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Die Bahn stapelt wieder hoch

Der Konzern investiert bis 2019 mehr als geplant – in marode Brücken, Gleise, Stellwerke, Stationen.

© André Schulze

Von Michael Rothe

Dresden. Unkenrufen und jahrelanger Bauverspätung zum Trotz: Es gibt Hoffnung für Sachsens Schieneninfrastruktur. Nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) investiert sie dort bis 2019 rund 2,1 Milliarden Euro in Schienen, Bahnhöfe und Energieversorgung – fast so viel wie in den fünf Jahren zuvor. Das Geld gehört zu 28 Milliarden Euro, die der Konzern republikweit in sein Netz steckt. 59 Prozent der Mittel steuert der Bund als Eigner bei. Weitere acht Milliarden Euro fließen in Neu- und Ausbau.

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„Mehr kann man gar nicht verbauen“, sagt Sachsens Konzernbevollmächtigter Artur Stempel. Bei bundesweit 800 Baustellen am Tag werde das System instabil, „geht schlagartig die Pünktlichkeit flöten“. Aber er sei froh, dass sich die Politik bewegt und die insgesamt 20 Milliarden vom letzten „Fünfjahrplan“ aufgestockt habe. In Sachsen sollen die Milliarden – 430 Millionen noch 2015 – in die Erneuerung von 63 Brücken, 360 Kilometern Gleis und 397 Weichen fließen. Bei ihren Hauptbaustellen im Freistaat sieht sich die Bahn im Soll.

Knoten Dresden: zu 90 Prozent fertig

„Wir sind zu fast 90 Prozent fertig“, sagt Michael Wuth, Vertriebschef der DB Netz AG Südost. Schwerpunkt sei der viergleisige Ausbau Dresden-Neustadt – Coswig, der 2016 abgeschlossen sein soll. Künftig sollten je zwei Gleise von Nah- und Fernzügen befahren werden. 2020 könne man mit Tempo 200 und Halt in Riesa in weniger als einer Stunde von Dresden nach Leipzig fahren, falls das europäische Zugsicherungssystem ETCS installiert ist. Für das letzte Langsamstück zwischen den Abzweigen Zeithain und Leckwitz laufe die Vorplanung. Nur der Knoten Riesa sei noch offen.

Dresden – Berlin: Ende 2018 Tempo 200

Die Arbeiten fokussieren sich auf Bahnquerungen in Brandenburg. Nach Inbetriebnahme der Kreuzung Elsterwerda (Berlin–Dresden–Prag trifft Mitteldeutschland–Horka–Breslau), wird bis Ende Juni der Bahnhof Elsterwerda umgebaut. 2017 wird der Abschnitt Großenhain – Kottewitz erneuert. Ziel: die Verkürzung der Gesamtfahrzeit: Ende 2017 mit Tempo 160 auf 105 Minuten, ein Jahr später mit Tempo 200 auf 100 Minuten. Der Wiederaufbau der Dresdner Bahn in Berlins Süden brächte noch zehn Minuten und den Stundentakt. Im Sommer könnte die Planfeststellung kommen, Klagen von Anwohnern drohen.

Dresden – Görlitz: abgespeckte Planung

Bis 2018 werden acht zum Teil über 150 Jahre alte Bauwerke erneuert. Ferner erfolgen für 40 Millionen Euro Arbeiten an Gleisen, Weichen und Streckenkabel. Für eine Elektrifizierung von Dresden bis zur polnischen Grenze braucht es die Aufnahme der Strecke in den Bundesverkehrswegeplan. Vorher gibt es nur eine abgespeckte Vorplanung, heißt es von der Bahn.

Elbtal: jetzt wieder zweigleisig

Auf der stark befahrenen internationalen Strecke Pirna – Schöna/Grenze wird wie im letzten Winter auch 2015/2016 zwischen Königstein und Bad Schandau die Oberleitung erneuert. Bis 2019 sind weitere Arbeiten an Gleisen, Oberleitungen, Signal- und Sicherungstechnik im Umfang von 100 Millionen Euro geplant. Ein Ziel ist die Verkürzung der Standzeit von Güterzügen.

Knappenrode–Horka: einen Gang höher

Auf der wichtigen Güterstrecke geht es laut Bahnmanager Stempel „mit Siebenmeilenstiefeln“ voran. In diesem Jahr werde die Strecke Knappenrode –Niesky gebaut, 2016 das elektronische Stellwerk Horka fertig. Der wichtige Teil zwischen den Nordseehäfen und Südpolen soll 2018 zweigleisig elektrifiziert sein und das Elbtal entlasten.

Knoten Leipzig: die Hälfte ist geschafft

Zum Jahresende geht ein weiterer Abschnitt der Hochgeschwindigkeitsstrecke Nürnberg – Berlin zwischen Halle/Leipzig und Erfurt in Betrieb. Zum Gesamtpaket gehört auch der Bau von drei Bahnsteigen in Leipzigs Hauptbahnhof mit bis zu 410 Meter Länge und eine achtgleisige Brücke über die Rackwitzer Straße. Die Neubaustrecke soll Ende 2017 in Betrieb gehen.

Knoten Chemnitz: fast abgeschlossen

Der Knoten wurde für über 116 Millionen Euro modernisiert – bis hin zur Verknüpfung von Bahn und Straßenbahn. Nur ein paar Ausbauten auf der Sachsenmagistrale Richtung Zwickau sind noch nicht fertig.