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Die Feldmäuse-Gruppe auf Tour

Christine Nobis wollte erst einen eigenen Kindergarten eröffnen. Nun macht sie das in Ulberndorf eine Nummer kleiner.

© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

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Dippoldiswalde. Eigentlich hatte Christine Nobis einen anderen Plan. Sie wollte vor vier Jahren in Ulberndorf wieder einen Kindergarten eröffnen. Aus dem großen Projekt ist nichts geworden, aber jetzt hat sie eines in kleinerem Rahmen verwirklicht. Sie betreut nun als Tagesmutti in Ulberndorf Kinder. „Feldmäuse“ nennt sie ihre Gruppe.

„Ich bin jetzt seit 43 Jahren Erzieherin, und das war immer mein Traumberuf“, erzählt die 61-Jährige. Sie hat erst im Kindergarten in Ulberndorf gearbeitet, bis der geschlossen wurde. In dem Gebäude befindet sich heute das Ärztehaus. Christine Nobis wechselte zum Kindergarten in der Glashütter Straße in Dippoldiswalde, wo sie bis zum vergangenen Jahr arbeitete, ehe sie mit den „Feldmäusen“ begonnen hat.

Dieser Name drückt auch aus, was für Christine Nobis und ihre vier Schützlinge im Vordergrund steht. „Unser Spielplatz ist die Natur“, sagt die Tagesmutti. Sie geht im Sommer immer raus und im Winter jeden Tag wenigstens eine Stunde, egal bei welchem Wetter. „Wir beobachten, wir lauschen auf die Vögel oder auf den Bach“, erzählt Christine Nobis.

Sie hat ihre Tagespflege im Hauptgebäude der früheren Förderschule in Ulberndorf eingerichtet. Der frühere Speiseraum ist jetzt der Aufenthaltsraum, und den früheren Computerraum hat sie als Schlafraum gestaltet. Die Küche nebenan hat sie auch modernisiert. Hier kocht sie jeden Tag frisch. Für die Investitionen bekam sie Fördermittel, musste aber auch einen Eigenanteil beisteuern.

Das Gebäude war schon immer für die Kinder bestimmt. Es ist 1849 zum ersten Mal als Dorfschule erwähnt, hat Christine Nobis vom Ortschronisten erfahren. Später war hier die Förderschule untergebracht. Die ist nach Reinholdshain umgezogen, und 2016 hat Christine Nobis das Haus vom Landkreis gekauft. Erst war ihr Ziel, das ganze Erdgeschoss als Kindergarten zu nutzen. Doch das hat die Stadt damals abgelehnt. „Ein Jahr später hat sich herausgestellt, dass in der Stadt Betreuungsplätze fehlen werden. Aber da hatte ich meine Pläne schon umgestellt“, erzählt die Erzieherin. Nun hat sie einen Teil des Erdgeschosses zu einer Wohnung umgebaut, im anderen betreibt sie ihre Tagespflege.

Eine große Terrassentür führt von hier ins Freie, wo die Kinder ihren Spielplatz haben. Dort stehen ein überdachter Esstisch und in der Ecke ein Hasenstall. Gleich um die Ecke ist auch der öffentliche Spielplatz, zu dem die Tagesmutti auch regelmäßig mit ihren Schützlingen geht. Christine Nobis ist froh, dass sie den Schritt zur selbstständigen Tagesmutti gemacht hat. „Es ist weniger Hektik und weniger Stress. Für mich ist es ein Altersjob. Ich will den jetzt auf jeden Fall fünf Jahre bis zur Rente machen.“ Für die Zeit danach hofft sie, dass jemand die Tagespflege übernimmt. „Meine Enkelin hat Sozialassistentin gelernt. Wenn sie den Wunsch hätte ...“, sagt die Erzieherin.

Aber ehe es so weit ist, wird sie noch zwei Generationen von Krippenkindern soweit bringen, dass sie in den Kindergarten wechseln können. Bei Thessa, der Ältesten in ihrer Gruppe, wird es im Sommer soweit sein. Dann wird wieder ein Platz frei. Die Tagespflege hatte bisher aber immer eine gute Auslastung. Derzeit sind vier Kinder fest bei den „Feldmäusen“, ein fünftes kommt zweimal die Woche mit seiner Mutti zur Eingewöhnung. Das wird dann ab März fest die Gruppe besuchen. Mehr als fünf Kinder darf eine Tagesmutti alleine ohnehin nicht betreuen.

Neben der Tagesmutter in Ulberndorf gibt es noch zehn weitere in der Stadt, die insgesamt 55 Betreuungsplätze anbieten. Das ist immerhin ein Fünftel aller Plätze, die es in der Stadt für Kinder im Alter bis zu drei Jahren gibt. Für Christine Nobis und ihre Feldmäuse ist es nun an der Zeit, ins Freie zu gehen. Sie zieht die Kinder an, setzt sie in den Gruppenwagen, den sie neu gekauft hat, und los geht die Tour aufs Feld, dorthin wo Feldmäuse sich am wohlsten fühlen.