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Die Feuerwehr-WG

Heeselicht und Stürza teilen sich ein Gerätehaus. Selbstverständlich ist das nicht, aber ein Vorbild für andere im Land.

© Steffen Unger

Von Anja Weber

Ein Foto mit Seltenheitswert: Die Kameraden von zwei Feuerwehren vereint vor ihrem gemeinsamen Gerätehaus. Den Feuerwehrleuten aus Stürza und Heeselicht ist das geglückt. Sie werden mit ihrem sachsenweit einzigartigen Pilotprojekt in die Feuerwehrhistorie eingehen.

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Bislang gibt es keinen weiteren Fall, bei dem sich zwei Kommunen und auch zwei Freiwillige Feuerwehren einig waren, künftig gemeinsam auszurücken. Tino Zimmer von der Feuerwehr in Stürza findet das richtig gut. „Mit den Heeselichtern verstehen wir uns schon immer super. Ich denke auch, dass dies ein Weg sein wird, den noch mehr Feuerwehren gehen müssen, sicherlich notgedrungen“, sagt er. Denn die beiden Wehren ziehen nicht nur zusammen in das Gerätehaus, sie rücken auch gemeinsam aus. Und gerade in den ländlichen Regionen wird es für die Freiwilligen Feuerwehren immer prekärer, vor allem bei Einsätzen tagsüber, die nötige Personalstärke zu erreichen.

Mitunter müssen dann die Alterskameraden mit ran. Ursprünglich hätte sich auch Hohnstein mit der Feuerwehr in Hohburkersdorf an dem Projekt beteiligen können. Doch das wurde damals abgelehnt. Dafür steht das neue Feuerwehrgerätehaus auf Hohburkersdorfer Flur. Der Bau wurde von der Gemeinde Dürrröhrsdorf-Dittersbach koordiniert und die Heeselichter Feuerwehr bringt ein neues Fahrzeug mit in die Ehe ein. Dieses war übrigens auch der Auslöser für die Idee eines gemeinsamen Gerätehauses. Denn, die Heeselichter brauchten ein neues Auto. Das alte Gerätehaus hat aber den dafür vorgesehen DIN-Normen nicht mehr entsprochen. Ein komplett neues Gerätehaus hätte sich Stolpen nicht leisten können. Ein Umbau wäre zu aufwendig gewesen. Und auch die Stürzaer liebäugelten längst mit einem etwas komfortableren Gerätehaus. So kam es eben zu diesem Projekt.

Rein praktisch sieht das so aus: Eine Zweckvereinbarung regelt die Finanzierung des kommunalen Eigenanteils sowie der Bau- und Unterhaltskosten. Beide Feuerwehren bleiben rechtlich und organisatorisch selbstständig. Der Freistaat unterstützte das Vorhaben mit etwa 700 000 Euro. Das sind 90 Prozent der Baukosten. Der Bau selbst ging ziemlich zügig voran. Nach dem Spatenstich am 26. Juni 2015 ist das Gerätehaus nach knapp einem Jahr Bauzeit fast fertig.

Das überraschte auch den CDU-Landtagsabgeordneten Jens Michel, der den Bau aus finanzieller Sicht mit begleitet hat. „Meine große Sorge war, dass hier noch Frösche oder Eidechsen entdeckt werden könnten. Doch es hat alles gepasst“, sagt der Politiker.

Das Gerätehaus selbst kann sich sehen lassen. Entstanden sind eine Fahrzeughalle für die beiden Feuerwehrautos, ein Versammlungsraum, eine Küche sowie ein Sanitärtrakt. Jens-Ole Timmermann, Bürgermeister von Dürrröhrsdorf-Dittersbach, ist sich sicher, dass sich damit die Arbeits- und Einsatzbedingungen verbessern werden. Stolpens Bürgermeister Uwe Steglich (FDP) sieht vor allem den Fakt im Vordergrund, dass es zwei Wehren nach einem kurzen Anlauf geschafft haben, künftig miteinander zu arbeiten.

Das sei das Wichtigste, denn sonst gebe es das neue Gerätehaus nicht. Und das biete die Chance, wieder etwas mehr für die Jugend zu tun und vielleicht wieder eine Jugendfeuerwehr zu gründen, sagt Uwe Steglich. Denn vor allem in der Gemeinde Dürrröhrsdorf-Dittersbach gibt es da noch einigen Nachholbedarf.

Das allerdings wird die Zeit bringen. Ebenso vielleicht der Schritt anderer Feuerwehren, ein ähnliches Projekt mit der jeweiligen Nachbarwehr anzugehen. Die Zukunft zwinge dazu, dass mehr und mehr Feuerwehren zusammenkommen, sagte Innenstaatssekretär Michael Wilhelm. Im Freistaat selbst gibt es aktuell keinerlei weitere Bestrebungen dieser Art in den Freiwilligen Feuerwehren.

Am Gerätehaus selbst wird in den nächsten Tagen noch weitergearbeitet. Die Außenanlagen müssen noch fertiggestellt werden. Die offizielle Einweihung erfolgt dann am 3. Juni anlässlich der Feierlichkeiten zum 130-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr von Stürza.