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„Die Autofahrer werden in Dresden benachteiligt“

Dresdens neuer FDP-Chef Christoph Blödner über hohe Zuschüsse für Bus und Straßenbahn und Kultur-Kürzungen.

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© André Wirsig

Die neue Rolle ist noch ungewohnt für Christoph Blödner. Nach dem überraschenden Rücktritt von Johannes Lohmeyer ist der 31-Jährige seit Ende November der neue FDP-Kreisvorsitzende in Dresden. Der Unternehmer wirkt etwas nervös. Er gibt sich aber kämpferisch.

Herr Blödner, Sie sind mit nur 76 Prozent zum Kreischef gewählt worden. Wie gehen Sie Ihre Aufgabe jetzt an?

Fleißig arbeiten und unsere Mitglieder mitnehmen. Wenn man neu gewählt wird und man darüber hinaus noch jung ist, gibt es immer ein paar Bedenken. Es ist für FDP-Verhältnisse ganz normal, dass es ein paar Gegenstimmen gibt.

Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger Johannes Lohmeyer?

Anders machen – das kann man so nicht sagen. Ich bin vom Typ her anders und gehe Sachen anders an. Ich bin vielleicht ein bisschen vorsichtiger und diplomatischer. Johannes Lohmeyer hat sehr gern zugespitzt, was aber auch sehr wichtig ist.

Für welche Themen wollen Sie sich starkmachen?

Mobilität ist für uns sehr wichtig. Beim Ausbau des Kita- und Schulangebots muss es weitergehen. Und dann setzen wir uns weiter für die Schuldenfreiheit ein.

Gehen wir die Themen einzeln durch. Was läuft in Sachen Mobilität schief?

Wir stehen für die Gleichberechtigung aller Verkehrsmittel. Aus unserer Sicht wird das Auto derzeit benachteiligt, während die Verkehrsbetriebe schon ein gutes Niveau haben. Ich nutze innerhalb von Dresden häufiger das Fahrrad, die Straßenbahn oder den Bus als das Auto. Aber jedes Mal, wenn man tagsüber doch aufs Auto angewiesen ist, steht man eben oft im Stau oder sieht, wie schlecht die Straßen sind.

Wollen Sie das Straßennetz ausbauen?

Nein, vor allem geht es um den Erhalt und die Sanierung des bestehenden Straßennetzes. Bei der Bautzner Straße sieht man ja, wie gut die Sanierung allen Verkehrsteilnehmern tut. Es muss in Dresden schneller und mehr investiert werden.

Sie sagen, die Verkehrsbetriebe haben ein gutes Niveau. Wollen Sie dem Unternehmen Geld wegnehmen?

Momentan werden die Verkehrsbetriebe mit etwa 40 Millionen von der Drewag quersubventioniert. Und sie decken nur 78 Prozent ihrer Kosten selbst. Andere Großstädte zeigen, dass das besser geht. Es sollten weniger Zuschüsse nötig sein.

Das heißt, die Verkehrsbetriebe brauchen entweder mehr Einnahmen oder weniger Ausgaben.

Die Verkehrsbetriebe haben einen modernen Fuhrpark. Das heißt, man könnte Investitionen strecken und Fahrzeuge länger nutzen. Das spart Geld. Wir sind auch dafür, neue Preismodelle auszuprobieren. Es heißt ja nicht immer, dass höhere Ticketpreise immer mehr Einnahmen generieren. Vielleicht gehen ja mit günstigeren Fahrkarten die Nutzerzahlen und damit auch die Einnahmen nach oben?

Thema Kitas und Schulen: Da macht die Stadt schon viel. Was wollen Sie?

Bei den Kitas haben wir tatsächlich schon einen guten Stand. Bei den Schulen sieht es etwas schlechter aus. Sowohl bei Kitas als auch bei den Schulen geht es uns vor allem darum, das gute Niveau zu halten. Dafür braucht es Investitionen.

Wie wollen Sie das alles finanzieren?

Ich denke, man kann zum Beispiel in der Verwaltung sparen. In unserem Wahlprogramm fordern wir die Reduzierung der Bürgermeisterstellen von sieben auf fünf, sodass zum Beispiel das Thema Bauen nur noch bei einem Bürgermeister angesiedelt ist. Auch durch eine bessere Vernetzung der Ämter und durch E-Government lassen sich Stellen kürzen. Weiterhin brauchen wir ein besseres Management bei öffentlichen Bauten. Außerdem müssen die jährlichen Kosten im Kulturbereich runter.

Wollen Sie Kulturhäuser schließen?

Nein, wir wollen aber die Zuschüsse für das Europäische Zentrum der Künste in Hellerau komplett streichen. Andere Kultureinrichtungen sollen weniger Zuschüsse bekommen und so gezwungen werden, mehr Eigenmittel zu generieren.

Das würde aber bedeuten, dass die Eintrittspreise für Museen, Galerien und Theater erhöht werden.

Das ist eine Möglichkeit. Heute zahlen aber alle Dresdner für die wenigen, die die Angebote nutzen. Das finden wir ungerecht. Unser Ziel ist, dass die tatsächlichen Nutzer mehr zahlen. Zudem könnten die Einrichtungen mehr Spenden einwerben.

Beim Thema öffentliche Bauten spielen Sie auf die Rathaussanierung an.

Ja, die Kosten sind viel höher als geplant. Beim Kulturpalast und Kulturkraftwerk wird sich zeigen, ob die Rechnung aufgeht. Ich habe aber große Sorgen. Es wäre deshalb wichtig, dass man von vornherein vorsichtiger kalkuliert und größere Budgets bereitstellt. Dann wird offensichtlich, dass man sich das ein oder andere Projekt eben doch nicht leisten kann. Momentan wird behauptet, dass alles gar nicht so teuer ist. Die wahren Kosten kommen immer erst heraus, wenn das Projekt beschlossen ist.

Bei der letzten Kommunalwahl hat die FDP zwölf Prozent erreicht. Was ist Ihr Ziel für den Mai?

Das Ergebnis wieder zu erreichen. In der Vergangenheit haben wir in Dresden viel bewegt mit dem Bau der Waldschlößchenbrücke, der Schuldenfreiheit und dem historischen Wiederaufbau des Neumarktes.

Sehen Sie die CDU bei möglichen Koalitionen als ersten Ansprechpartner?

Zunächst schauen wir auf uns, auf unser Wahlprogramm und unsere Ideen. Mit wem wir das umsetzen, ist egal. Da sehe ich in der Stadt keine Nummer eins oder Nummer zwei. Man könnte durchaus auch mit der SPD oder mit den Grünen verhandeln. Generell sind wir für Verhandlungen mit allen demokratischen Parteien offen.

Das Interview führte Tobias Winzer

Zur Person:

Christoph Blödner (31) ist in Jena aufgewachsen und seit 2000 in der FDP aktiv. Seit 2001 wohnt er in Dresden.

Während seines Studiums zum Wirtschaftsingenieur machte er sich mit einem Legostein-Versandhandel selbstständig. Mittlerweile hat er vier feste Mitarbeiter.

Ende November wurde er zum neuen FDP-Kreisvorsitzenden gewählt.