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Die Ehrenrunde des Dauerbrenners

Radprofi Jens Voigt startet in seiner letzten Saison noch einmal bei der Bayern-Rundfahrt und seinen Abschied auf Raten.

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© dpa

Von Manuel Schwarz

Er heule bestimmt nicht rum, sagte Jens Voigt. Für Sentimentalitäten ist er einfach zu routiniert. Dabei hat es schon etwas Endgültiges, was der 42-Jährige heute in Angriff nimmt: In seiner letzten Saison als Radprofi steht er noch einmal bei der Bayern-Rundfahrt am Start, die er bisher dreimal gewann. Dieses Mal sind seine Chancen auf den Erfolg klein. Dennoch ist der Berliner das Gesicht des Rennens. Es dürfte seine letzte Tour in Deutschland sein.

Die Tour de France schafft er bei seiner Abschiedsrunde eher nicht mehr, kündigte Voigt an, aber wer weiß das schon so genau bei dem gebürtigen Mecklenburger, den längst jeder Radfan weltweit kennt. „Fahren Sie noch?“, habe ihn jemand an einem Flughafen in den USA gefragt, sagte der sechsfache Familienvater bei der Auftaktpressekonferenz zur 35. Auflage.

Nach dem 18. Jahr als Profi soll Schluss sein. Die Entscheidung steht fest. „Körper und Geist“ hätten dann doch auch mal genug, sagte der Etappensieger bei Frankreich-Rundfahrt und Giro d’Italia, Träger des Gelben Trikots auf der großen Schleife und zweifache Gewinner der Deutschland-Tour. Seine selbstquälende Aufforderung an die eigenen Beine ist Kult. Fans ließen sich den Spruch sogar tätowieren. Mit 42 Jahren sind die Beine aber doch nicht mehr zu überhören: „Ich freue mich, ein Ende des Leidens zu sehen.“

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Bis zur Rad-Rente ist es noch ein wenig hin. In dieser Woche liegt sein Fokus auf den 787 Kilometern durch Bayern, aufgeteilt auf fünf Etappen von Niederbayern in die Chiemgauer Alpen, vorbei an München und Augsburg bis nach Nürnberg. „Die Rundfahrt ist gut ausbalanciert.“ Anders als in den vergangenen Jahren nahmen die Organisatoren eine schwierige Bergankunft mit ins Programm. Auf der 2. Etappe am morgigen Feiertag muss am Ende die Winklmoosalm erklommen werden, ein vier Kilometer langer Abschnitt mit einer Steigung von bis zu 19 Prozent.

Voigt, der mit Fabian Cancellara in einer Mannschaft fährt, wurde auch nach seinen Siegchancen gefragt. Der Altmeister studierte kurz einen Zettel mit den vorläufigen Aufgeboten und sagte: „Leider bin ich keine 35 Jahre mehr. Sonst würde ich sagen: Ich sehe nur mich und alle anderen als Opfer.“ Für einen lockeren Spruch ist er immer noch zu haben. Jetzt will Voigt zeigen, dass er auch auf seiner Ehrenrunde noch für Schrecken bei den Gegnern sorgen kann. Tränen vergießt Voigt eh keine. (dpa)