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„Bettensteuer schreckt Kunden ab“

Rolf-Dieter Sauer, neuer Dehoga-Boss, ärgert sich über die Abgabe. Pegida sei nur bedingt schuld am Gästerückgang.

© Christian Juppe

Von Julia Vollmer

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Oben auf dem Wilden Mann, im Hotel Bergwirtschaft, residiert der neue Chef des Dresdner Dehoga-Ablegers: Rolf-Dieter Sauer. Er hat gleich mehrere Ideen, warum der Tourismus in Dresden gerade nicht so läuft, wie er sich das wünscht. „Die Bettensteuer ist viel zu hoch, eine der höchsten in Deutschland. Das schreckt unsere Kunden massiv ab“, kritisiert Sauer. Er bricht mitten im Satz ab, grüßt ankommende Touristen. Mit betont weltmännischen Gesten empfängt der Geschäftsführer seine Gäste. Leer ist es im Restaurant, es ist aber auch erst 17 Uhr – keine klassische Zeit zum Kaffeetrinken mehr und auch noch keine für das Abendessen.

Aber zurück zum Thema: Bettensteuer. Seit 2015 müssen Gäste die Abgabe an die Stadt zahlen. Bis 30 Euro Zimmerpreis beträgt sie einen Euro pro Nacht. Bei höheren Zimmerpreisen steigt auch die Bettensteuer. Kostet ein Zimmer beispielsweise 100 Euro pro Nacht, werden zusätzlich noch sieben Euro fällig. Dies, so Sauer, sei viel zu viel. Die Mitarbeiter an seiner Rezeption würden den Unmut der Gäste zu spüren bekommen. Viele Urlaubswillige, die auf der Suche nach einem Städteurlaub in Deutschland seien, würden sich kurzerhand umentscheiden, wenn sie im Internet von der Bettensteuer lesen, so der Hotelier von der Bergwirtschaft.

Geschäftskunden können sich von der Steuer zwar befreien lassen, allerdings sei das Verfahren viel zu kompliziert. Sie bräuchten dafür eine Bescheinigung ihres Unternehmens, die viele nicht dabeihätten. Ein endloser Papierkrieg, so Sauer, der im April zum Nachfolger von Ex-Dehoga-Boss Marco Bensen gewählt wurde. Bensen wechselte nach Düsseldorf.

Am meisten ärgert sich der Gastronom, der nebenbei noch eine Baufirma betreibt, über eine Sache, die er als „Ungerechtigkeit“ bezeichnet. Hoteliers, die weniger als fünf Betten für Gäste anbieten, also etwa kleine Pensionen, müssen demnach keine Steuer abführen. „Das treibt unsere Kunden doch in deren Arme.“

Mit der Kritik an der Bettensteuer steht Sauer nicht allein da. Auch Johannes Lohmeyer, Vorsitzender des Tourismusverbandes, die Chefs von Schloss Eckberg und Swissôtel sowie viele weitere Hoteliers hatten die Abgabe mehrfach als geschäftsschädigend kritisiert.

Mangelnde Distanz?

Wenn Gäste wegbleiben, habe auch Pegida eine Mitschuld, sagt Rolf-Dieter Sauer. Er habe schon Absagen aus Angst vor der islamfeindlichen Bewegung hinnehmen müssen. Klar distanzieren will er sich allerdings nicht von Pegida, sondern weicht im Gespräch eher aus. „Ich bin ambivalent bei diesem Thema, man kann die nicht alle über einen Kamm scheren.“ Vieles werde „von den Medien zu sehr hochgespielt“. Genau wegen jener fehlenden Distanz ist Sauer nicht unumstritten. Nach seiner Wahl kamen erneut Gerüchte auf, er würde sein Hotel auch an rechte Gruppen vermieten. Die SZ hat mit fünf Gastronomen gesprochen; allen sind die Gerüchte bekannt, aber keiner will sich öffentlich mit Namen dazu äußern.

Der Ingenieur für Getränketechnik scheint kein Mann zu sein, der sich durch so etwas aus der Bahn werfen lässt. Seit 40 Jahren ist er selbstständig, ein Arbeitstier, wie er sagt. „Nach vier Tagen Urlaub am Stück werde ich nervös und bekomme Sehnsucht nach dem Büro“, erzählt er. Seiner Frau musste er versprechen, öfter mit ihr in die Ferien zu fahren. Geklappt hat das bisher nicht. Von sieben Uhr bis 21 Uhr ist er täglich im Hotel und gibt Anweisungen. Klare Zielvorgaben müssten sein. Ein resoluter Chef ist er, das merkt man sofort. „Kaffee? Den brauche ich nicht zum Wachbleiben, ich trinke nur Pfefferminztee.“ Wer seinen Job liebe, müsse sich nicht aufputschen. Die Rente scheint noch in weiter Ferne zu sein, seine vier Kinder haben sich gegen das Hotelbusiness entschieden.

Generell plagen den Hotelier Nachwuchssorgen. Damit ist er nicht allein. Viele andere Hotels berichten von immer weniger Bewerbern und offenen Stellen. „Viele junge Leute haben keine Lust mehr auf Arbeiten am Wochenende und am Abend, wenn andere freihaben“, so der 65-Jährige. Für ihn sei die Gastronomie nach wie vor der tollste Beruf. Freinehmen könne man ja auch unter der Woche mal, um vom Wilden Mann ins Stadtzentrum zu fahren.