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Die Hitzeschlacht der Monarchs

Der Meister führt die Dresdner Footballer vor. Zudem verletzt sich ein Spieler schwer, ein Leistungsträger muss an den Tropf.

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© Christian Juppe

Von Alexander Hiller

Satz mit X: Das ging ja fix. Schnell und vor allem hart landeten die American Footballer der Dresden Monarchs am Sonnabend auf dem Boden der Tatsachen. Die Sachsen wurden am Sonnabend im heimischen Heinz-Steyer-Stadion bei gnadenloser Hitze ebenso gnadenlos sportlich vorgeführt wie schon lange nicht mehr. Der deutsche Meister, die New Yorker Lions aus Braunschweig, triumphierten am Ende mit 47:17 (28:17) in Dresden. In dieser Deutlichkeit haben die Monarchs seit drei Jahren nicht mehr verloren.

Und das ausgerechnet in einer Phase, in der sich die Schützlinge von Trainer John Leijten fast auf Augenhöhe mit deutschen Übermannschaft der letzten zwei Jahre wähnten. Dazu trug freilich auch bei, dass die Sachsen vor vier Wochen überraschend das Hinspiel in Braunschweig mit 27:26 für sich entscheiden konnten. Die sportliche Rache des neunfachen deutschen Titelträgers fiel vor 2 480 Besuchern extrem bitter aus. „Das war eine Demontage, ein Schuss vor den Bug“, sagte Assistenz-Trainer Thomas Stantke. „Eine unterdurchschnittliche Leistung von uns, auf allen Positionen war Braunschweig die bessere Mannschaft“, kommentierte der 40-Jährige.

Als nicht wegzudiskutierender Nachteil erwies sich im Nachhinein die lange Spielpause der Dresden Monarchs. Nach ihrem Sensations-Coup in Braunschweig musste der deutsche Vizemeister von 2013 vier Wochen lang tatenlos zusehen, wie sich die Bundesliga-Tabelle weiterentwickelte. Diese ungewöhnliche lange Pause ist dem knapp vor dem Bundesligastart erfolgten Rückzug der Cologne Crocodiles geschuldet, die aus finanziellen Erwägungen heraus ihre Männermannschaft aus dem Spielbetrieb der German Football League abmeldeten. In jene vier nun spielfreien Wochen wären die beiden Duelle der Monarchs gegen Köln gefallen. „Wir haben uns diese Spielpause auch etwas schöngeredet, im Nachhinein war sie genau das Gegenteil“, betonte Thomas Stantke. „Diesen Spielmodus kannst du im Training zwar simulieren, aber in keinem Fall ersetzen“.

Das spiegelte sich am Sonnabend auch auf dem Rasen im Steyer-Stadion wider. Die Gastgeber wirkten nicht spritzig genug, zu wenig aufeinander abgestimmt, um den sportlich stärksten Rivalen hierzulande zu gefährden. „Wir sind im gesamten Spiel nur hinterhergelaufen, ermöglichten mit eigenen Fehlern den Gästen auch noch leichte Punkte, wir fanden nie eine Antwort. Die zweite Halbzeit war für alle enttäuschend“, sagte Stantke. Es spricht keiner aus dem Trainerstab so aus, aber im zweiten Durchgang wirkten die Monarchs so, als hätten sie den Kampf um den dritten Saisonsieg bereits aufgegeben. Der überragende Braunschweiger Quarterback Casey Therriault durfte schalten und walten, wie er wollte. „Der ist ein Ausnahmespieler, der selbst aus zerstörten Spielzügen noch etwas macht. Das ist in gewisser Weise auch frustrierend“, sagte Stantke.

Zwei Situationen versinnbildlichten am Sonnabend die Verfassung der Hausherren. Bereits in der 16. Minute verletzte sich Linebaker Martin Schmidt schwer am linken Knöchel. Er wurde mit Verdacht auf Knöchelbruch ins Krankenhaus eingeliefert, die Partie war minutenlang unterbrochen. In der Halbzeit erlitt Trevar Deed einen Kreislaufzusammenbruch. Der zum Abwehrspieler umfunktionierte überragende Runningback der letzten zwei Jahre musste noch am Spielfeldrand und auch später in der Kabine mit Infusionen wieder aufgepäppelt werden. „Wir müssen die Niederlage in den kommenden Tagen aufarbeiten und die richtigen Schlüsse ziehen“, sagte Stantke vor den wegweisenden Partien in Kiel (3./13. Juni) und daheim gegen Hamburg (2./20. Juni). „Da ist auch jeder Spieler gefragt, was er besser machen kann“.