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Die Ersten warten auf ihre Bestattung

Am Freitag wurden Neugierige durch den Wald geführt. Für die ersten Beisetzungen gibt es eine Warteliste.

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© Norbert Millauer

Von Peggy Zill

Coswig. Rita Schmidt ist mit Schwester und Schwager gekommen. Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Führung sind sie im Friedewald angekommen. Sie sind gern die Ersten. Als sie vom Bestattungswald gelesen hat, habe sie sofort eine Mail geschrieben und sich angemeldet, erzählt Rita Schmidt. „Ich suche eine Begräbnisstätte für mich, weil ich keine Verwandten hier habe“, sagt die Freibergerin, die bald nach Coswig zieht. Hier wohnt zwar ihre Schwester, aber die will sie mit der Grabpflege nicht belasten. Der Sohn lebt in Bayern. „Wenn man eine Grabpflege in Auftrag gibt, muss sich auch jemand um die Finanzierung kümmern. So kann ich alles selbst im Voraus zahlen“, sagt die 64-Jährige. Zudem sei sie sehr naturverbunden. Die letzte Ruhe im Wald sei die Alternative zur Seebestattung, über die sie auch schon nachgedacht hat.

Nach und nach trudeln die nächsten Neugierigen am Kreyernweg ein. Holzschilder weisen Besuchern den Weg durch den Bestattungswald. Bänke aus Sandstein und Holz stehen am Wegesrand. Der Andachtsplatz war vor Kurzem noch ein leerer Fleck auf einer kleinen Anhöhe. In den vergangenen Wochen wurde der Waldboden befestigt. Drei Reihen Bänke stehen im Halbkreis. Davor ein Sandsteinblock, das Rednerpult. Im Hintergrund eine große Skulptur, auch aus Sandstein. Entstanden beim Kunstsymposium in Moritzburg. Eine Bedeutung hat sie nicht. „Sie ist abstrakt. Wir wollten sie keiner Religion zuordnen“, erklärt der Waldbesitzer Daniel von Sachsen. Er ist froh, dass alles pünktlich fertig geworden ist. Zumindest fast. Auf der Wiese am Kreyernweg steht noch ein Dixie, das durch feste Toiletten ersetzt werden soll. Außerdem fehlt noch der Parkplatz. Auch die Ronden, die die Bäume markieren, wurden bisher nicht geliefert.

Die Teilnehmer der ersten Führung stört das wenig. Schließlich bekommen sie nicht nur einen Spaziergang durch den Wald geboten. Für ein besonderes Flair sorgen die Jagdhornbläser. Und Daniel von Sachsen hat auch eine Kutsche bestellt. Dieser Shuttleservice kann in Zukunft für die Beisetzungen bestellt werden. Denn Autos sind im Wald verboten. Wer also nicht so gut zu Fuß ist, kann sich mit der Kutsche zum Andachtsplatz fahren lassen oder ein kleines Golfauto mieten. Wer will, dem organisiert Daniel von Sachsen auch einen Trauerredner. „Bisher haben viele gefragt, ob ich das übernehme“, so von Sachsen. Das macht er allerdings nicht. „Ich bin kein Trauerredner.“ Er werde die Beisetzungen nur begleiten und auch koordinieren.

20 Bäume reserviert

Die ersten Familien warten schon, dass der Bestattungswald eröffnet wird. Fünf Männer und Frauen, die im Friedewald ihre letzte Ruhe finden wollen, sind bereits verstorben. Ursprünglich war für heute, am Tag des Friedhofs, eine Eröffnungsfeier geplant. Aufgrund der Bauarbeiten am Kreyernweg verschiebt von Sachsen die aufs Frühjahr. Die ersten Urnen können in der kommenden Woche unter den Baumwurzeln vergraben werden. Neben denen, die auf der Warteliste stehen, haben weitere 20 sich bereits einen Baum ausgesucht. „In Akutfällen haben wir schon Reservierungen angenommen“, so von Sachsen. Darunter sind Leute, die zum Beispiel schon sehr alt sind oder kurz vor einer Operation standen.

Nach dem gestrigen Freitag wird Daniel von Sachsen in den nächsten Wochen Hunderte weitere durch seinen Wald führen. Ursprünglich sollte es nur drei Führungen pro Monat geben. Doch wegen der großen Nachfrage stehen nun 25 Termine online. Bis Anfang November sind fast alle ausgebucht. Teilweise wird Daniel von Sachsen vier Gruppen pro Tag durch den Wald führen. „Mehr schaffen wir nicht“, sagt er.

Die Urnen werden mindestens in 60 Zentimeter Tiefe um den Baum herum beigesetzt. Wenn gewünscht, kommt an den Baum eine Tafel mit Name und Lebensdaten. Grabpflege ist nicht nötig und auch nicht gestattet. Die übernimmt der Wald. Welcher Religion die Verstorbenen angehören, spielt keine Rolle. Zwischen 450 und 8 800 Euro kostet ein Urnenplatz. Das hängt vom Baum und der Zahl der Urnenplätze um ihn herum ab. Zwei bis zwölf Urnenplätze unter Eichen und Buchen sind möglich. „Lage, Größe und der Erreichbarkeit des Baums fließen auch in die Berechnung mit ein“, erklärt von Sachsen. Zwischen 20 und 99 Jahre beträgt die Ruhezeit der Gräber.