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Die ewige Rumpelpiste

Für die Poisenwaldstraße in Obernaundorf gibt es bestenfalls eine „Fünf“. Geld für eine Sanierung ist trotzdem keines da.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Annett Heyse

Rabenau. Wenn es eine Hitparade für die schlechtesten Straßen im Landkreis gäbe, würde sie es mühelos unter die ersten zehn schaffen: die Poisenwaldstraße in Obernaundorf. Schlaglöcher, Dellen, Flicken, die Ränder ausgebrochen, Fußwege so gut wie nicht vorhanden und die Fahrbahn oft so schmal, dass schon zwei Pkws Mühe haben, aneinander vorbei zu kommen. Die Ortsdurchfahrt ist seit Jahren ein Albtraum für Anwohner, Busfahrer, Pendler und Passanten. An ihrem unteren Ende kurz vor dem Ortseingang Freital im Veilchental ist die Piste noch nicht einmal asphaltiert. Dort liegt Kopfsteinpflaster.

Seit Jahren beschweren sich Anwohner im Ortschaftsrat und die Ortschaftsräte wiederum beim Bürgermeister. Thomas Paul (CDU) kann die Klagen mehr als verstehen. „Sowohl der Straßenzustand als auch die Verkehrsbelastung machen eine Sanierung dringend erforderlich.“ Doch Rabenaus Stadtchef kann wenig machen. „Das Thema Sanierung beschäftigt uns schon lange, aber die Straße gehört dem Landkreis.“

Im Landratsamt weiß man um die Probleme. Bereits 2011 ließ das zuständige Straßenbauamt die Poisenwaldstraße unter die Lupe nehmen. Das Ergebnis dürfte die wenigsten überraschen. Auf einer Schulnotenskala liegt die Straße zwischen fünf und sechs. „Das bedeutet, es ist ein kritischer Gesamtzustand erreicht“, sagt Martina Fehrmann, Leiterin des Straßenbauamtes im Landkreis. Das war vor fünf Jahren wohlgemerkt.

Doch so kaputt die Straße in Obernaundorf auch ist – es gibt dringendere, vor allem aber wichtigere Fälle im Landkreis. Denn die Straße hat im Vergleich zu manch anderer Fahrbahn keine große wirtschaftliche Bedeutung, beispielsweise als Zubringer in ein Gewerbegebiet. So wurde 2014/15 die Straße ins Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe in Wilsdruff grundhaft ausgebaut, dieses Jahr steht der Neubau der maroden Müglitzbrücke in Dohna auf dem Plan. Zudem konzentriert sich der Landkreis auch immer noch auf die Beseitigung von Hochwasserschäden aus dem Jahr 2013. Für kleinere Nebenstraßen bleiben da wenig planerische und finanzielle Kapazitäten übrig.

Schlechter Zustand schon 2011

So war das Hauptaugenmerk auf Rabenauer Flur lange auf eine andere Kreisstraße gerichtet, die K9070, die von Rabenau nach Obernaundorf führt. Im letzten Drittel der Verbindung, wo die Straße bergab verläuft und auf die Poisenwaldstraße/Veilchental mündet, war Anfang ein Hang 2009 ins Rutschen gekommen. Daraufhin wurde die Straße halbseitig gesperrt, der Hang gesichert und die Fahrbahn abschnittsweise saniert. Die Bauarbeiten zogen sich über die Jahre verteilt bis Ende 2015 hin. Die Kosten beliefen sich am Ende auf mehr als 655 000 Euro.

Sind damit die Finanzmittel für Obernaundorf ausgeschöpft? Der Bürgermeister will es nicht hoffen. „Es war immer mein Ziel, die Planungen für die Poisenwaldstraße anzuschieben, sobald die Hangsicherung fertiggestellt ist“, sagt er. Doch das kann dauern. Weder für die Planung noch für den Bau ist bisher Geld eingeplant. Frühestens in zwei Jahren, heißt es aus dem Landratsamt, könne man damit rechnen. Fehrmann: „In der mittelfristigen Finanzplanung des Landkreises sind Mittel für Vorbereitungsarbeiten wie Planung, Baugrunduntersuchungen und Vermessung ab 2018 vorgemerkt.“

Und selbst die Planungen dürften umfangreich und damit langwierig werden, denn saniert werden muss so ziemlich alles. Notwendig ist ein grundhafter Ausbau mit Entwässerung auf den zwei Kilometern Gesamtlänge zwischen der Freitaler Stadtgrenze und dem oberen Ortsausgang am Poisenwald. Auch muss die Straße breiter werden, mindestens sechs Meter. Das ermögliche, dass kleinere Fahrzeuge wie Pkws auch an Bussen ungehindert vorbeikämen. Seitens der Stadt Rabenau sollen bei einem grundhaften Ausbau ein Gehweg, die Straßenbeleuchtung und die gesamte Entwässerung erneuert beziehungsweise überhaupt erst einmal angelegt werden. Mindestens 1,5 Millionen Euro Bau- und Planungskosten dürften zusammenkommen, schätzen Experten.

Dabei hat die Stadt Rabenau sogar schon etwas vorgearbeitet. Speziell die Entwässerung betreffend habe es Berechnungen gegeben, berichtet der Bürgermeister. „Eine erforderliche Flächenbewertung und Betrachtung der möglichen Regenmengen wurde durch die Stadt bereits aufgestellt, sodass die erforderliche Entwässerung der Grundstücke und Straßenfläche besser geplant werden kann“, sagt Paul.