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Die Babyflüsterinnen

Seit fast 25 Jahren geben zwei Frauen Babyschimmkurse im Krokofit. In die Schwimmhalle geht es für sie nach Feierabend.

© Norbert Millauer

Von Nina Schirmer

Arbeiten in Görlitz

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Radebeul. Die kleinen Beine strampeln im Wasser, dass es spritzt. Als Nächstes patschen die Händchen auf die Oberfläche. Die Babys geben richtig Gas, wohlbehütet in den schützenden Armen der Eltern. Zehn Knirpse baden im warmen Becken im Krokofit mit ihren Mamas und Papas. Mittendrin in der quirligen Runde steht Petra Lichtenfeld. Sie lässt den Blick über die Badenden streifen, gibt Hilfestellungen. „Richtig schön rein ins Wasser“, ruft sie den Eltern zu.

Die Radebeulerin ist eine von zwei Frauen, die immer donnerstags Babyschwimmkurse im Krokofit geben. Zusammen mit ihrer Kollegin Beate Fuchs steigt sie jede Woche ins Becken. Und das seit fast 25 Jahren. Als Eigeninitiative ging es los, weil es in der Stadt noch kein Angebot für Babyschwimmen gab, erzählt Beate Fuchs. Inzwischen sind beide Frauen ausgebildete Kursleiterinnen. Ihr Angebot hat sich längst herumgesprochen und etabliert. Seit einiger Zeit werden ihre Kurse auch offiziell über die Krankenkasse AOK angeboten. Der wichtigste Partner ist außerdem die Radebeuler Familieninitiative.

Im Becken geht das Programm mit Gesang weiter. „Plitschplatsch sitzen wir im Badewasser und wir werden immer nasser“, trällert Petra Lichtenfeld. Die Eltern stimmen mit ein, während sie ihre kleinen Wasserratten durchs Wasser ziehen. Ein Baby quiekt ganz laut. Es ist ein freudiger Schrei, der durch die ganze Schwimmhalle schallt. Das sind die Momente, die den Kursleiterinnen am meisten Spaß machen. „Zu sehen, wie sich vorsichtige Kinder und Eltern über die Kursstunden hin entwickeln“, sagt Beate Fuchs. Vor allem die Bindung zwischen Eltern und Kind werde gestärkt durch den engen Kontakt im Wasser. „Es geht wunderbar entspannt zu.“ Manche Eltern melden sich so oft zum Kurs an, dass die Kinder inzwischen vier Jahre alt sind und als Nächstes gleich in den Schwimmunterricht gehen können.

Was für Kinder und Eltern Entspannung ist, bedeutet für die Kursleiterinnen zusätzliche Arbeit. Denn beide haben noch andere Berufe. Beate Fuchs ist Grundschullehrerin an der Freien Werkschule in Meißen, Petra Lichtenfeld arbeitet hauptberuflich als Physiotherapeutin. Manchmal müssen sie sich nach der Arbeit schon aufraffen für die Kurse. Aber das Lachen der Babys entschädige jedes Mal. Und auch ein anderer Aspekt ist wichtig geworden. Viele Jahre lang haben die Frauen die Kurse aus Spaß an der Freude gegeben, inzwischen sind sie aber auch zu einem wichtigen Zuverdienst geworden. „Es ist eine finanzielle Unterstützung für unsere Familien“, sagt Beate Fuchs, die vier eigene und schon erwachsene Pflegekinder hat.

Auch ihre Freizeit opfern die beiden gerne. Über E-Mail sind sie für die Eltern immer erreichbar, wenn sie Fragen zum Kurs haben. Die beiden Frauen versuchen, dann immer ganz schnell zu antworten, auch am späten Abend oder Wochenende. „Uns ist eine sehr persönliche Betreuung wichtig.“ Auch mit den Mitarbeitern der Schwimmhalle und der Stadtbäder und Freizeitanlagen GmbH habe es immer eine super Zusammenarbeit gegeben, betonen die beiden. Derzeit bangen sie jedoch etwas um die Zukunft ihrer Kurse, hoffen aber, dass sie sie noch lange machen können.

Im Schwimmbecken dürfen die Babys nach dem vielen Planschen und Strampeln auch noch entspannen. In Rückenlage kuscheln sie sich an die Eltern. Eine Runde geht’s dann noch durchs Wasser.

Kurse: immer Donnerstag zwischen 15 und 17 Uhr