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Die Bus-Durchfahrt kostet zusätzlich

An Großenhains Tunnel Auenstraße muss eine Schleppkurve gebaut werden, der Nachtrag geht in die Stadtgeschichte ein.

© Kristin Richter

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Baupfusch, Katastrophe“ – auch im Großenhainer Stadtrat wurde jüngst das Problem Tunnel Auenstraße noch einmal heftig diskutiert. Die Unterführung am Stadtpark unter der neuen Eisenbahnstrecke Dresden-Berlin sollte längst unter anderem für den Stadtbus wieder freigegeben sein. Stattdessen ist der Bereich derzeit wieder voll gesperrt, weder Fußgänger noch Radfahrer kommen hindurch (SZ berichtete mehrfach). Die Firma Bickhardt Bau aus Thüringen wollte in Großenhain bereits fertig sein – jetzt werden hier erneut Leitungen verlegt und die Tunnelzufahrt verbreitert.

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Allerhand Euro wird die neue Bus-Schleppkurve voraussichtlich kosten. Die Baufirma realisiert sie nun im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Streckenbau nach dem Beschluss einer Vorzugsvariante durch die Stadträte (Technischer Ausschuss). Eine Straßenentwässerung muss verlegt werden, dafür braucht es Gräben und die Fahrbahn muss erweitert werden. Rund zehn Meter neue Verkehrsfläche müssen her. Dafür weicht auch etwas Grün aus dem Stadtpark. Derzeit bringt die Baufirma nach dem Ausschachten eine Schotterschicht ein. Bis Ende Juli müssen sich die Großenhainer sicher noch gedulden.

Vom Garten Richter, der für die neue Schleppkurve geschleift wurde, sieht man so gut wie nichts mehr. Die Bahn hat den Garten gekauft und wird die Eigentümer entschädigen. Doch derzeit sind es vor allem Passanten, die den Bauleuten zu schaffen machen. Eigentlich ist die Baustelle voll gesperrt. Doch eine Kindergruppe wollte jetzt unbedingt in den Stadtpark durchgelassen werden. „Das kann nur eine Ausnahme sein, denn die Sicherheit kann nicht gewährleistet werden“, sagen die Bauleute.

Problem klammheimlich benannt

In der Stadtverwaltung hofft man auf ein rasches Ende der unliebsamen Baumaßnahme, die sicher unrühmlich in die Stadtgeschichte eingehen wird. „Wir haben nicht viele Möglichkeiten, Druck auszuüben“, sagt Stadtsprecherin Diana Schulze. Öffentlich geworden war das ganze Dilemma eigentlich durch die Beschwerde des älteren Großenhainers Werner Balke. Der wollte durchsetzen, dass der Stadtbus während der Winterpause durch den Tunnel fährt – über eine provisorische Deckschicht. Doch da machte die Stadt nicht mit. „Eine Freigabe kann nicht erteilt werden, solange es keine eindeutige Straßenführung und Regelung (zum Beispiel Ampelbetrieb für Begegnungsverkehr und Poller sowie Asphaltdecke) an der Auenstraße gibt und noch Baustellenbetrieb mit entsprechenden Fahrzeugen möglich ist“, so die Stadt damals. Dann war Anfang April das eigentliche Problem klammheimlich bekannt gemacht worden.

Ob die nachfolgenden erheblichen Umplanungen, Abstimmungen und natürlich auch Kosten ein Nachspiel haben, konnte das Eisenbahnbundesamt als Aufsichtsbehörde der SZ gestern auf Nachfrage noch nicht beantworten. Aber man kümmert sich um den Fall Großenhain. Die in Dresden ansässige Leitung Großprojekte der Deutsche Bahn Netz AG wollte sich gegenüber der SZ nicht mehr äußern.

Für Anlieger frei

Geräuschloser geht es dagegen am benachbarten Bahntunnel Parkstraße zu. Auch der ist noch von einer Sperrung betroffen. Allerdings wird da nicht mehr bzw. noch nicht wieder gearbeitet. Ein Schild „Für Anlieger frei“ ist breit interpretierbar. Denn die offizielle Hilfszufahrt über die Bäckerwiesen zum Fußballstadion und zu den Kleingärten wurde zurückgebaut, jetzt stehen dort wieder Poller. „Gäste der Jahnkampfbahn müssen eigentlich vorm Tunnel parken“, rät Andreas Vogel vom Großenhainer Fußballverein. Auch diese Unterführung muss eine neue Straßendecke erhalten. Wie in der Auenstraße wurde auch dieser Tunnel gegenüber früher etwas versetzt und vergrößert. Ob die künftigen Verkehrsnutzer damit klarkommen, wird sich herausstellen.