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Die drei wirtschaftlichen Risiken für den Kurort Rathen

Die Gemeinde beauftragt eine Risikoanalyse für die kommunale Kurgesellschaft. Dabei geht es um Fachkräfte und Hacker-Angriffe.

© Daniel Schäfer

Von Gunnar Klehm

Kurort Rathen. Die wirtschaftliche Lage der Kurortentwicklungsgesellschaft (KEG) ist gut. Das sagte Geschäftsführer Thomas Richter im Gemeinderat. Gleichzeitig ist Richter ehrenamtlicher, parteiloser Bürgermeister der kleinsten Gemeinde Sachsens, von Kurort Rathen. Für die gut 300 Einwohner zählende Gemeinde ist die KEG der Garant für die Eigenständigkeit. Auf deren wirtschaftlichen Ertrag ist der Kurort angewiesen.

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Kümmert sich doch die KEG um den Tourismus. Und im ersten Quartal von 2018 waren die Übernachtungszahlen so gut wie nie. Auch im April und erst recht im Mai lief es sehr gut weiter.

Doch was passiert, wenn es ungeplante Störungen gibt? Dazu hat der Gemeinderat nun beschlossen, eine Risikoanalyse in Auftrag zu geben. Dabei ist jetzt schon klar, dass drei Risikofaktoren besonders in den Blick genommen werden.

Hochwasser bedroht Einnahmequelle
Für die Erkenntnis, dass ein Hochwasser gefährlich für einen an der Elbe liegenden Ort ist, braucht die Gemeinde keinen Experten. Ab welchem Pegelstand jedoch welche wirtschaftlichen Risiken genau drohen, das ist schon ein komplexeres Thema. Zumal zwei Einrichtungen an der Elbe für den Kurort die finanziell lukrativsten sind. Die Gierseilfähre bringt der KEG im Jahr einen Gewinn in sechsstelliger Höhe ein, der Parkplatz über 30 000 Euro. Kompensationsmaßnahmen gibt es dazu nicht. Ausfälle sind nur mit Rücklagen auszugleichen.

Auswirkungen bei Technik-Ausfall
Eine hochwertige Internetpräsenz ist im Tourismus ein Erfolgsfaktor. Doch was passiert, wenn in Rathen die IT-Technik komplett ausfällt? Auch wenn gelästert wird: „Schlechte Internetverbindung, aber Angst vor Hackerangriffen“, ist das Thema auch für Rathen ein ernstzunehmendes. Zum einen ist die Gemeinde sehr wohl ans Internet angeschlossen, auch wenn es noch etwas dauert, bis die schnelle Verbindung steht. Für die Infrastruktur hätte das außerdem zahlreiche Auswirkungen, weil nicht nur das Buchungsportal oder die Parkautomaten ausfallen würden. Auch die Stromversorgung oder die Bahnschranken funktionieren nicht ohne PC-Steuerung.

Ohne Fachkräfte kein Service
Aktuell entwickelt sich ein weiteres Risikopotenzial: der Mangel an Fachkräften. Die Tourismusbranche ist besonders personalintensiv und für die Gemeinde die einzige Wirtschaftsbranche von entscheidender Größe. Was passiert jedoch, wenn nicht mehr genügend Fachkräfte für den vom Gast gewünschten Service zur Verfügung stehen? Ist das ein rein privatwirtschaftliches Risiko oder auch eines für die kommunale Kurgesellschaft und die Gemeinde selbst? Mit der Risikoanalyse beauftragt werden soll die Firma, die schon 2015 für die KEG eine solche erstellt hat. „Diese Analyse wollen wir fortschreiben“, sagt Bürgermeister Richter. Damals ging es hauptsächlich ums Hochwasser. Die Gemeinde hat daraufhin eine sonstige Rücklage beschlossen. Auf den bekannten Grundlagen sollen nun auch die IT-Sicherheit und ein möglicher Fachkräftemangel intensiver bewertet werden. Lösungsvorschläge muss die Gemeinde aber selbst entwickeln. Interessant dürften die Ergebnisse auch für andere Orte sein, die vom Tourismus leben.