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Die Bahn kommt – digital

Die Hochgeschwindigkeitsstrecke Leipzig/Halle–Erfurt ist fast fertig. Der Konzern will mit neuer Technik, modernen Zügen und besserem Service gegen die Fernbusse punkten.

© dpa

Von Michael Rothe

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Im März hat die Bahn die Fahrtrichtung vorgegeben: Ihr Fernverkehrsangebot soll bis 2030 um ein Viertel steigen. 50 Millionen Reisende pro Jahr, mehr Fahrten in ICE-Qualität und fünf Millionen Menschen mehr mit Zugang zum Fernverkehr, so die erklärten Ziele. Zwölf Milliarden Euro will sich der Konzern das Unterfangen kosten lassen, in dem die Digitalisierung eine Hauptrolle spielt. Der Boom der Fernbusse treibt die Bahn dazu.

Ein halbes Jahr später nehmen die Vorhaben Gestalt an. Bahnchef Rüdiger Grube ließ gestern rund 100 geladene Gäste in Berlin Mobilität erleben. „Alles, was wir heute zeigen, ist fertig, und – das verspreche ich – es kommt auch“, sagte Grube.

Schnellfahrstrecke Halle/Leipzig–Erfurt

Die 1991 von der Bundesregierung beschlossene Hochgeschwindigkeitsstrecke VDE 8.2 sollte eigentlich schon 2000 in Betrieb gehen. Die 120 Kilometer sind Teil der Achsen München–Berlin sowie Dresden–Frankfurt am Main und kosten fast drei Milliarden Euro. Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember soll nun das erste Teilstück Leipzig/Halle–Erfurt in Betrieb gehen – teils mit 300 km/h und dank des digitalen europäischen Zugsicherungssystems ohne Signale. So verkürzt sich die Fahrt von Dresden nach Frankfurt um eine Stunde. Wegen abschließender Arbeiten ist Leipzigs Hauptbahnhof bis zum Sonntag gesperrt. Für Fahrten über die Rennstrecke verlangt die Bahn Aufpreise von bis zu sieben Euro, sonst gilt im Fernverkehr eine Nullrunde. Ende 2017 soll es in 3:45 Stunden von Berlin nach München gehen.

Doppeldecker im Fernverkehr

Mehr Komfort, mehr Service, mehr Platz – das verspricht die Bahn beim neuen doppelstöckigen, luftgefederten und ruhigeren Intercity 2. Dazu gehörten Snacks am Platz und Informationen via Display, hieß es. Familien reisten ungestört in Kleinkind- und Familienabteilen, der Energieverbrauch sinke um 20 Prozent. Tatsächlich sollten 27 solcher Fernzüge mit 135 Doppelstockwagen bereits seit zwei Jahren auf IC-Strecken mit schwächerer Nachfrage unterwegs sein. Ab Jahresende wird die Linie Leipzig–Hannover–Norddeich als erste neu bestückt, dann folgen Dresden–Hannover–Köln und Leipzig–Kassel–Düsseldorf. 2013 soll die IC-2-Flotte 120 Züge umfassen.

Späte, aber umfassende Digitaloffensive

Smartphone- und Tabletbesitzer können ein ICE-Portal aufrufen: mit Echtzeitinformationen zu Reise, Anschluss, Verspätung, Routenoption, bis zur Speisekarte – und Tagesschau-Nachrichten der ARD. Mittelfristig sollen Filme abrufbar sein. Bayern testet „Push-Nachrichten“, eine Art SMS mit automatischen Störungsmeldungen aufs Handy. Aber: Das kostenlose WLAN in der zweiten Klasse kommt frühestens in einem Jahr. Bei Fernbussen ist das Standard.

ICE-Sprinter macht Bogen um Sachsen

Das Netz der Intercity-Express-Züge, die mit weniger Stopps zwischen den Metropolen verkehren, soll ausgebaut werden. Aber auch dann berührt die schnellste und komfortabelste Konkurrenz zu Flugzeug und Auto im Osten nur Erfurt, Halle und Berlin. Sprinter wird es in Sachsen nicht geben. Stattdessen würden bis 2018 die Frequenzen im Westen erhöht. Laut Fernverkehrskonzept erhalten fast alle Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern eine Anbindung. Das Schicksal von Chemnitz bleibt unklar.

Mobilität von Tür zu Tür

Die DB will nicht nur von Bahnhof zu Bahnhof fahren, sondern die Reisekette schließen – auch mit Partnern wie dem Fahrradverleiher „Call a Bike“ und „Flinkster – mein Car-Sharing“. Selbst kostensparende Mitfahrnetzwerke für Auto, Gruppentickets, öffentlichen Nahverkehr sind aktiv. Ist das nicht ein Eigentor? „Wir können Dinge nicht aufhalten, also machen wir sie selbst“, heißt es bei der Bahn. Dort setzt sich die Erkenntnis durch, dass Service mehr ist als eine Hotline beim Lokführerstreik. Unbenutzbare Toiletten, kaputte Klimaanlagen, fehlende oder falsche Fahrgastinfos spielten gestern keine Rolle. Dafür eine Kostenlos-App namens DB Navigator mit Plänen von 26 Bahnhöfen, grafischer Platzreservierung und Bahncard als mobiles Handyticket. Auch ohne iPhone kann man in IC/ICE Live-Auskünfte via Monitor erhalten. Selbst Reisepläne auf Papier.

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