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Die Berater

Ein Programm des Sozialministeriums ermöglicht den Rothenburger Schulen zwei Sozialarbeiter. Endlich.

© André Schulze

Von Jenny Thümmler

Es ist ein bisschen wie frohe Erwartung, was Nadine Schröter und Thomas Kucharek derzeit verspüren. Die beiden sind die neuen Schulsozialarbeiter für die Oberschule und die Grundschule in Rothenburg. Erste Gespräche mit den Schulleitern und Lehrern haben sie bereits geführt und sind mehrere Abende in der Woche bei Elternabenden, um sich vorzustellen. Denn obwohl das Angebot der Schulsozialarbeit zumindest in der Oberschule nicht neu ist, wird der Umfang jetzt doch ein ganz anderer. Grund ist ein neues Programm des sächsischen Sozialministeriums. Es stellt dem Landkreis Görlitz mehr als 535 000 Euro zur Verfügung, damit dieser die Schulsozialarbeit erweitern kann. Laut Sozialdezernentin Martina Weber sollen an insgesamt 31 Schulstandorten im Landkreis Schulsozialarbeiter eingesetzt werden. Und auch wenn das Projekt offiziell erst einmal bis 31. Dezember läuft, soll es weitergehen. „Das Förderprogramm des Freistaates ist dauerhaft angelegt. Im nächsten Schuljahr soll die Schulsozialarbeit quantitativ noch weiter ausgebaut werden“, sagt Martina Weber.

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80 Prozent der Kosten übernimmt der Freistaat, also der Landkreis über die Förderung, den Rest die jeweilige Gemeinde. Der Rothenburger Stadtrat hat schon im Juni zugestimmt, 7 200 Euro Eigenanteil für das Projekt bereitzustellen, auch für 2018 stehen sie im Haushaltsplan. Arbeitgeber für die beiden Sozialarbeiter, die sich eine Vollzeitstelle teilen, ist das Diakoniewerk Martinshof Rothenburg. Projektträger ist sein Mehrgenerationenhaus.

Auch für Nadine Schröter und Thomas Kucharek wird es die Arbeit wahrscheinlich erleichtern. Zwar bietet das Mehrgenerationenhaus schon viel Hilfreiches an. Aber: Es werden nicht alle Kinder und Jugendlichen erreicht, die Hilfe gebrauchen könnten. „Die Leute kommen themenbezogen her“, sagt Thomas Kucharek. „In der Schule erreichen wir alle.“

Für die Grundschule sind bereits feste Beratungszeiten festgelegt: Montag, Mittwoch und Freitag, jeweils von 9.30 bis 12.30 Uhr. In der Oberschule sind die Sozialarbeiter am Dienstag und Donnerstag, jeweils von 9 bis 12.30 Uhr. „In der jetzigen Phase geht es auch eher darum, dass die Schüler uns wahrnehmen. Und die ersten Wochen zeigen, dass Gesprächsbedarf besteht und die Schüler zu uns kommen“, erklärt Thomas Kucharek. Das könne auch ein Gespräch oder ein Fußballspiel auf dem Pausenhof sein. Vertrauen aufbauen, nennen es die Sozialpädagogen. Denn eines ist ihnen auch wichtig: Sie wollen nicht nur tätig werden, wenn das sprichwörtliche Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Sondern auch präventiv. Und ohne konkrete Notlage. Auch einfach über Themen reden, die der Jugend gerade wichtig sind.

Apropos Jugend: Wann Jugendliche Sozialarbeiter aufsuchen, können sich Außenstehende noch denken: Drogen, Zukunftsangst, Sexualität, Probleme mit den Eltern. Aber wozu brauchen schon Grundschüler eine solche Hilfe? „Ausgrenzung, um nicht Mobbing zu sagen, ist auch in dieser Altersklasse schon ein Problem“, erklärt Kucharek. Zudem wollen er und Nadine Schröter auch Lehrer unterstützen, die Veränderungen an einem Kind bemerken und selbst nicht weiterkommen. „Da muss nicht immer eine Katastrophe dahinterstecken. Vielleicht ist die Oma gestorben, und das Kind wird zu Hause bei der Trauerbewältigung nicht richtig aufgefangen.“ Auch für Elterngespräche stehen die Schulsozialarbeiter zur Verfügung.

Die beiden haben sich bewusst als Team aufgestellt. Verschiedenes Alter, anderes Geschlecht, auch ein unterschiedlicher Erfahrungsschatz. Während Thomas Kucharek seit fast 20 Jahren im Mehrgenerationenhaus arbeitet, hat Nadine Schröter jüngst ihr Studium abgeschlossen und ist ganz neu im Rothenburger Team. Die 22-Jährige hat Soziale Arbeit in Görlitz studiert und ihre Bachelorarbeit passenderweise über Schulsozialarbeit geschrieben. Warum? Sie lacht. „Weil Kinder die Zukunft sind.“ Dann: „Wir müssen dort anfangen. Wenn nicht bei den Kindern, wo dann?“ Beide beobachten, dass es vor allem bei den sozialen Kompetenzen Mängel gibt. Bei Respekt, Akzeptanz und tolerantem Umgang miteinander. „Vorurteile vermitteln Eltern. Wenn man kleine Kinder unterschiedlicher Hautfarbe oder Muttersprache gemeinsam in einen Sandkasten setzt, spielen die ganz unbefangen miteinander.“ Der Umgang mit Mitmenschen ist eines der großen Themen für die beiden Pädagogen.

In den Schulen stößt das neue Angebot auf große Freude. „Als wir von der Möglichkeit hörten, haben wir uns sofort beworben“, sagt Gerold Schulz, Schulleiter der Oberschule Rothenburg. „Jetzt sind wir natürlich sehr froh, dass es geklappt hat.“ Denn der Bedarf sei da. Jetzt hat der Schulleiter nur noch einen Wunsch: „Dass die Sozialarbeiter nicht nur für die Testphase bis Jahresende bleiben und das Angebot vielleicht sogar noch erweitert wird.“