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Die finnische Gefahr

Joel Pohjanpalo trägt den Spitznamen „Danger“ – jetzt wird der Stürmer für Leverkusen diesem Ruf auch gerecht.

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© dpa

Von Ralph Durry

Nach seiner unglaublichen Tor-Gala bewies Joel Pohjanpalo auch noch Sinn für Humor. „I had a good finish“, witzelte der finnische Angreifer von Bayer Leverkusen, nachdem er innerhalb von 15 Minuten mit seinem Joker-Hattrick nicht nur den Hamburger SV aus allen Wolken gerissen, sondern auch Bayer Leverkusen ein nicht mehr für möglich gehaltenes 3:1 nach 0:1 beschert hatte.

Die „Danger“: Joel Pohjanpalo (l.) und Schauspieler Max von der Groeben. Fotos: dpa; Martina Nolte, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0de
Die „Danger“: Joel Pohjanpalo (l.) und Schauspieler Max von der Groeben. Fotos: dpa; Martina Nolte, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0de

Die Geschichte des Suomi-Stürmers, der bei Bayer zwar seit 2013 unter Vertrag steht, aber bis zu dieser Saison noch kein einziges Mal zum Zuge kam und stattdessen an den VfR Aalen und Fortuna Düsseldorf ausgeliehen wurde, ist schon etwas ganz Besonderes. Bei der Fortuna kam Pohjanpalo in der vergangenen Saison auf 1 300 Zweitliga-Minuten. Seine Ausbeute: zwei Tore. „Wir hatten vier Trainer und eine ganze Menge Durcheinander“, skizzierte Pohjanpalo die Probleme in Düsseldorf.

So kam der Nordeuropäer, der am Dienstag 22. Geburtstag feiert, wieder zu Bayer zurück, aber eigentlich ohne wirkliche Chance. Im Trainingslager in Österreich im Sommer überzeugte der Youngster aber Trainer Roger Schmidt, der Finne durfte bleiben und zahlte das Vertrauen mit Toren zurück. Zum Saisonauftakt erzielte er eine Minute nach seiner Einwechslung das zwischenzeitliche 1:1 in Mönchengladbach, was am Ende aber die 1:2-Niederlage nicht abwendete.

Am Sonnabend war Pohjanpalo nicht mehr zu halten, er traf in der 79., 91. und 94. Minute. „Das waren drei Bilderbuchtore“, meinte Schmidt freudestrahlend, „vor allem beim letzten Tor hat man gesehen, was Selbstvertrauen bei einem Spieler ausmacht.“ Torwart Bernd Leno, der seinen Vertrag bei Bayer vor dem Spiel bis 2020 verlängerte, lobte den neuen Torjäger: „Der ist ein Killer vor dem Tor.“

Sportchef Rudi Völler, Weltmeister von 1990 und einst einer der besten Mittelstürmer der Welt, konnte sich ebenfalls nicht erinnern, wann ein eigentlich schon aussortierter Profi so wie Pohjanpalo wie Phönix aus der Asche emporgestiegen war: „Ich glaube, er wird sich heute Nacht einige Male zwicken.“ In der Tat hatte die Hattrick-Show des Joel Pohjanpalo, der von den Bayer-Fans nach dem Abpfiff frenetisch am Zaun gefeiert wurde, schon etwas Irrationales.

„Der Trainer hat zu mir bei der Einwechslung gesagt: Schieß ein Tor“, berichtete der Finne auf Englisch, „ein Physio hat sogar gemeint, mach am besten drei.“ Gesagt, getan. „Danger“ wurde er im Trainingslager der Werkskicker in Zell am See getauft – wegen der frappierenden Ähnlichkeit mit Schauspieler Max von der Groeben, der in der Filmkomödie „Fack ju Göhte“ den Daniel Becker mimt und in dieser Rolle den Beinamen „Danger“ hat. Gefährlich – ja, das ist Pohjanpalo. Torriecher bewies er schon 2012 als Teenager bei HJK Helsinki: „Da habe ich nach 2:42 Minuten mein erstes Tor gemacht.“ (sid, mit dpa)