mit Norman Kloß, Tobias Heppner (beide Bautzen), Thomas Sonntag (Hildesheim) und Torhüter Oliver Birnbaum (Fürstenwalde) weitere Akteure mit Regionalliga-Erfahrung. Nicht wenige Experten erwarten die Bischofswerdaer im gesicherten Mittelfeld, aber den Trainer interessieren solche Prognosen nicht: „Steigen wir nicht ab, wäre das ein großer Erfolg.“ Für die Vorbereitung haben die Schiebocker eine Woche länger Zeit, sie eröffnen die Saison am Sonntag, 11 Uhr, mit einem Testspiel gegen Dynamo. Dafür kehren sie an die Stätte ihrer größten sportlichen Erfolge zurück. Im „Sportpark an der Wesenitz“ spielte Bischofswerda zwei Serien in der DDR-Oberliga, unvergessen ein 2:0-Sieg gegen den BFC Dynamo am 2. Mai 1987. Jetzt mussten mehr als 100 000 Euro in das Stadion investiert werden, um die Sicherheitsauflagen zu erfüllen.

Mit einem neuen Trainer startet der FC Oberlausitz. Carsten Hutwelker hat für verschiedene Vereine 71 Spiele in der Bundesliga bestritten und in Neugersdorf zunächst einen Vertrag für ein Jahr unterschrieben. In der Vorsaison hatte Sportchef Manfred Weidner die Mannschaft nach der Beurlaubung des Brasilianers Vragel da Silva zum Klassenerhalt und ins Landespokalfinale geführt. Der Kader wurde erheblich reduziert, den elf Abgängen stehen bisher nur fünf „Neue“ gegenüber. Die Rückkehr von Robert Koch, der zuletzt beim FSV Zwickau in der 3. Liga unter Vertrag stand, ragt dabei heraus. Der gebürtige Löbauer unterschrieb für ein Jahr. Für den 32-Jährigen, der von 2009 bis 2014 für Dynamo spielte, ist es die zweite Rückkehr zu seinem Heimatverein.

Die guten Kontakte zu Vereinen in Tschechien spiegeln sich im Kader wider. Derzeit stehen fünf Kicker aus dem Nachbarland im Aufgebot, und mit Jiri Liska sitzt einer als Co-Trainer auf der Bank. Für den FCO geht es laut Hutwelker darum, „den Ligaverbleib möglichst schnell zu sichern“.

Alle drei Vereine erhoffen sich positive Effekte durch die neue Konstellation vor allem bei den Zuschauerzahlen. Bischofswerda rechnet mit gut 1 000 im Schnitt statt bisher 400. Mit den höheren Einnahmen soll der Etat um 100 000 auf 700 000 Euro aufgestockt werden. Auch Weidner meint, dass die Fans auf kurzen Wegen spannende Spiele erleben können. Das betrifft beileibe nicht nur die direkten Duelle in der Oberlausitz. Die Gegner in der Regionalliga sind attraktiv. Lok Leipzig mit Ex-Dynamo Benjamin Kirsten bringt ebenso viele Anhänger mit wie die Absteiger Chemnitz und Erfurt oder der BFC Dynamo. Selten war die vierte Liga so attraktiv.