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Die ewige Pechstein

46 Jahre alt, 27. Weltcup-Winter: Die Berlinerin setzt ihre Karriere fort und gilt immer noch als die große Favoritin, zumindest bei deutschen Meisterschaften.

© dpa

Von Frank Thomas

Nach der Nullnummer bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang ist im deutschen Eisschnelllaufen nichts mehr so, wie es früher war. Nur eine ist weiter da, immer noch: Claudia Pechstein. Es wird die 27. Saison in ihrer langen Karriere und eine schwere. In der Vorbereitung musste sie einige Klippen umschiffen. „Die Vorbereitung auf die neue Saison war die schwierigste meiner Karriere. In der DESG sind nach meinem Empfinden sämtliche Strukturen weggebrochen“, betonte die 46-jährige Berlinerin vor der deutschen Meisterschaft, die am Freitag im bayerischen Inzell beginnt.

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Mit großer Moral zum Auswärtssieg 

Die Dresdner Eislöwen haben das DEL2-Punktspiel bei den Ravensburg Towerstars mit 5:4 (0:4; 4:0; 1:0) gewonnen.

„Ich musste den Sommer über improvisieren. Ohne verlässliche, professionelle Bedingungen war es unmöglich, eine Mannschaft zu installieren“, erklärte sie. „Wenn du nicht mal weißt, wann du wo trainieren kannst, wer mit dabei sein darf und wo du welche Leistungen nutzen kannst, dann wird es extrem schwierig, sich ein Trainingsumfeld zu schaffen“, meinte Pechstein, die mit fünf Olympiasiegen erfolgreichste Winterolympionikin Deutschlands.

Nach der zweiten Nullnummer bei Olympischen Winterspielen verabschiedeten Sportdirektor Robert Bartko und Cheftrainer Jan van Veen sich im März vom Verband. Ihre Ämter blieben unbesetzt. „Ich kann nichts zum Verband sagen, denn es gibt über diesen Verband nichts mehr zu sagen“, sagte Pechstein. Eine Ausschreibung für den Sportdirektor erfolgte zwar, doch da sie bloß bis zum Jahresende befristet war, wurde trotz einiger Bewerber noch kein Bartko-Nachfolger gefunden.

Derzeit ist ungewiss, welche Mittel der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft ab Januar 2019 zur Verfügung stehen. Die ehrenamtlich amtierende Präsidentin Stefanie Teeuwen äußert sich nicht öffentlich. Der Vertrag des Presse-Verantwortlichen lief Ende Juni aus. Das traditionelle Medienseminar wurde abgesagt. Keiner will sich derzeit über die Misere im einst über Jahrzehnte so erfolgreichen Verband äußern.

Die Athleten haben sich mithilfe ihrer Heimtrainer auf den Winter vorbereitet und stellen sich jetzt in Inzell dem ersten Leistungstest. „Ich habe für die DM auf fünf Distanzen gemeldet, 1 000, 1 500, 3 000, 5 000 Meter und Massenstart, entscheide aber kurzfristig, welche Strecken ich laufe. Das hängt von meinem Gesundheitszustand ab“, sagte Pechstein, die seit zwei Wochen eine Rückenblessur beklagt. „Ich habe mich in München einer Spezialbehandlung unterzogen und hoffe, dass ich am Wochenende schmerzfrei laufen kann“, berichtete sie.

Pechstein, die 2017 mit vier Erfolgen und dadurch summa summarum 34 Goldmedaillen zu Gunda Niemann-Stirnemann aufschloss, will nun alleinige Rekordhalterin werden. „Es bleibt mein Anspruch, trotz meines hohen Alters und der großen Probleme weiterhin die erfolgreichste deutsche Eisschnellläuferin zu sein und dafür zu sorgen, dass die Namen der deutschen Frauen auf meinen Strecken nicht aus den Top Ten der internationalen Ergebnislisten verschwinden“, sagte Pechstein zu ihrem Saisonziel. Konkurrenz könnte ihr eventuell von der Berlinerin Bente Pflug – ehemals Kraus – drohen, die nach verletzungsbedingter Pause im Olympia-Jahr wieder angreift. Jetzt muss sich zeigen, ob der Nachwuchs endlich einen kleinen Schritt nach vorn rücken kann. (dpa)