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Die Bautzener klagen häufiger

Im Vergleich zu anderen Regionen geht es im Landkreis jedoch friedlich zu. Allerdings ziehen Männer öfter vor Gericht als Frauen.

© dpa

Von Franziska Springer

Bautzen. Die Streitfreudigkeit der Deutschen wächst, das zeigt eine Untersuchung von Advocard. 25,1 Streitfälle pro 100 Einwohner zählte der Rechtsschutzversicherer im Jahr 2016 – 2,8 mehr als noch zwei Jahre zuvor. Im bundesdeutschen Durchschnitt belegen die Sachsen mit 24,7 Prozent der Streitfälle den 13. Platz und erweisen sich dabei als nicht sonderlich streitfreudig. Im Landkreis Bautzen gibt es sogar noch etwas seltener Zoff, wie die Streitstatistik zeigt:

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Wer streitet im Landkreis Bautzen am häufigsten?

23,7 Streitfälle pro hundert Einwohner zählt der „Streitatlas“ im Landkreis, das sind 2,5 mehr als noch 2014. Zwei Tendenzen zeichnen sich darüber hinaus deutlich ab: Zänkischer als die Frauen des Landkreises sind die Männer – zwei Drittel aller juristischen Auseinandersetzungen werden hier von männlichen Beschwerdeführern geführt, demzufolge nur zwei Drittel von weiblichen. Am streitlustigsten sind dabei die 46- bis 55-Jährigen. Am seltensten ziehen ganz junge Menschen und Rentner vor Gericht.

Was sind die häufigsten Auslöser für Zwistigkeiten?

Den ersten Platz der häufigsten Streitgründe teilen sich in Bautzen private Konflikte und Unstimmigkeiten im Straßenverkehr (jeweils 32,9 Prozent aller Streitfälle). Auseinandersetzungen im Arbeitsumfeld und mit Behörden oder Verwaltungen folgen erst in weitem Abstand. Harmonisch mögen es die Bautzener hingegen in ihrem Wohnumfeld: in nur sieben Prozent aller Fälle geht es um so richtig schlimmen Zoff zwischen Mieter und Vermieter.

Im bundesdeutschen Vergleich sieht das ein wenig anders aus: Am häufigsten streiten sich die Deutschen über Privatangelegenheiten. In der Mehrheit aller Fälle werden Scheidungs- oder Erbstreitigkeiten verhandelt. Uneinigkeiten im Straßenverkehr sind etwas seltener Anlass für Zwist.

Welche Summen werden in Bautzen verhandelt?

Besonders hoch ist die Hemmschwelle im Landkreis nicht, wenn es darum geht, Unstimmigkeiten vor Gericht auszutragen: Mit 71,1 Prozent machen den größten Anteil aller juristischen Auseinandersetzungen Streitwerte mit relativ geringen Summen bis zu 2 000 Euro aus. Bei immerhin 27,7 Prozent aller Fälle geht es um bis zu 50 000 Euro und lediglich 1,1 Prozent aller Konflikte verhandeln richtig große Geldwerte bis zu einer Million Euro.

In keinem Verhältnis zu den Streitsummen steht die Dauer der Auseinandersetzungen: Ganze zwei Jahre dauern 36,4 Prozent aller Prozesse. In weniger als einem Jahr einigen sich lediglich 43,2 Prozent aller Streithähne und nur 13,1 Prozent der Konflikte kann innerhalb von 12 Monaten befriedet werden. Tröstlich: Nur 9,1 Prozent der juristisch ausgetragenen Differenzen belasten die Konfliktparteien – wenigstens vor Gericht – länger als zwei Jahre.

Wo leben Deutschlands größte Streithähne?

Obwohl die Sachsen im bundesdeutschen Durchschnitt friedfertiger sind als die meisten Deutschen, belegen die Leipziger als streitlustigste Großstädter den ersten Platz. Knapp darauf folgt Berlin. Dicht geballt findet sich die Wut auch im Ruhrgebiet. Hier gibt es in etlichen Städten und Kommunen überdurchschnittlich häufig Auseinandersetzungen. Oberhausen führt dabei die deutsche Streitstatistik an. Aber auch in anderen Großstädten wie Wiesbaden, Frankfurt am Main, Potsdam und Kassel zankt man sich gern und oft.

Demgegenüber leben die friedlichsten Deutschen in Bayern, Baden-Württemberg und im Landkreis Görlitz, wo unter 100 Einwohnern lediglich 19,7 Streitfälle verhandelt werden.