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Die Farben frischer Luft

Oberlausitzer Künstler zeigen eine neue Ausstellung in der Görlitzer Annenkapelle. Alle Werke sind unter freiem Himmel entstanden.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ines Eifler

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Die Häuser von Liberec, die Gabriele Beinlich gemalt hat, leuchten gelb, orange und rot im Licht der Abendsonne. Die alten Platanen von Horst Jurtz in einem Park derselben Stadt sind klar umrissen, blätterlos, und genau wie die stille Wiese auf der benachbarten Radierung wirken sie fast mystisch im nächtlichen Schein. Andere Werke, etwa von Walter Piroch oder Klaus Herzog, lassen die widersprüchliche Atmosphäre der größten nordböhmischen Stadt nachempfinden, in der die Gebäude noch vom einstigen herrschaftlichen Flair künden. Während der Dunst von Verkehr, Industrie und grellbunten Lichtern das tschechische Heute ausmachen. Und manche Bilder sind so abstrakt wie Margot Schönherrs Relief aus Sand und roten, braunen, goldenen Tönen, zu dem sie sich im Liberecer Villenviertel inspirieren ließ.

Horst Jurtz‘ „Baumgruppe im Park von Liberec“, Ätzradierung von 2013. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Alle Werke, die der Oberlausitzer Kunstverein seit zehn Tagen in der Annenkapelle zeigt, sind in den vergangenen Jahren bei den dreitägigen Pleinairs entstanden, die der Verein seit der Wende immer zu Himmelfahrt für seine Mitglieder organisiert. Und den meisten Werken sieht man an, dass sie an der frischen Luft, in der Natur, in Städten entstanden sind oder zumindest von Szenen im Freien inspiriert wurden. Voriges Jahr waren die 20 bis 30 Maler, Zeichner und Grafiker in Liberec und haben sich auf ganz unterschiedliche Weise von der Stadt beeindrucken lassen.

Gabriele Beinlich erinnert sich, bevor sie ihr Bild „Stadtgeschichte“ malte, sei sie einmal nachts mit dem Auto allein durch Liberec gefahren. „Es war so schönes Wetter und so viel Verkehr und die Stadt so fremd.“ Und die Stimmung, die sie in diesen Momenten empfand, habe sie später gemalt. So ist das Bild einer lebendigen, lauten und dennoch fast antike Größe ausstrahlenden Stadt entstanden.

Frühere Pleinairs haben mitunter ganz andere Assoziationen ausgelöst. Einmal zog sich die Gruppe in eine abgelegene Baude im Riesengebirge zurück, wo eher Bilder von Naturszenen entstanden, wilde Gebirgsbäche und lichtdurchflutete Blätterkronen. In einem Jahr waren die Künstler in Bautzen, von hier sind in der Annenkapelle eher realistische, nur durch den Pinselstrich des Aquarells weichgezeichnete Stadtansichten zu sehen. 2012 besuchten sie die Kulturinsel Einsiedel und schufen Bilder von Baumhäusern, bunten Schlössern und anderen kreativen Holzkonstruktionen. Mal mit zarter Feder wie Rosi Stein, mal mit lauten Farben wie Michael Förster, mal fasziniert von den sich immer höher hinaufwindenden Stegen und Leitern wie Gisela Mauermann.

Dass Görlitz einmal Ort des Pleinairs war, liegt mittlerweile schon sechs Jahre zurück. Doch diesmal findet das Zeichnen und Malen unter freiem Himmel wieder hier statt. Zu Himmelfahrt werden sich zahlreiche Maler von verschiedenen Orten der Stadt inspirieren lassen.

Ausstellung in der Annenkappelle bis 27. April, täglich außer Montag und Freitag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.