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Die ersten Hengste dürfen wieder raus

Die letzten Befunde stehen zwar noch aus, doch die Infektion im Landgestüt, die zur Absage der dritten Hengstparade geführt hatte, scheint überwunden.

© Norbert Millauer

Von Sven Görner

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Moritzburg. Der kurzfristige Ausfall der letzten Hengstparade dieses Jahres hatte vor gut sechs Wochen für Aufregung unter Pferdefreunden, -haltern und -züchtern gesorgt. War doch zunächst nicht klar, woran die Landbeschäler erkrankt waren. Am Mittwoch nach der abgesagten Veranstaltung brachten die Laborergebnisse dann Gewissheit und damit auch Entwarnung.

Bei den Krankheitserregern handelte es sich um eine Form von Streptococcus equi, die zwar ansteckend, aber nicht lebensbedrohlich ist. Die unter dem Namen Druse bekannte Pferdeerkrankung ist weltweit verbreitet und taucht auch in Deutschland unter anderem im Zuchtgebiet Sachsen-Thüringen immer wieder auf. Häufige Symptome bei erkrankten Pferden sind Husten, Nasenausfluss und Schwellung der Lymphknoten. Allerdings handelte es sich bei der im Moritzburger Pferdebestand aufgetretenen Erkrankung um eine atypische, leichte Verlaufsform ohne gravierende Symptome.

Als Reaktion auf den Ausbruch der Krankheit wurden alle Anlagen des Landgestüts – sowohl der historische Teil an der Schlossallee als auch der neue am Paradeplatz – für den Besucherverkehr geschlossen. Zudem blieben die Hengste in ihren jeweiligen Bereichen. Durch das schnelle Handeln und die Absage der letzten Parade konnte schließlich auch ein Übergreifen der Infektion auf die Pferde des Hauptgestüts Graditz verhindert werden, die traditionell an den Moritzburger Paraden teilnehmen.

Seit ein paar Tagen kehren die Hengste des Gestüts nun langsam ins Ortsbild zurück. „Akute Erkrankungen gibt es keine mehr und die Befunde der genommenen Speichel- und Blutproben sind inzwischen negativ“, sagt Kati Schöpke, die Leiterin der Sächsischen Gestütsverwaltung. „Wir warten jetzt auf die Ergebnisse der letzten beiden noch fehlenden Ställe.“

Genutzt werden können damit jetzt auch die kürzlich fertiggestellten Paddocks in den beiden Gestütskomplexen. Sie ermöglichen allen Landbeschälern, Schul- und Ausbildungspferden zusätzliche freie Bewegung an frischer Luft. „Die ersten Pferde genießen ihren neuen Freiraum bereits in vollen Zügen, der das tägliche Training unter dem Reiter beziehungsweise vor dem Wagen ergänzt“, so Kati Schöpke.

Für die temperamentvollen Hengste ist das allerdings auch eine neue Situation, an die sie sich erst einmal gewöhnen müssen. „Wir schauen, wie sie mit dieser Nähe zurechtkommen.“ Damit sie weder den benachbarten vermeintlichen Konkurrenten noch sich selbst verletzen, sollen bei Bedarf Wallache aus dem Ausbildungsbereich in die Paddocks zwischen zwei Hengsten gestellt werden.

Wie die Moritzburger Hengste infiziert wurden, lasse sich nicht mehr nachvollziehen, so die Gestütschefin. „Dafür herrscht einfach zu viel Verkehr auf dem Gelände.“ Hinzu käme, dass die Krankheit, anders als zu DDR-Zeiten, nicht mehr meldepflichtig sei. „Als Konsequenz werden wir jetzt sowohl unser Gesundheitsmanagement als auch das Öffentlichkeitskonzept überarbeiten.“

Zwar bleiben die Anlagen aktuell weiter für Besucher geschlossen, das soll aber kein Dauerzustand bleiben. Denn eigentlich will sich das Landgestüt weiter für Interessierte öffnen.

In dieser Woche fanden übrigens auch wieder die ersten Gruppenführungen statt. Ein weiteres Stück Normalität.