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Belastung für alle sehr hoch

Die Feuerwehr Königsbrück hat zurzeit besonders viele langwierige Einsätze. Das geht an die Reserven.

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© Matthias Schumann

Nicole Preuß

Königsbrück. Das letzte Mal mussten die Königsbrücker Feuerwehrleute vor drei Wochen zu einem längeren Einsatz raus. Es brannte im Späne-Bunker des Sägewerks. Wochen zuvor wurden sie zu einer Gasexplosion nach Gräfenhain und zu einem Scheunenbrand nach Tauscha gerufen. Im Februar löschten die Kameraden zwei Feuer in Mehrfamilienhäusern in Königsbrück. Im Januar hatten sie ein brennendes Doppelhaus in Reichenbach zu löschen. Dazu kamen noch einige kleinere Einsätze. 640 Einsatzstunden hat die Feuerwehr Königsbrück allein im ersten halben Jahr gesammelt. Das sind jetzt schon deutlich mehr als 2014 und 2015 innerhalb eines ganzen Jahres zusammenkamen. „Die Belastung ist für alle sehr hoch“, sagt der Königsbrücker Wehrleiter Torsten Peter.

Das liegt nicht zuerst an der Zahl der Einsätze. Denn die befindet sich mit 31 bisher im Jahresschnitt. „Doch die Einsätze, die wir hatten, waren oft sehr langwierig und zeitintensiv“, sagt Torsten Peter. Manchmal mussten sogar noch Personen aus den Wohnhäusern gerettet werden, wie bei den Kellerbränden an der Großenhainer Straße in Stenz. Die Zahl der Brandeinsätze war dabei ungewöhnlich hoch. 15 Feuer mussten die Kameraden in den vergangenen Monaten bekämpfen.

Viele arbeiten außerhalb

Die Einsatzstunden verteilen sich auf die aktiven Feuerwehrleute in Königsbrück. 20 Stunden war damit, statistisch gesehen, jeder freiwillige Feuerwehrmann in den letzten sechs Monaten im Einsatz. 32 Kameraden hat die Feuerwehr, die zu Einsätzen mitfahren. Praktisch haben aber einzelne Feuerwehrleute deutlich mehr Stunden in Königsbrück und den umliegenden Gemeinden geleistet. Denn nicht alle Kameraden haben die Möglichkeit, bei allen Einsätzen mitzumachen. Die anderen, die sich engagieren können, sind demzufolge noch deutlich mehr Stunden im Einsatz.

Dazu kommt die Nachbereitungszeit. Die Gerätschaften müssen gereinigt und getauscht werden. Schläuche und Atemschutztechnik werden zudem meist ins Feuerwehrtechnische Zentrum Kamenz gefahren. Das machen die Kameraden alles noch in ihrer knappen Freizeit.

Die Feuerwehr Königsbrück ist in der glücklichen Lage, dass alle aktiven Feuerwehrleute arbeiten. Doch die meisten sind nicht in Königsbrück beschäftigt und stehen deshalb tagsüber nicht zur Verfügung. Die Feuerwehr Königsbrück hat zwar auch am Tag immer noch eine Staffel mit sechs Kameraden für den Einsatz zusammen bekommen. „Das wird aber zunehmend eventuell schwieriger“, sagt Torsten Peter. Wobei das nicht nur ein Problem von Königsbrück ist. Alle freiwilligen Feuerwehren haben inzwischen damit zu kämpfen.

Wehr braucht mehr Mitglieder

Der ehrenamtliche Wehrleiter, der selbst Berufsfeuerwehrmann in Dresden ist, hofft, dass die Motivation der Kameraden bei den hohen Einsatzzeiten nicht nachlässt. „Schließlich hat jeder noch seinen Beruf, seine Familie und andere Interessen“, sagt Torsten Peter. Ein ehrenamtlicher Feuerwehrmann sollte laut Feuerwehrdienstvorschrift im Jahr sowieso schon 40 Stunden Fortbildung am Standort nachweisen, damit er den Umgang und die Handhabung der vielen verschiedenen Geräte in jeder Situation beherrscht. Atemschutzgeräteträger haben zusätzlich noch zwei große Übungen im Jahr und müssen sich aller drei Jahre arbeitsmedizinisch untersuchen lassen.

Der Aufwand schlägt sich auch auf die Bereitschaft anderen Bürger, sich ebenfalls zu engagieren. Die Feuerwehr hat mit Aushängen um neue Leute geworben. „Doch die Resonanz auf unser Schreiben war gleich null“, sagt Torsten Peter. Dabei sei es wichtig, dass die Wehr mehr Feuerwehrmänner und -frauen bekomme. Dann sinke auch die Einsatzbelastung der Kameraden. Dazu kommt, dass in einigen Jahren wahrscheinlich weitere Feuerwehrleute aus dem aktiven Dienst scheiden. Und für sie muss Ersatz gefunden werden. „Denn sonst wird es in Zukunft noch schwieriger, bei Unfällen und Bränden schnell handlungsfähig zu sein“, sagt Torsten Peter.